Prognosen für 2018: Technologie unterstützt die menschliche Interaktion

Das Denken ist die letzte Grenze, sagt man. Faszinierende Idee? Dann interessiert es Sie vielleicht auch, was führende Wirtschafts- und Technologieexperten zu den folgenden Prognosen bewegt.

Neue Technologien werden nicht nur schnellere Datenauswertungen ermöglichen und Effizienzsteigerungen bewirken, sondern auch unsere alltägliche Interaktion erleichtern, Markenerlebnisse individueller gestalten, unsere Selbstwahrnehmung stärken und eine Unternehmenskultur fördern, die von hoher Leistung, konstruktiver Zusammenarbeit, Aufgeschlossenheit für Neues und Unvoreingenommenheit geprägt ist.

Das sind einige der Vorhersagen, die in der von SAP präsentierten Internet-Radioshow SAP Game-Changers Radio 2018 Predictions Teil 5 vorgestellt wurden. Der Abschluss der fünfteiligen Reihe wurde am 17. Januar 2018 live ausgestrahlt. Moderatorin Bonnie D. Graham fragte renommierte Experten, Akademiker und einflussreiche Persönlichkeiten aus der Wirtschaft, was das neue Jahr für ihre Branche, ihr Unternehmen, die Welt oder ihren Technologiebereich bereithält. Die Prognosen sind die persönlichen Ansichten der Experten und spiegeln nicht zwangsläufig die Position der SAP wider.

Die Prognosen der Vordenker: Künstliche Intelligenz mit Menschlichkeit verbinden

1. Für 2018 brauchen wir Content, der „atomic“ ist – always top of mind in (your) community, also immer präsent. Viele pflastern ihre Netzwerke Tag für Tag mit allen Arten von Inhalten zu. Tatsächlich gibt es genau drei Arten: Unternehmenscontent, Branchencontent und eigener Content. 2018 brauchen Sie Content-Programme, die die Interaktion mit Ihrer Community intensivieren. Beispielsweise können Sie in einer Woche einen Beitrag mit Unternehmensinformationen, drei Branchenbeiträge und einen Beitrag mit eigenem Content bereitstellen. Damit dieser Content atomic ist, müssen Sie 1.) unbedingt eine Antwort anregen, 2.) Diskussionen überwachen und 3.) reagieren und ansprechbar sein.

– Perry van Beek, Gründer von Social.ONE

2. 2018 wird das Jahr sein, in dem die US-Politik die großen Verbrauchertechnologiekonzerne verstärkt ins Visier nimmt – und die Technologieriesen werden sich große Mühe geben, sich dem zu entziehen. Die schiere Größe und Reichweite einiger dieser Unternehmen wird zunehmend hinterfragt und ruft Gegenreaktionen hervor. Das zeigen etwa die wachsenden Bedenken gegenüber sozialen Medien und Fake News, die YouTube-Videos über Polizeiarbeit oder auch das Beispiel der aktivistischen Investorengruppe, die Apple mit seinen Geräten für die immer kürzere Aufmerksamkeitsspanne von Kindern verantwortlich gemacht hatte. Die großen Hersteller von Verbrauchertechnologie werden bestrebt sein, sich weniger überheblich und stattdessen freundlicher darzustellen, um Gegenwind aus Politik und Zivilgesellschaft zu vermeiden.

Adam Quinton, Gründer und CEO, Lucas Point Ventures

3. Die Überschrift für 2018 könnte „Zurück in die Zukunft“ lauten, denn Menschlichkeit und die Interaktion von Mensch zu Mensch werden wieder an Bedeutung gewinnen. Wir haben heute noch mehr Möglichkeiten, zu kommunizieren, ohne dass wir tatsächlich miteinander sprechen oder interagieren. Wir sind „soziale Tiere“. Wir brauchen Interaktion, die Sinn hat, und deshalb wird die menschliche Note wieder mehr Gewicht bekommen.

Morgan Jones, General Manager, Televerde Europe

4. Unternehmen im Massenmarkt werden anfangen, wirklich von dem Wert zu profitieren, den Data Science, künstliche Intelligenz (AI) und maschinelles Lernen bergen. 2016 und 2017 gab es einen regelrechten Hype um diese Konzepte. 2018 werden Unternehmen diesen Hype hinter sich lassen und die Rahmenbedingungen schaffen, mit denen diese Technologien so genutzt werden können, dass der dahinter stehende Wert wirklich ausgeschöpft werden kann. Es geht darum, wie mit diesen Technologien in der Praxis Prozesse verbessert werden können, um Wert für das Unternehmen und die Shareholder zu generieren. Das ist der Wendepunkt, an dem wir das Aufkommen neuer auf Data Science basierender Anwendungen erleben werden.

Jeroen Kusters, Senior Manager, Deloitte’s Supply Chain Management Technology Practice

5. 2018 begann mit einigen heftigen Diskussionen, extremen Ansichten und manchen Meinungen, die starken Widerspruch hervorriefen. Ich glaube, dass uns das neue Jahr großartige Chancen bieten wird, Führungsstärke und hohe Integrität zu beweisen und uns dem entgegenzustellen, was falsch läuft. Wir werden erleben, dass Unternehmen, vor allem Vorstände, mit gutem Beispiel vorangehen. Vielfalt wird auch in den Vorständen immer mehr verwirklicht werden, und sie dienen uns als Vorbild dafür, dass jeder einzelne von uns einen sinnvollen Beitrag leisten und etwas bewegen kann. Ich gehe auch davon aus, dass trotz aller Entwicklungen in der Technologiewelt menschliche Interaktion stärker in den Vordergrund rücken wird. Wir besinnen uns zurück auf Achtsamkeit, emotionale Intelligenz, Intuition und den respektvollen Umgang miteinander.

Fabiana Lacerca-Allen, President von Ethiprax

Mehr Investitionen in Sprachschnittstellen

6. Unternehmen werden mehr in Sprach- oder Dialogschnittstellen investieren. Allerdings werden wir trotz Sprachschnittstellen nicht auf Bildschirmdisplays verzichten können. Schließlich geschieht die Kommunikation zwischen Menschen nicht nur verbal – ein Bild sagt immer noch mehr als tausend Worte. Immersive Benutzererlebnisse bieten zwar viele aufregende Möglichkeiten, sind aber 2018 nach wie vor noch im Proof-of-Concept-Stadium. Virtuelle Realität, die damit verwandte Technologie, hinkt in der Entwicklung hinterher, bis jemand ein Gerät erfindet, mit dem wir deutlich cooler aussehen.

Maricel Cabahug, Global Head of Design, UX and SAP Fiori Product Management, SAP

7. Einige beunruhigende Trends werden sich fortsetzen. 1.) Vertrauensschwund: Wir sind Zeuge einer globalen Vertrauenskrise. 2017 hat zum ersten Mal überhaupt eine Mehrheit der Bevölkerung in 20 von 28 Ländern gesagt, dass sie Medien, Regierungen, Unter­nehmens­lenkern und Politikern misstraut. Das spiegelt sich auch in den Einstellungen von Mitarbeitern wider und wird sich daher 2018 auch auf Ihr Unternehmen auswirken. 2.) Immer mehr Stress: Die American Psychological Association hat in ihren letzten zwei jährlichen Berichten „Stress in America“ einen alarmierenden Anstieg des Stressniveaus verzeichnet – immer mehr Mitarbeiter fühlen sich nervlich angespannt, niedergeschlagen und haben Angst, und 40 Prozent der Bevölkerung sind die meiste Zeit verärgert. 3.) Steigende Fluktuation: 2017 hatten wir das siebte Jahr in Folge einen Anstieg der Mitarbeiterfluktuation, und die Zahl könnte 2018 die 20-Prozent-Marke erreichen. Aufgrund dieser Entwicklungen werden dieses Jahr mehr Unternehmen die Betriebskultur in den Mittelpunkt rücken – mit Programmen rund um Themen wie Achtsamkeit und emotionale Intelligenz. Damit sollen die Mitarbeiter für ein Arbeitsumfeld gestärkt werden, das von guter Zusammenarbeit, Aufgeschlossenheit für Neues, Unvoreingenommenheit und hoher Leistung geprägt ist.

Joe Burton, Gründer und CEO, Whil Concepts

8. Das hohe Innovationstempo wird sich in Unternehmen auch dieses Jahr fortsetzen, gestützt auf Technologien wie etwa Serverless Computing. AI ist noch nicht so ausgereift, dass sie Menschen ersetzen kann, wird uns aber weiterhin neue Möglichkeiten eröffnen und Mehrwert schaffen. Chatbots und Dialogsysteme wie Alexa kennen wir schon. Was neu hinzukommen wird, ist, dass wir nicht mehr nur mit einem Computer sprechen, um von diesem eine bestimmte Antwort oder Reaktion zu erhalten, sondern dass der Computer unsere Unterhaltung mit einem anderen Menschen mithört und während des Gesprächs Hinweise und Vorschläge gibt. Bedeutende Fortschritte wird es auch in der Interaktion mit Technologie geben, beispielsweise bei der Gehirn-Computer-Schnittstelle. Es wird schon bald möglich sein, einen gerade gedachten Gedanken auf einem Bildschirm sichtbar zu machen.

Paul Modderman, Senior Product Architect und Technology Evangelist, Mindset Consulting, LLC

Es wird schon bald möglich sein, einen gerade gedachten Gedanken auf einem Bildschirm sichtbar zu machen.

9. Die Zukunft ist eine Pforte in das Innere. Auf dem Weg in die Zukunft werden Technologien und Algorithmen es uns ermöglichen, uns mehr bewusst zu machen, wer und was wir wirklich sind. Zu diesen Technologien gehören beispielsweise Big Data, künstliche Intelligenz, virtuelle Realität, vorausschauende Analysen, Haptik, Genom-Editierung und digitale Ethik im Zusammenhang mit AI. All diese Technologien werden uns zu einem tieferen Verständnis der menschlichen Existenz führen. Das ist wichtig, weil wir in Zukunft die Ausübung unserer Geschäftstätigkeiten mehr unter ethischen Gesichtspunkten betrachten wollen – und diese Schwerpunktverlagerung zeichnet sich jetzt bereits ab. In den 1990er und den 00er Jahren standen spannende Innovationen im Mittelpunkt. Nachdem die Aufregung inzwischen abklingt, realisieren wir allmählich, dass wir ein paar Fehler gemacht haben. Immer mehr Unternehmen werden zu der Erkenntnis kommen, dass die Innovation toll war, aber dass es jetzt an der Zeit ist, etwas daraus zu machen, das nicht nur einigen wenigen nützt, sondern allen. Der Trend geht vom Blick nach außen hin zum Blick nach innen, auf das Selbst, in die Psyche, in die Welt des menschlichen Geistes. Das Denken ist die letzte Grenze, sagt man – und genau dorthin geht die Reise.

Gray Scott, Zukunftsforscher und Technologie-Philosoph, GrayScott.com

10. Damit Marketing und Vertrieb an einem Strang ziehen, werden CEOs eine auf Produktivität basierende Kennzahl nach Rolle in der Marketingorganisation schaffen. Die Schlüsselmetrik für jeden Mitarbeiter wird dann sein, wie viele Verkaufsgespräche er für den Vertrieb generiert hat. Das ist die Funktion des Marketings: Markenbewusstsein schaffen und Aktivitäten für den Verkauf generieren. CEOs werden nicht mehr zulassen, dass das Marketing für teures Geld Kampagnen durchführt, die nicht in Verkaufsgespräche münden. Um die Verkaufsteams erfolgreicher zu machen, wird mehr in Schulungen investiert werden, in denen die Mitarbeiter lernen, 1.) wie digitale Vermarkter zu denken, aber gleichzeitig wie Vertriebsprofis zu verkaufen, und 2.) digitale Verkaufstechniken zu nutzen, um mehr Verkaufsgespräche zu generieren.

Mario Martinez Jr., CEO und Gründer, Vengreso

11. 2018 wird den Anbruch der nächsten Phase auf dem Weg zur Digitalisierung mit all den neuen Technologien markieren. 2016 und 2017 war die Zeit der Technologien wie etwa maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz. Unternehmen konzentrierten sich auf die Ideenfindung und -erkundung. 2018 wird das Jahr des Konzepts. Unternehmen werden jetzt beginnen, wesentlich klarere Geschäftskonzepte auszuarbeiten und konkrete Geschäftslösungen zu entwickeln. Die Umsetzung dieser Konzepte wird schon 2019 und 2020 eine neue Unternehmensrealität schaffen. Kurz gesagt: 2018 werden Unternehmen das Fundament für die Einbindung und Adaptierung von neuen Technologien schaffen, und das bringt sie einen bedeutenden Schritt vorwärts in Richtung der neuen Unternehmens­realität.

Hosin Min, Global Head of Envision Practice im Value Prototyping Center of Excellence des Global Customer Office, SAP

Sicherheit und persönliche Daten im Fokus

12. Persönliche Sicherheit und persönliche Daten werden dieses Jahr ein spannendes Thema sein. Im vergangenen Jahrzehnt ist unsere Gesellschaft unglaublich „entpersonalisiert“ worden: Die Digitalisierung hat die menschliche Interaktion zunehmend vom Menschen getrennt. Wir haben das mit der Vorstellung getan, dass wir unsere persönlichen Daten freiwillig hergeben, uns quasi öffentlich selbst entpersonalisiert – im Austausch für irgendeinen kostenlosen Service, oder zum Beispiel für Facebook oder Gmail. 2018 wird der Tag der Abrechnung kommen. Die Menschen werden erkennen, dass das Preisgeben all dieser Informationen, ja, das Aufgeben unserer Identität, aufhören muss. Wir müssen uns unsere Identität bewahren und unsere Selbstwahrnehmung im humanistischen Sinne, nicht im digitalen Sinne.

Joshua Bernstein, Vice President of Technical Strategy for the Emerging Technologies, EMC

13. Was wir erleben werden, ist eine deutliche Verschiebung des strategischen Fokus in den Führungsetagen, ausgehend von der Erkenntnis, dass nachhaltiges Unternehmenswachstum vor allem durch die Entwicklung von Lösungen für die zentralen gesellschaftlichen und globalen Probleme gesichert werden kann. Unternehmenslenker werden erkennen: Ihr Beitrag zur Bewältigung der gesellschaftlichen Probleme und der Herausforderungen im Umweltschutz entspricht nicht einfach nur ihrer sozialen Verantwortung. Vielmehr bergen diese Chancen, eine bessere Welt zu schaffen, auch Chancen zur Gewinnsteigerung und zur Erlangung von Wettbewerbsvorteilen.

Dan Wellers, Global Lead, Digital Futures, SAP

Die Aufzeichnung der vollständigen Sendung können Sie unter SAP Game-Changers Radio 2018 Predictions, Part 5 abrufen.

(Die Prognosen der Experten haben wir für diesen Artikel editiert und gekürzt.)

SAP Game-Changers Radio 2018 Predictions Special weitere Beiträge

Welche aufschlussreichen Prognosen Sie und Ihr Unternehmen 2018 und darüber hinaus noch betreffen können, erfahren Sie in insgesamt fünf Beiträgen im Rahmen der Sendung SAP Game-Changers Radio 2018 Predictions Special. Wenn Sie die vorherigen Folgen verpasst haben, können Sie die Aufzeichnungen von Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 hier abrufen. Die Sendung Coffee Break with Game-Changers wird jeden Mittwoch um 17 Uhr MEZ unter http://spr.ly/SAPRadio live übertragen. Hier können Sie die Sendungen live abrufen.