Finance: Vom Getriebenen zum Treiber werden

Mit der Umstellung auf SAP S/4HANA führt die Finanzfunktion die digitale Transformation an. Zumindest theoretisch. Denn obwohl die Plattform steht, hadern viele CFOs noch, ihre Anwendungen und Prozesse neu zu gestalten. Worauf kommt es jetzt an?

Weltweit stellen Finanzleiter auf die Plattform SAP S/4HANA um. Die Wünsche sind klar: darunter eine dynamischere Planung, Ad-hoc-Einblicke in die Unternehmensleistung, automatisierte Finanzprozesse und ein Risikomonitoring in Echtzeit. Doch dafür gilt es, auf Basis der neuen Plattform auch innovative Finance-Anwendungen einzuführen. Das tut nicht jeder. Aber warum eigentlich?

Anwendungen als Erfolgsfaktor

„Ich denke, der Benefit digitalisierter Finanzprozesse ist vielen Entscheidern noch nicht klar genug, um größere Investitionen zu tätigen“, sagt Nicolas Roussel, Partner bei Deloitte. Deshalb brauchen wir handfeste Anwendungsbeispiele und erfolgreiche Kundenprojekte.“ Roussels Kollege Stefan Albrecht ist bei Deloitte als Director im Bereich Enterprise Applications an zahlreichen Transformationsprojekten beteiligt. Er bemerkt eine abwartende Haltung am Markt: „In den USA sind viele Unternehmen deutlich weiter bei der Finanztransformation. Europa ist da um einiges vorsichtiger. Man will hier erst einmal sehen, ob sich beispielsweise die Investition in einen Trend wie Finance Robotics wirklich lohnt. Und man möchte erst einmal von den Erfahrungen anderer Unternehmen lernen.“

Es ist nachvollziehbar und nur konsequent, wenn CFOs den Return on Investment einer Digitalisierungsinitiative Schwarz auf Weiß sehen möchten, bevor sie starten. Ein zu langes Hadern kann aber gefährlich werden. Der Druck des Marktes hat mit dem digitalen Zeitalter schließlich enorm zugenommen: Es reicht jetzt nicht mehr aus, fundierte Entscheidungen zu treffen – wenn man dafür deutlich länger braucht als der Wettbewerb. Beispielsweise, weil man doch noch mit der Tabellenkalkulation arbeitet, obwohl der Digital Core schon steht. „Man muss sich entscheiden, ob man als Treiber der Digitalisierung vorneweg gehen oder hinterherlaufen will“, sagt Roussel.

Gleiche Ziele, neue Mittel: Machine Learning, Predictive Analytics, Blockchain

Mit SAP S/4HANA und mit den zahlreichen neuen Prozessen von Machine Learning und Predictive Analytics über das Internet of Things bis hin zu Trends wie der Blockchain verändern sich viele grundlegende Prozesse der Finanzfunktion. Die Gründe für den Wandel sind aber keine neuen: Auch im digitalen Zeitalter geht es schließlich darum, die Standardisierung und Automatisierung voranzutreiben, so Kosten zu sparen und die Qualität der Zahlen und damit letztlich der Entscheidungen zu verbessern. Das Ausmaß der Chancen ist aber ein ganz anderes.

„Natürlich ist es aufwendiger, das Universal Journal einzuführen, als beispielsweise eine Stammdatenvalidierung bei der Anlage eines Businesspartners zu etablieren“, sagt Roussel. „Aber man erhält damit eben auch einen erheblich höheren Return.“

Monitoring statt Abstimmung

Experten gehen davon aus, dass sich vor allem Buchhaltung und Controlling in den nächsten Jahren stark wandeln werden. Beide Aufgabenfelder werde es weiterhin geben, doch das gesamte Rechnungswesen dürfte durch die Prozessautomatisierung näher zusammenrücken. Das Controlling beispielsweise wird das Beschaffen und das Aufbereiten von Zahlen an „Robot-Kollegen“ outsourcen können. Diese liefern klar strukturierte Entscheidungsoptionen, die der Controller mit all seiner Erfahrung interpretieren kann und so letztlich schneller reagiert. Statt seine Zeit in Routineaufgaben wie langwierige Abstimmungen zu investieren, kann er sich verstärkt auf die eigentliche Unternehmenssteuerung konzentrieren.

Das Controlling wird das Beschaffen und das Aufbereiten von Zahlen an „Robot-Kollegen“ outsourcen.

All das erfordert aber auch ein neues Verständnis der Risikofunktion. Wenn nämlich immer mehr Finanzprozesse digitalisiert und automatisiert werden, muss sich der Mensch vollkommen auf die Richtigkeit der zugrundeliegenden Zahlen verlassen können. „Konsistente und valide Daten sind die Basis der digitalen Finanzfunktion. Damit kommt auch der Analyse dieser Daten auf mögliche Risiken ein ganz neuer Stellenwert zu“, sagt Alexander Michnov, Head of Sales LoB Finance MEE bei SAP. „Bei hochgradig automatisierten Prozessen reicht es nicht, alle Risiken lediglich zu erkennen. Man muss sie schnell bewerten und sofort die geeigneten Gegenmaßnahmen identifizieren und umsetzen können.“ Das Stichwort heißt Embedded Compliance: Die integrierte Risikoanalyse und die systemgestützte Risikobewältigung werden zum integralen Bestandteil aller Finanzprozesse.

Finanztransformation: Zeit zu handeln

Klar ist: Gestartet haben die meisten Unternehmen ihre Finanztransformation also längst. Nun stellt sich die Frage, wie sie diese Chance nutzen werden. CFOs stehen jetzt vor einer Wahl, die über Erfolg und Misserfolg ihres gesamten Unternehmens entscheiden kann: Wollen sie den Wandel in kleinen, vorsichtigen, reaktiven Schritten angehen? Dann werden sie vielleicht kurzfristig keine Risiken eingehen und keine Fehler machen. Aber sie werden auch nie Vorreiter sein und ihr Unternehmen voranbringen können.

Oder sie haben den Mut, eine Zukunftsvision nicht nur zu entwickeln, sondern sie auch konsequent durchziehen. Und damit den Wettbewerb vor sich herzutreiben. Dafür braucht es heute keinen Big Bang mehr. Die Finanztransformation gelingt auch sukzessive – indem beispielsweise zunächst ein innovatives Analysewerkzeug eingeführt wird, das Quick Wins bei geringem Aufwand erzielt. Das Fundament steht schließlich bereits. Und macht es möglich, die Limitierungen der alten Finanz-IT hinter sich zu lassen.

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