Internationaler Frauentag: „Die eigene Nische finden“

Wie wird die Karriere zur Faszination? Ein Interview mit drei Frauen, die bei der SAP in technischen Rollen arbeiten und was sie an ihrem Beruf begeistert.

Als technologiebegeisterte Uni-Absolventin fand Olga Cherepanova 2008 als Entwicklerin schnell ein Zuhause bei der SAP. Seitdem begeistert sie sich für den immer schneller werdenden Wandel der IT-Branche.   

Wie sind Sie dazu gekommen, sich für Technologie zu interessieren?

Olga Cherepanova, Entwicklerin bei der SAP

Olga Cherepanova: Ich habe Wirtschaftsinformatik studiert. Ursprünglich wollte ich Industriedesignerin werden, ich hatte jedoch nicht die Voraussetzungen für ein Stipendium. Dann habe ich mich gefragt, was mich interessiert und bin zum Entschluss gekommen, dass mich das Unbekannte fasziniert. Ich wollte etwas studieren, worüber ich noch nichts Konkretes weiß. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. Ich habe mein Studium geliebt. Dann habe ich direkt bei der SAP angefangen und dort verschiedene Aspekte der Entwicklung kennengelernt, einschließlich Datenbanken und UIs. Gleichzeitig habe ich mein Wissen auf andere Bereiche ausgeweitet und war Teil des UX-Advocate-Programms. Zurzeit bin ich jetzt Exploration Lead im Machine-Learning-Team, wo ich wieder die Möglichkeit habe, Neues zu lernen.

Was fasziniert Sie am Thema Technologie?

Cherepanova: Technologie fasziniert mich, weil sich alles so schnell weiterentwickelt. Vieles, was noch vor kurzem nicht möglich war, ist nun möglich. Ich bin sicher, dass die Grenzen von heute morgen nicht mehr existieren werden. Das macht einen quasi zu einem Superhelden! Man ist ständig in Bewegung, um mit dem Unmöglichen aufzuholen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Probleme, mit denen wir heute kämpfen, morgen gelöst werden können. Das ist es, was Technologie so aufregend macht. In meiner Karriere muss ich immer wieder etwas Neues lernen. Wenn man aber dann mit den Technologietrends gut vertraut ist, kann man besser einschätzen, in welchen Bereichen man selbst einen bedeutsamen Beitrag leisten kann. Ich habe das Gefühl, dass ich gerade im Machine-Learning-Team wirklich etwas leisten kann. Wir arbeiten mit Spitzentechnologie und treiben diese Entwicklung voran.

Technologie fasziniert mich, weil sich alles so schnell weiterentwickelt.

Was ist Ihr Ratschlag für jemanden, der sich für einen Tech-Beruf interessiert?

Cherepanova: Verfolge dein Interesse und geh die Sache an. Wenn dich etwas interessiert, dann lies darüber und rede mit anderen, die schon in diesem Feld arbeiten. Wenn du eine Verbindung zu einer Person schaffst, lernst du ganz natürlich auch weitere Leute kennenlernen –  und schon bist du beim Networking. Die Kollegen können dir eine Richtung aufzeigen und dir helfen. Zögere nicht und mach dir nicht zu viele Gedanken über alles!

Birgit Hess ist seit 2006 bei SAP. Sie hat während ihrer Karriere viele Erfahrungen in verschiedenen Bereichen, wie Pre-Sales Product-Ramp-Up und Mitarbeitertraining, gesammelt. Zurzeit ist sie Teil des SAP-Global-Security-Teams und begeistert sich für Themen wie Cyber-Security und IT-Sicherheit. 

Was ist Ihre derzeitige Position bei SAP?

Birgit Hess arbeitet in der Global-Security-Abteilung der SAP

Birgit Hess: Ich bin jetzt seit September im Team der SAP Global Security und beschäftige mich mit dem Thema „Employee Awareness“. Dabei geht es darum, wie sich Mitarbeiter im Arbeitsalltag sicher verhalten: Cyber-Security, Phishing-Mails, Social Engineering, Angriffe usw. Wir erstellen Compliance-Schulungen und leiten auch Kampagnen. Daneben moderiere ich Veranstaltungen oder repräsentiere die SAP bei Konferenzen und Roundtables.

Ich bin seit zwölf Jahren bei der SAP, bin aber eigentlich Biotechnologin. Ich gehöre zu der Spezies der Naturwissenschaftlerinnen, die bei der SAP ein Zuhause gefunden haben, obwohl sie nicht Informatik studiert haben.

Wie sind Sie dazu gekommen, sich für den Bereich Technologie zu interessieren?

Hess: Als ich 2011 im Bereich Presales angefangen habe, hat sich die SAP noch nicht so viel mit Cloud-Security und -Datenschutz beschäftigt. Im Laufe der Jahre wurde es immer spezieller und ich habe festgestellt, dass mich diese Themen begeistern. Letztes Jahr im Februar konnte ich zudem vier Wochen lang an einem Social Sabbatical teilnehmen, das sich mit dem Thema Training beschäftigt hat. Dabei habe ich auch mein Interesse für die Weiterbildung und -entwicklung wiederentdeckt. Schließlich hat sich in meinem Job die Chance aufgetan, beides zu verbinden: IT-Sicherheit und Training. Ich habe im Prinzip versucht, für mich genau das zu finden, was mich begeistert. Als ich auf die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit traf, war mir klar, dass ich dafür brennen kann.

Als ich auf die Themen Datenschutz und IT-Sicherheit traf, war mir klar, dass ich dafür brennen kann.

Was haben Sie für sich selbst dazugelernt? 

Hess: Da gibt es ein Ereignis: Ich habe letztes Jahr den DSAG-Thementag zur Datenschutz-Grundverordnung moderiert. Unter den Teilnehmern waren Experten mit einem sehr detaillierten Wissen. Nach der Veranstaltung dachte ich mir: „Das war wie ein Semester an der Uni.“ Es begeistert mich, wenn ich etwas Neues lernen kann, denn das ist für mich Ziel meines Jobs. Nichts ist schlimmer, als wenn ich nichts mehr lernen kann. Bei dem DSAG-Event habe ich aber auch verstanden, dass es Themenfelder gibt, deren Komplexität man nicht auf Anhieb erfassen kann. Man neigt dazu zu denken, dass man alles schon weiß und sieht von dem großen Wald nur die ersten drei Bäume und nicht den Rest – da müssen wir alle achtsam sein.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern, um mehr Frauen für Technologie-Berufe zu begeistern?

Hess: Was ich eher schwierig finde, und was ich selbst schon erlebt habe, ist, dass ich bestimmte Vorträge nicht halten durfte, weil dies erst ab der Vice-President-Ebene zugelassen wird. Das ist natürlich ungünstig. Wenn wir Expertinnen und Experten nicht auf die Bühne lassen, sondern nur ihre Manager oder wiederum deren Manager, bremsen wir nicht nur Frauen aus, sondern generell jeden mit Know-how und Potenzial.

Sonja Liénard begann ihren Weg bei der SAP 2012 als Information Developer in einem Kernel-Team des ABAP-Servers. Bereits nach zwei Monaten wurde Sonja SCRUM Master ihres Teams und kurz darauf zum Senior Information Developer befördert. 2016 folgte dann der nächste große Schritt, als sie zur Development-Managerin im Bereich der Datenbankschnittstelle des ABAP-Servers befördert wurde. Ganz nach ihrem Motto „I can do it“ schreckt sie auch heute nicht vor ihr noch unbekannten Aufgabenbereichen zurück.

Technologie fasziniert Sie, weil …?

Sonja Liénard, Development-Managerin im Bereich der Datenbankschnittstelle des ABAP-Servers bei der SAP

Sonja Liénard: Technologie ist mächtig, birgt aber auch Gefahren. Nicht die Kontrolle und Übersicht zu verlieren, ist einer der größten Herausforderungen für die Menschheit. Faszinierend finde ich, dass Technologie so viele Facetten hat, in der jeder seine eigene Nische finden und einen Beitrag leisten kann. Technologie ist wie Lego: Wenn man als Entwickler die richtigen Bausteine nutzt, können erstaunliche Dinge geschaffen werden. Wenn man dann noch mit anderen zusammenarbeitet, kann man sogar noch größere Dinge bauen! Deshalb ist Technologie nie langweilig.

Was haben Sie über sich selbst gelernt?

Liénard: Das Wichtigste ist, dass es nicht um mich selbst geht. Es geht nicht darum, das eigene Ego zu streicheln und voranzukommen. Stellt man sein Ego nicht vor andere Dinge, hat man auch weniger Konflikte oder kann in Konfliktsituationen anders agieren. Ich versuche stattdessen, mich auf Inhalte und die Lösung des Konflikts oder des anstehenden Problems zu konzentrieren. Als zweites ist es für mich als Managerin sehr wichtig, dass man Entscheidungen nicht mit dem Ziel trifft, Macht auszuüben. Ich sehe das so: „Wenn man ein guter Leader sein möchte, muss man auch dienen können.“

Technologie ist wie Lego: Wenn man als Entwickler die richtigen Bausteine nutzt, können erstaunliche Dinge geschaffen werden.

Sind Sie der Meinung, dass Frauen es in technischen Rollen schwerer haben?

Liénard: Ich glaube tatsächlich, dass es oft nicht am Geschlecht hängt, sondern an der Persönlichkeit jedes Einzelnen. Jeder sollte seine eigene Persönlichkeit und Skills einbringen, gerade so, wie er oder sie ist. Ja, ich bin in Meetings anders als meine meist männlichen Kollegen. Meine Eigenschaften, die mich als Sonja ausmachen, überwiegen dabei aber und machen den entscheidenden Unterschied. Das ist relevanter als der Fakt, dass ich eine Frau bin. Dennoch gibt es immer auch Situationen, in denen mich das gesellschaftlich geprägte Rollenverständnis vor Herausforderungen stellt.

Welcher Technologiebereich interessiert Sie am meisten?

Liénard: Das Cloud-Thema. Ich bin begeistert davon, dass die SAP den Weg in Richtung Cloud Company eingeschlagen hat. Auch in meinem Bereich ist es so, dass wir jetzt mit dem ABAP-Server immer weiter in Richtung Cloud wandern. Unsere Abteilung beteiligt sich mit ABAP in der SAP Cloud Platform an dieser Entwicklung und es ist toll, ein Teil dieses Kapitels zu sein.

Rein persönlich interessieren mich Themen rund um die künstliche Intelligenz, gerade auch auf einer philosophisch-ethischen Ebene. Was macht den Menschen zum Menschen? Auch die Entwicklungen in der Medizintechnik finde ich spannend. Ich bin gespannt, wie sich das in zwanzig oder dreißig Jahren darstellt, wenn meine Kinder in meinem Alter sind. Was wird sich bis dahin getan haben?

Im kürzlich ausgestrahlten Film „Ich will! Frauen im Topmanagement“ wird SAP Chief Diversity Officer Anka Wittenberg als eine von drei Top-Managerinnen in DAX-Unternehmen begleitet.