Der Auftrag: Der Mensch in der Digitalisierung

Die Wochenzeitung DIE ZEIT veranstaltete kürzlich eine Konferenz mit dem Titel „Der Auftrag“: Die SAP war eingeladen, über die Digitalisierung und die Auswirkungen auf Gesellschaft, Unternehmen und den Menschen zu sprechen.

Rolf Schumann, Global General Manager Plattform und Innovation, nahm die Herausforderung an und diskutierte mit dem Sozialforscher Prof. Dr. Druyen, Menno Smid von infas und dem ZEIT-Redakteur Philip Faigle auf dem Podium.

Es ist heute Common Sense: Die Digitalisierung bringt enorme Potentiale und Herausforderungen gleichermaßen mit sich. Betriebe sind auf dem Weg zum intelligenten Unternehmen, etwa mit Industrie 4.0 und einer sich selbst organisierenden Logistik. Das ist gut für den Wirtschaftsstandort. Doch die Entwicklung stockt mancherorts und blicken wir in eine andere Richtung, ist bei weitem nicht klar: Welche Rolle spielt der Mensch künftig in der digitalen Entwicklung? „Wir haben eine einzigartige Situation: Die Technologien sind erstmals dem Menschen voraus. Manche Menschen reagieren ängstlich andere hektisch. Es kommt nun darauf an, was wir daraus machen und dass wir die ‚analogen‘ Menschen dazu mitzunehmen. Schließlich will jeder Fortschritt“, sagt Rolf Schumann.

Die Vermächtnisstudie der ZEIT

2015 hat die ZEIT, das Marktforschungsinstitut infas und das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) über 3.000 Bürger persönlich zu einer Reihe von Themen wie Ernährung oder Digitalisierung befragt. Die Leitfragen waren:

  • Wie ergeht es uns in der Welt von heute?
  • Welche Gesellschaft wünschen wir uns für künftige Generationen?
  • Was erwarten wir in der Welt von morgen?

2016 lagen die Ergebnisse vor: Sie sind bei allen Themenfeldern gleichartig: Die Wunschvorstellungen für unsere Welt fallen positiver aus, als die Realität, die wir tatsächlich erwarten.

Laut der Vermächtnisstudie ist den Deutschen die Arbeit in ihrem Leben besonders wichtig: 90 Prozent der Männer und 80 Prozent der Frauen finden die Erwerbstätigkeit sogar wichtiger als Kinderkriegen oder das Leben zu genießen. Doch die Digitalisierung wird insbesondere unsere Arbeitswelt deutlich verändern. Die enormen technologischen Fortschritte verursachen Unsicherheit, Ängste und Hektik bei den Angestellten. Unternehmen haben die Aufgabe, diese Ängste ernst zu nehmen und an Lösungskonzepten zu arbeiten, die Zuversicht schaffen und möglichst viele Menschen einbeziehen. Es geht darum, gemeinsam Ideen zu finden, welche die vorhandenen Technologien sinnstiftend nutzen und neue Geschäftsmodelle zu finden.

Angst verhindert Fortschritt bei Digitalisierung

Eines ist uns allen klar: Wenn Ängste in der Gesellschaft vorherrschen, lähmen diese den Fortschritt. „Wir haben als führendes Technologieunternehmen die Verantwortung, den Menschen bei der Digitalisierung mitzunehmen und ihn dabei zu unterstützen, sich souverän zu behaupten. Letztlich ist es unser Wunsch, dass jeder Mensch selbstbestimmt und verantwortungsbewusst mit der Digitalisierung umgehen kann“, sagt Rolf Schumann.

Alle Unternehmen und Menschen spüren das hohe Tempo der Veränderungen: Es reicht dabei nicht aus, den Wandel einfach zu akzeptieren. Es geht darum, die eigene und damit die gesamte Zukunft aktiv zu gestalten. Von diesem Anspruch leitet sich der Auftrag ab, eine Standortbestimmung des Menschen und die selbstbestimmte Ausgestaltung seiner Rolle in der Digitalisierung zu unterstützen. Diesen Auftrag hat die SAP übernommen und wird die nächsten Jahre daran arbeiten.

Rolf Schumann knüpfte mit seiner Keynote „Die Bestimmung des Menschen in der Digitalisierung“ an diesen Punkt an und eröffnete damit auch die Diskussion auf der ZEIT-Konferenz.

Vom analogen zum digitalen Ich

Die Digitalisierung und das damit einhergehende überbordende Informationsangebot verändert die Menschen bereits. Das zeigt sich unter anderem an einem Aspekt: Wie entsteht eigentlich das, was wir als Wahrheit empfinden?

An die Stelle von eindeutigen Wenn-Dann-Abhängigkeiten treten immer mehr vielschichtige Korrelationen und probabilistische Aussagen, die jeder Einzelne bewerten muss, um zu einer Entscheidung zu kommen. Die steigende Vielfalt an Daten und Informationen ist auch einer der Gründe, warum mancher das postfaktische Zeitalter ausgerufen hat. „Wir erleben gerade einen Wandel von der Rationalität hin zur Emotionalität“, stellte auch Prof. Dr. Druyen fest. Der digitale Mensch sollte mit der Unsicherheit umgehen können. Das erfordert neue Fähigkeiten von ihm. „Wir brauchen eine Weiterentwicklung des menschlichen Bewusstseins aus einer vorwiegend analogen Welt hin zu einem digital erweiterten Dasein“, sagte auch Rolf Schumann.

v.l.n.r.: Sozialforscher Prof. Dr. Druyen, Menno Smid von infas, ZEIT-Redakteur Philip Faigle und Rolf Schumann, Global General Manager Plattform und Innovation bei der SAP.

Der Mensch und das intelligente Unternehmen

Unternehmen sehen die Digitalisierung als erfolgsentscheidenden Faktor: Sie müssen sehr agil sein, ihr bisheriges Unternehmenskapital und Wissen mit Hilfe von innovativen Technologien und Daten auf eine neue Basis stellen. Auf dieser Grundlage entstehen neue Zugänge und Erfahrungen mit dem Unternehmen, seinen Produkten und Aufgaben – gleichermaßen für Kunden, Partner, Lieferanten und Mitarbeiter. Die Technologie ist da: Es geht nun um Orientierung, wie man sie am besten einsetzen kann.

Welchen digitalen Reifegrad ein Unternehmen hat, misst der Marktforscher IDC mit seinem „IDC MaturityScape Benchmark“. Er teilt den Reifegrad der Digitalen Transformation in fünf Stufen ein: Digital Resister, Digital Explorer, Digital Player, Digital Transformer und Digital Disruptor. Erstere setzen nur absolut notwendige Ad Hoc-Maßnahmen um, während die Disruptoren die bereits erfolgte Transformation optimieren. Für das Jahr 2016 stellte IDC fest, dass sich 19 Prozent der deutschen Unternehmen gegen die Digitalisierung stemmen und nur 4 Prozent bereits Disruptoren sind. Im Mittelfeld bilden die opportunistisch denkenden Entdecker mit 37 Prozent den größten Block. „Die digitale Transformation ist in Deutschland angekommen. Aber die Entwicklung stockt seit einiger Zeit und gleichzeitig entsteht eine Lücke zwischen den digital fortgeschrittenen Unternehmen und den traditionell verhafteten Firmen“, sagt Rolf Schumann. Auch um die Digitale Transformation gleichmäßig nach vorne zu bringen, ist es wichtig, Menschen mitzunehmen. „Wir brauchen immer – auch bei der Digitalen Transformation – Dinge, an denen wir andocken können, um sie zu verstehen und zu nutzen“, sagt Prof. Dr. Druyen.

Im Grunde weiß jedes Unternehmen, dass es sich selbst verändern oder gar neu erfinden sollte, um weiter am Markt bestehen zu können. Das ist ein schwerer Weg, der handelnde Menschen auf allen Hierarchiestufen erfordert. Doch viele Mitarbeiter verhalten sich trotz des Wissens eher passiv, leiden unter den Änderungen, weil sie keine Ansatzpunkte finden und blockieren damit unbewusst die Entwicklung. Unter diesen Rahmenbedingen sehen sich Unternehmen der Gefahr gegenüber, am Markt nicht mehr bestehen zu können.

Menschen brauchen einen neuen Standpunkt

„Digitale Transformation wird öffentlich im Extrem diskutiert – als Bedrohung oder Verheißung. Und gleichzeitig findet die Digitalisierung statt“, sagt der Zeit Online-Redakteur Philip Faigle. Digitale Menschen ordern Taxis per App, analoge greifen noch zum Hörer. Die digitalen Möglichkeiten vervielfältigen sich und dringen verstärkt in den Alltag.

Unternehmen wie die SAP haben die Aufgabe, die Menschen bei der Digitalisierung mitzunehmen. Dem rasanten digitalen Wandel können Unternehmen und Menschen nicht mit den traditionellen Mitteln begegnen: Vor allem die Fähigkeit zur Vernetzung und zur aktiven Informationsbeschaffung über Simulationen, Blogs und soziale Medien gehören zu den zukünftigen Kernkompetenzen. Innovative Technologien sind da und können als digitale Begleiter unterstützend wirken.

„Wir müssen aber das Bewusstsein für die Veränderungen durch die Digitalisierung gerade auch auf der individuellen Ebene stärken und herausarbeiten. Wir sollten herausfinden, wie bisherige analog geprägte persönliche Fähigkeiten, Wertesysteme und Handlungsmuster zu einer digitalen Welt passen und weiterentwickelt werden können“, unterstreicht Rolf Schumann.

Auf dem Podium der ZEIT-Konferenz „Der Auftrag“ entspann sich um das Themenfeld eine gute Diskussion. Rolf Schumann plädierte für ein ganzheitliches Denken der Unternehmen: „Wir dürfen nicht vergessen, dass es immer die Menschen sein werden, die letztlich Projekte treiben und erfolgreich machen.“ Diplom-Soziologe und infas-Geschäftsführer Menno Smid sah dabei keinen Grund für Horrorszenarien wegen der Digitalisierung. „Lasst euch nicht Bange machen!“, gab er den Menschen mit auf den Weg.

Es entstehen Chancen: Menschen brauchen das Wissen, um sie sich zu erschließen

Den Menschen mitzunehmen, ist eine große und wichtige Aufgabe, die nicht an einem Tag zu meistern ist. Es gilt, relevantes Fachwissen für jeden zugänglich zu machen und Menschen z.B. mit Hilfe von Gamification auch spielerisch an die neuen Technologien heranzuführen.

Die SAP ist hier bereits sehr stark engagiert und bietet beispielsweise mit openSAP für jeden Interessierten kostenlos umfangreiche Informationen für die Digitalisierung an. Auch die Methodik des Design Thinkings, die SAP selbst intensiv nutzt, oder die SAP Leonardo Center helfen, Menschen an die neuen Technologien heranzuführen und eigene Ansatzpunkte zu finden, an denen sich neue Entwicklungen entfachen können.  „Mit dem breit verfügbaren Wissen und individuellen Ansätzen möchten wir allen Menschen eine bessere Orientierung geben. Wir reagieren auf Rückmeldungen und bauen unser Angebot ständig aus. Das ist unser Auftrag“, sagt Rolf Schumann.

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