Zurück zu den Wurzeln

Feature | 7. September 2005 von admin 0

„Die integrierte Chargenführung war einer von vielen guten Gründen, uns 2001 für die Unternehmens-Software Foodsprint von command zu entscheiden“, so die Bilanz von Heinrich Ritscher, dem Geschäftsführer von Döllinghareico. Dem Unternehmen aus dem holsteinischen Elmshorn lag schon damals am Herzen, was seit Januar 2005 für alle Nahrungsmittelhersteller verbindlich ist: die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Lebens- und Futtermitteln entsprechend der EU-Verordnung 178/2002.
Im alten EDV-System der Firma klaffte ein schwarzes Loch zwischen Auftragsannahme und Versand. Die Produktionsprozesse waren noch in separaten Anwendungen abgebildet und wurden zum Teil manuell erfasst. Man konnte zwar ermitteln, wer wann welche Waren erhalten hatte, die Rückverfolgung ihrer Bestandteile bis hin zum Rohstoff und Rohstofflieferanten war jedoch nicht vollständig dokumentiert. Eine Recherche nahm oft ein bis zwei Arbeitstage in Anspruch – eine zeitaufwändige Angelegenheit. Ein Massenprodukt wie die „Holsteinische Bauern-Mettwurst“ zurückzuverfolgen war so gut wie unmöglich. Dabei gehen davon täglich mehrere Tonnen an die Fachgeschäfte.
„Eine Chargenführung, die nicht in die Unternehmens-Software integriert ist oder gar mit Papier und Bleistift gehandhabt wird, war uns einfach nicht genug“, betont der Geschäftsführer. Heute sorgt Foodsprint innerhalb von Minuten für Klarheit. Die EDV-Lösung bildet den kompletten Warenfluss des Unternehmens in nur einem System ab. Für hieb- und stichfeste Auskünfte müssen weder Ordner gewälzt noch Informationen aus verschiedenen Programmen / Software-Quellen zusammengeführt werden.

Chargenführung über alle Produktionsstufen hinweg

Döllinghareico ist heute in der Lage, sämtliche Chargennummern direkt im EDV-System zu erzeugen und zu führen – dies gilt sowohl für Fertigprodukte (Streichwurst, Grillwürstchen) und Halbfabrikate (Bräte, Rohlinge, Gewürzmischungen) als auch für Rohmaterialien (Gewürze, Frischfleisch, Wursthüllen/Därme). Mit Eingang der Ware vergibt Foodsprint, eine Lösung, die auf mySAP ERP basiert, automatisch eine Chargennummer und führt sie im System mit. Sie wird an Zwischen- und Halbfabrikate wie auch an die Endprodukte übermittelt und bleibt über den gesamten Produktionsprozess hinweg erhalten. Nach jeder Rückmeldung im Fertigungsauftrag wird die Chargennummer aktualisiert.
Dabei ist die Produktionsstruktur des mittelständischen Fleisch- und Wurstwarenherstellers sehr komplex. Sie umfasst die Schritte Zerlegung, Bereitstellung, Cuttern, Füllen, Räuchern, Reifen, Verpacken, Kommissionierung und Versand.
In der Zerlegung beispielsweise entstehen aus dem angelieferten Rohstoff – in der Regel Frischfleisch – Zwischenartikel, das heißt Fleischteile, die eine neue Chargenummer erhalten. Dabei bewältigt das EDV-System ein branchenspezifisches Problem: die negative Stückliste. Anders als sonst in der Lebensmittelerzeugung werden hier nämlich nicht verschiedene Bestandteile zu einen Produkt verarbeitet, sondern ein Bestandteil (Einzeltier) wird in mehrere Zwischenartikel zerteilt.
Auch ein Halbfabrikat, das vor der Weiterverarbeitung gekühlt zwischengelagert wird, erhält eine Chargennummer. In den Mischprozessen entstehen weitere Zwischenprodukte, die wiederum neu nummeriert werden. Jedes einzelne übernimmt die Chargenmerkmale der jeweiligen Ausgangschargen. Mit Hilfe der Top-down-Analyse (Rückverfolgung vom Endprodukt zum Rohstoff) in Foodsprint lässt sich jederzeit feststellen, aus welchen Bestandteilen es sich zusammensetzt: Auf Knopfdruck listet das System beispielsweise alle Chargen auf, die bis zu diesem Zeitpunkt in einer ungeräucherten Rohwurst verarbeitet wurden: Schweine- und Rindfleisch, Speck, Salz, verschiedene Gewürze und Wurst-Hüllen.
Viele Artikelvarianten entstehen erst in der Verpackung. Die 80-Gramm-Packung Salami im SB-Bereich zum Beispiel trägt eine andere Chargennummer als die eingeschweißte Salami am Stück für den Thekenverkauf. Die Befürchtung von Döllinghareico, das riesige Artikel- und Chargenvolumen könnte die Datenbank sprengen, bestätigte sich jedoch nicht, genau wie auch die Leistung des EDV-Systems nicht beeinträchtigt wurde.

Für den Ernstfall gut gerüstet

Das zentrale Ziel der neuen EU-Verordnung zur Chargenrückverfolgung ist es, schadhafte Lebensmittel und Rohstoffe im Ernstfall schnell aus dem Verkehr ziehen zu können – zum Schutz des Konsumenten. „Für eine Rückrufaktion haben wir unsere Software noch nie benötigt. Aber wir sind gut darauf vorbereitet“, betont Ritscher. In seinem Unternehmen gibt es ein speziell geschultes Krisenteam, das sofort zusammentritt, sobald die Gesundheit des Verbrauchers in irgendeiner Weise gefährdet sein könnte. Das Team koordiniert entsprechende Maßnahmen; die Informationen dafür liefert Foodsprint beziehungsweise das Chargencockpit der SAP-Branchensoftware. In dieser Anwendung sind alle Funktionen zur Chargenführung zusammengefasst. Damit kann Döllinghareico Auslieferungslisten nach Chargennummer, Mindesthaltbarkeitsdatum oder Artikelnummer erstellen und so innerhalb kürzester Zeit herausfinden, welche Kunden in welchem Zeitraum die betreffende Ware erhalten haben oder ob davon noch etwas am Lager ist.
In gleicher Weise ermöglicht Foodsprint die Rückverfolgung vom Endprodukt zum Rohstoff, die Top-down-Analyse. Da es keine Medienbrüche oder gar Informationslücken gibt, kann der Ursprung eines beanstandeten Lebensmittels eindeutig lokalisiert werden. Bei Rückrufaktionen muss nicht auch unbedenkliche Ware vernichtet werden, nur weil sich die Charge nicht herausfiltern lässt. Finanzielle Verluste sind so ausgeschlossen. Durch die integrierte Software ist Döllinghareico außerdem in der Lage, Handel und Behörden innerhalb weniger Stunden Auskunft über den Verbleib von Ware zu geben. „Das Rückruf-Management ist zwar nur für den Notfall gedacht, aber wir überzeugen uns regelmäßig davon, dass es dann greift“, betont der Geschäftsführer und ergänzt: „Das wird vom Handel auch ausdrücklich erwartet und entspricht den Anforderungen des IFS-Regelwerkes.“
Überzeugt von der Chargenrückverfolgung bei Döllinghareico zeigten sich auch die Prüfer der DQS GmbH (Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen). 2005 haben sie den Fleisch- und Wursthersteller zum wiederholten Male nach dem International-Food-Standard (IFS) zertifiziert (Higher Level). Als Nachweis dienten den IFS-Auditoren Systembeschreibung und Dokumentation aus der SAP-Software. Die Chargenrückverfolgung ist eines von fünf K.o.-Kriterien, auf deren Grundlage die Zertifizierung durch die zuständigen Behörden erfolgt.

Erfolgreiche Chargenführung basiert auf durchdachter Einführung

Für die erfolgreiche Chargenführung benötigt ein Unternehmen neben einer leistungsfähigen Software auch einen Einführungspartner, der sie an die individuellen Bedürfnisse anpasst. Er muss die Prozesse und die Branche verstehen und Projekterfahrung mitbringen. Heinrich Ritscher zeigt sich zufrieden: „Wir haben vom fundierten Know-how der command ag profitiert.“ In enger Zusammenarbeit mit den Schlüsselanwendern in den Fachabteilungen (Key-Usern) bildeten die Berater die diversen Sonderfälle, die in der Produktion des Fleischproduzenten auftreten können, im System ab: Alternativ-Stücklisten, deren Bestandteile in eine Rezeptur einfließen, wenn es Engpässe bei der Rohstofflieferung gibt, werden selbstverständlich chargengemäß verarbeitet. Auch die – leider nicht vermeidbare – Retro-Logistik muss fester Bestandteil der Rückverfolgbarkeit sein. Weitere in Foodsprint realisierte Sonderfälle sind die kundenbezogenen Chargensuchstrategien nach Restlaufzeiten, die Verifizierung geforderter Qualitätsparameter sowie die chargenbezogene Quarantäne-Lagerführung, die von der Qualitätssicherung vorgegeben wird.
Bei der Vergabe der Chargennummern und der Art der Nummerierung ging der Wurstproduzent zunächst andere Wege, als command vorgeschlagen hatte. Nachdem sich der Rat der branchenkundigen SAP-Berater im Nachhinein doch als die bessere Lösung erwies, stellte Döllinghareico trotz Mehraufwand die Bezeichnungen noch einmal um. „Hier zeigte sich ganz deutlich, dass command schon einen breiten Erfahrungshorizont hat“, bestätigt Heinrich Ritscher. Und er fügt hinzu: „Nicht selten stellte sich nach genauer Prozessanalyse und Beratung heraus, dass unsere Anforderungen in Foodsprint längst zum Standard gehören.“

Angela Funck

Angela Funck

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