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11 Fragen zu SAP S/4HANA Cloud

Blog | 9. August 2017 von Andreas Schmitz und Julian Bischoff 35 Hot Story

Mit SAP S/4HANA Cloud hat SAP ein Public-Cloud-ERP für mittlere bis große Unternehmen geschaffen. Fragen an den SAP S/4HANA-Experten Stefan Batzdorf, zuständig für Presales Region MEE bei der SAP Deutschland SE & Co. KG.

1. Die SAP bietet für SAP S/4HANA verschiedene Betriebsmodelle an. Welche Optionen sind möglich und was sind charakteristische Unterschiede?

2. Welche Unternehmen setzen bevorzugt auf die On-premise-Variante?

3. Für welche Art von Unternehmen eignet sich die Public-Cloud-Variante von SAP S/4HANA? Welche Vorteile ergeben sich daraus?

4. Welche branchenspezifischen Editionen stehen für SAP S/4HANA Cloud zur Verfügung?

5. Welches Angebot gibt es für Unternehmen, die in die Cloud wollen, denen der Funktionsumfang von SAP S/4HANA Cloud jedoch nicht ausreicht?

6. Es gibt Unternehmen, die SAP S/4HANA auf ihren eigenen Servern laufen lassen möchten, bestimmte Prozesse aber lieber standardisiert in der Cloud betreiben wollen. Ist dies möglich?

7. Welches sind aktuell die Haupttreiber für Unternehmen, SAP S/4HANA in der Cloud zu nutzen?

8. Wie kann man sich die IT-Architektur der Zukunft in den Unternehmen vorstellen?

9. Für wen ist SAP Business ByDesign, für wen SAP S/4HANA Cloud als Cloud-ERP geeignet?

10. Wie sollten Unternehmen mit ihren Eigenentwicklungen umgehen?

11. Können Sie von konkreten SAP S/4HANA-Cloud-Projekten berichten?


1. Herr Batzdorf, die SAP bietet für SAP S/4HANA verschiedene Betriebsmodelle an. Welche Optionen sind möglich und was sind charakteristische Unterschiede?


SAP S/4HANA kann sowohl On-premise als auch in der Cloud betrieben werden.

Die On-premise-Version von SAP S/4HANA betreiben Unternehmen selbst auf ihren eigenen Servern. Diese Version bietet für sämtliche Branchen aktuell noch den breitesten Funktionsumfang von SAP S/4HANA und den größten Grad an individueller Anpassbarkeit. Die On-premise-Version kann auch in der Cloud – in diesem Fall der SAP HANA Enterprise Cloud –betrieben werden. Vorteil: Die SAP stellt den Server und die Hardware zur Verfügung und sorgt von ihrem Rechenzentrum aus für den Betrieb und die Sicherheit der Systeme. Der Kunde kann unabhängig davon die Software nach seinen Wünschen modifizieren und anpassen. Für die Kunden fühlt es sich also an, als würde das System im eigenen Unternehmen vorliegen.

SAP S/4HANA Cloud nutzt der Kunde als Software as a Service (SaaS). Sie lagern ihre Technik also in die Cloud aus. Die SAP kümmert sich um den Betrieb des Systems und stellt quartalsweise neue Updates zur Verfügung. SAP S/4HANA Cloud bietet alle digitalen Kernfunktionen eines ERP-Systems und stellt sie mit verschiedenen Editionen hochstandardisiert und branchenspezifisch zur Verfügung. Dennoch stellen SAP S/4HANA On-premise und SAP S/4HANA Cloud ein einheitliches Produkt dar, weil SAP S/4HANA aus einer einzigen Code-Linie entwickelt wurde und die beiden Produkte sich die Innovationen teilen.

2. Welche Unternehmen setzen bevorzugt auf die on-premise-Variante?


Das On-premise-Szenario wird häufig von größeren Unternehmen mit komplexen Strukturen bevorzugt, da SAP S/4HANA On-premise alle neuen Innovationen mit dem gesamten Funktionsumfang der SAP Business Suite vereint; das sind über 80.000 Transaktionen und Reports. Zudem können Kunden das System ganz nach ihren Vorstellungen und Anforderungen modifizieren und anpassen. Dies ist auch beim Betrieb in der Enterprise Cloud möglich (siehe Frage 1).

3. Für welche Art von Unternehmen eignet sich die Public-Cloud-Variante von SAP S/4HANA? Welche Vorteile ergeben sich daraus?


SAP S/4HANA Cloud ist für Unternehmen interessant, deren Kerngeschäft standardisierte Prozesse wie Finanzbuchhaltung, Controlling, Vertrieb oder Lagerwirtschaft umfasst, die also keiner individuellen Modifikation bedürfen. Anstatt diese Vorgänge weiter unter großem Aufwand von der firmeneigenen IT-Abteilung betreiben zu lassen, nutzen diese Unternehmen SAP S/4HANA als klassische SaaS-Lösung und lagern ihre Prozesse in die Public Cloud der SAP aus. Das Unternehmen wählt eines der hochstandardisierten Cloud-Pakete und zahlt dafür monatlich. Den Hardware- und Software-Betrieb sowie den Enterprise-Support übernimmt die SAP. Der Kunde kann zwar eigene Erweiterungen und Applikationen in das System einbauen, jedoch – anders als bei der On-premise-Variante – keine Modifizierung des SAP-Codes vornehmen. Für ein Unternehmen, das zum Beispiel eine Produktionsstraße in Osteuropa betreibt, macht es keinen Sinn, einen eigenen Server zu betreiben oder auf das On-premise-System des Headquarters zu heben. Hier bietet sich die Public Cloud an.

4. Welche branchenspezifischen Editionen stehen für SAP S/4HANA Cloud zur Verfügung?


Wir bieten unseren Kunden unterschiedliche Cloud-Editionen für unterschiedliche Branchenanforderungen. Die SAP S/4HANA Professional Services Cloud etwa wurde für Service-Unternehmen konzipiert und bietet von der Projekterstellung und der Personalerfassung über die Kundenauftragsabwicklung und die Abrechnung bis hin zur Buchhaltung und den Finanzen ein komplettes End-to-End-Web-Erlebnis. Die SAP S/4HANA Finance Cloud ist besonders interessant für Unternehmen und Einrichtungen mit vielen Finanztransaktionen und wenigen logistischen Prozessen, etwa den öffentlichen Sektor. Die SAP S/4HANA Enterprise Management Cloud subsumiert sämtliche dieser Funktionen und stellt damit die größte „Ausbaustufe“ von SAP S/4HANA Cloud dar. Dazu kommt seit kurzem die SAP S/4HANA Manufacturing Cloud, die Fertigungs-Prozesse abdeckt und damit ideal ist für produzierende Unternehmen. Diese Cloud-Editionen von SAP S/4HANA gehören zum Software-Stack der SAP und verfügen über denselben technischen Kern wie die on-premise-Variante. Sie unterscheiden sich lediglich in ihrer Konfiguration und in ihren hochstandardisierten Lösungen für unterschiedliche Branchen.

5. Welches Angebot gibt es für Unternehmen, die in die Cloud wollen, denen der Funktionsumfang von SAP S/4HANA Cloud jedoch nicht ausreicht?


Für diese Kunden bietet SAP im Rahmen der SAP S/4HANA Cloud auch eine private Option an. Diese verbindet Standardisierung, Skalierbarkeit und Total Cost of Ownership der Public Cloud mit dem vollen Funktionsumfang der On-premise-Lösung von SAP S/4HANA und wird auch in der SAP HANA Enterprise Cloud als private Cloud betrieben. Betreibt etwa ein Mutterkonzern sein SAP S/4HANA On-premise, dann bietet sich an, ein Tochterunternehmen oder Zukauf in der Cloud abzubilden. Die „Private Option“ ermöglicht die volle Integration der Public-Cloud-Technik des Tochterunternehmens in die Struktur des Mutterunternehmens. Der Schlüssel dafür ist die einheitliche Code-Linie von SAP S/4HANA.

6. Es gibt Unternehmen, die SAP S/4HANA auf ihren eigenen Servern laufen lassen möchten, bestimmte Prozesse jedoch lieber standardisiert in der Cloud betreiben wollen. Ist dies möglich?


Ja, natürlich. Dieser hybride Ansatz ist gerade bei größeren Unternehmen ein beliebtes Szenario, denn er schafft die nötige Flexibilität. Die Grundfrage für Unternehmen lautet hier stets „Core oder Context“. Das heißt: Was sind meine Kernprozesse? Und welche Vorgänge sind nicht ganz so entscheidend für mein Business, also eher „Context-Prozesse“? Die eminent wichtigen Kern-Prozesse, die geschäftsentscheidend sind oder sogar einen einzigartigen USP enthalten, werden mit SAP S/4HANA on-premise und all seinen individuellen Modifikationsmöglichkeiten lokal betrieben. Die untergeordneten Prozesse dagegen, die keiner individuellen Anpassung bedürfen, können in die Cloud gegeben werden. Das spart dem Kunden Mühe und den betrieblichen Aufwand.

7. Welches sind aktuell die Haupttreiber für Unternehmen, SAP S/4HANA in der Cloud zu nutzen?


Der Hauptgrund für Unternehmen liegt darin, dass sie schneller als bisher in der Lage sein müssen, Innovationen zu ermöglichen. Wenn ein Finanzchef eine neue Analysesoftware benötigt, sollte sie schnell einsatzbereit sein. Es ist für ein Unternehmen oft zu teuer und aufwendig, selbst entsprechende Funktionalitäten zu schaffen, zu entwickeln, zu installieren und zu betreiben. In der Cloud stehen alle drei Monate mit dem neuen Release Innovationen zur Verfügung, die genutzt werden können. Kein IT-Mitarbeiter braucht sich mehr mit dem IT-Betrieb, der Administration und Konfiguration zu beschäftigen, sondern kann sich auf die Innovationen konzentrieren, die das Unternehmen weiter bringen. Selbst konservative Unternehmen fragen inzwischen immer häufiger nach der Public Cloud, die sich meiner Ansicht nach mittel- bis langfristig durchsetzen wird.

8. Wie kann man sich die IT-Architektur der Zukunft in den Unternehmen vorstellen?


Das ist unterschiedlich. Klar ist: SAP macht mit SAP S/4HANA und der SAP Cloud Platform eine IT der zwei Geschwindigkeiten möglich. Im digitalen Kern SAP S/4HANA werden die Kern-ERP-Prozesse betrieben, die sich nicht ständig verändern, sondern stabil laufen sollen. Das können etwa bei einem produzierenden Unternehmen die Produktionssysteme, Product Lifecycle Management und logistische Prozesse sein, die auf den individuellen Prozess abgestimmt sind. Und wer Innovationen und individuelle Entwicklungen realisieren will, tut dies auf der SAP Cloud Platform – besonders in Hinsicht auf die Themen IoT oder Machine Learning. Die Kunden können darin neue Anwendungen ausprobieren, ohne die Kern-ERP-Prozesse zu beeinträchtigen oder gar auszubremsen. Für die Endanwender fühlt es sich an wie eine einzige Software.

9. Für wen ist SAP Business ByDesign, für wen SAP S/4HANA Cloud als Cloud-ERP geeignet?


Wer SAP S/4HANA nach dem 2-Tier-Modell betreibt, hat beispielsweise den Vorteil, dass dieselbe Funktionalität und Code-Linie mit demselben Datenmodell im Mutter- wie Tochterkonzern genutzt werden können. Jeder Beleg aus dem Finanzbereich, dem Einkauf oder der Produktion kann direkt im On-premise-System angeschaut und weiter verarbeitet werden. Setzen Tochterunternehmen auf SAP Business ByDesign, ist das Datenmodell unterschiedlich. Die Belege müssen also konvertiert werden. Für Tochterunternehmen kann SAP Business ByDesign allerdings durchaus Sinn machen. Etwa dann, wenn nur 50 Mitarbeiter das ERP-System nutzen, ist SAP Business ByDesign geeigneter, da die Leistungsfähigkeit eines SAP S/4HANA nicht unbedingt ausgeschöpft wird. Sitzen hingegen etwa 800 bis 1.000 „Professional User“ am System und werden große Datenmengen bearbeitet, sollte das Unternehmen auf SAP S/4HANA Cloud setzen, weil die Lösung noch mehr skaliert und für Großkunden ausgelegt ist.

10. Wie sollten Unternehmen mit ihren Eigenentwicklungen umgehen?


Bestehende Eigenentwicklungen lassen sich nicht 1:1 übernehmen. Jedoch lässt sich bestehender „Custom Code“ in der Cloud nachimplementieren, sofern die Anpassungen sich an öffentlich freigegebenen Schnittstellen orientieren, so genannten Public APIs (https://api.sap.com/). So lassen sich in Applikationen eigene Tabellen anlegen, durch eigene Felder erweitern oder das User Interface anpassen. Ein kleines Migrationsprojekt für den kundenspezifischen Code ist also nötig. Von SAP S/4HANA-Migrationsprojekten wissen wir, dass etwa zehn bis 15 Prozent der Eigenentwicklungs-Objekte angepasst werden müssen. Auch bei einem Cloud-Projekt liegt der Anteil deutlich unter 50 Prozent.

11. Können Sie von konkreten SAP S/4HANA-Cloud-Projekten berichten?

Ein Unternehmen aus der Energiebranche hat sich bereits für eine SAP S/4HANA-Cloud-Strategie entschieden. Bis die Branchenlösung für die Energiewirtschaft auch in der Public Cloud zur Verfügung steht, fährt das Unternehmen die Strategie, sein System in der Private Option der SAP S/4HANA Cloud zu implementieren. Das hat den Vorteil, ohne größere Umstellungen mittelfristig komplett in die Public Cloud gehen zu können. Im Automobilbereich gibt es mehrere Konzerne, die für agile Einheiten im Konzern SAP S/4HANA in der Cloud einsetzen. In einem Fall geht es vorrangig darum, digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Im Mittelpunkt stehen also Finanz- und Projektmanagementprozesse. Im zweiten Beispiel geht es um einen Konzern, der in einem Inkubator neue Geschäftsbereiche erschließen will, die mit ursprünglichen Konzernprozessen wenig zu tun haben. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass der Bereich schnell auf eine vierstellige Mitarbeiteranzahl anwachsen kann. Die Lösung heißt in beiden Fällen SAP S/4HANA Cloud, während der Mutterkonzern sich für eine SAP S/4HANA-Strategie entschieden hat. Die Beispiele zeigen, dass Public-Cloud-Lösungen zunehmend eine wichtige Rolle in Großunternehmen spielen.

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