Zwei Königskinder?

Feature | 15. Juli 2003 von admin 0

Der unternehmensübergreifende elektronische Datenaustausch (B2B-E-Commerce) wird künftig auch im Mittelstand an strategischer Bedeutung gewinnen. Im Internet können Unternehmen, die in einer wertschöpfenden logistischen Kette (Supply Chain) zusammenarbeiten, mittels Web-EDI (Electronic Data Interchange) oder XML-basierten Protokollen wie SOAP (Single Object Access Protocol), unkompliziert, kostengünstig und in Echtzeit miteinander kommunizieren.
Trotz der damit verbundenen Einsparpotenziale – die Schätzungen schwanken zwischen 10 und 50 Prozent – zeigt der Mittelstand noch große Zurückhaltung, seine Wertschöpfungsketten mit Hilfe von SCM-Systemen zu verbessern. So kamen die Marktforscher der International Data Corporation (IDC) bei einer Umfrage unter knapp 740 Firmen zu dem Ergebnis, dass 12,5 Prozent der Firmen mit einer Beschäftigtenzahl zwischen 100 und 999 ein SCM-System haben. Bei Unternehmen mit bis zu 99 Mitarbeitern waren es nur 9,1 Prozent. Auch die Berater von Cap Gemini Ernst & Young (CGEY) sehen im Mittelstand eines der SCM-Sorgenkinder, SCM-Erweiterungen von ERP-Systemen sind eher selten. Mit einem Anteil von 14 Prozent ist SCM unterrepräsentiert, heißt es in der 2002 durchgeführten Studie „ERP im Mittelstand“. Zum Vergleich: Dokumenten Management Systeme (DMS) sind nach CGEY in 52 Prozent der mittelständischen Betriebe bereits etabliert. Auch Daniel Palm vom SCM Competence und Transfer Center (CTC) beim Fraunhofer IPA in Stuttgart sieht die KMU beim Thema SCM noch im Abseits. Seiner Ansicht nach zerstören die Softwareanbieter mit immer neuen Marketing-Begriffen ihren Markt. So hat sich bis heute für den Begriff Supply Chain Management keine einheitliche Definition durchsetzen können. Minimalkonsens ist, dass Integration (informations- und datentechnisch) sowie Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen (Collaboration) zentrale Elemente des SCM sind. Zudem, so Palm weiter, schrecke die fehlende Transparenz bei Angebot, Nutzen und Kosten viele KMU ab.

SCM muss sich rechnen

A propos Kosten: Einer Einschätzung der Unternehmensberatung Detecon (früher: Diebold) zufolge beginnen die SCM-Projektkosten bei rund 250.000 Euro. Für KMU ist das deutlich zu hoch. Gefragt sind deshalb abgespeckte SCM-Systeme beziehungsweise einzelne Komponenten aus einem Komplettsystem, zugeschnitten auf die Bedürfnisse und den Geldbeutel der KMU. In diesem Zusammenhang könnte dem Mieten von Software (Application Service Providing) als kostengünstigem Nutzungsmodell eine Renaissance bevorstehen.
Die Software-Anbieter haben das SMB-Potenzial erkannt, denn zahlreiche Initiativen künden vom neu erwachten Interesse am Mittelstand. Dies gilt auch für die SAP, die sowohl mit einer Supply Chain Lösung am Markt ist (mySAP Supply Chain Management) als auch mit spezifischen Lösungen für den Mittelstand (mySAP-All-in-One, SAP Business One).
Einfach handhabbare SCM-Anwendungen mit wenigen Schnittstellen, die bei Bedarf erweiterbar sind, bringen dem Mittelständler Wettbewerbsvorteile in punkto Kosten (verringerte TCO, Transparenz), Zeit (schlankere Produktion, Just-in-time-Lieferung) sowie Qualität und Innovation im Verbund „Lieferant-Hersteller-Kunde“. Professor Werner Hug von der FH Südwestfalen definiert das erfolgreiche Zusammenspiel dieser und weiterer Faktoren als integriertes SCM (iSCM). So kommen wohl die Königskinder SCM und Mittelstand am Ende doch noch zusammen.

Weitere Informationen:

www.competence-site.de/pps.nsf,
www.scm-ctc.de,
www.scene.iao.fhg.de
www.sap.com/germany/solutions/scm
www.sap-ag.de/germany/solutions/mittelstand

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