Digitale Innovation fördert Wachstum in der Versorgungswirtschaft

Ob es darum geht, Energieanlagen optimal zu nutzen oder proaktiv Gaslecks zu verhindern, die IT unterstützt Versorgungsunternehmen bei ihren Herausforderungen. Zwei Beispiele in Großbritannien und Brasilien zeigen, was das konkret bedeutet.

„Eine spannende Zeit für Versorgungsbetriebe“, meint Tom Pollock, Leiter für Informationsmanagement beim britischen Unternehmen Northern Gas Networks (NGN). Moment, wie bitte? Wenn Sie mit Tom Pollock und anderen führenden Versorgungsbetrieben über ihre Strategie für die digitale Transformation sprechen oder darüber, wie ihre Branche mit der neuesten Technologie Innovationen vorantreibt, werden Sie ihre Begeisterung verstehen.

Erster Schritt: Daten bändigen

Pollock beschreibt die geschäftliche Entwicklung von NGN: „Vor etwa zwei Jahren überlegten wir, wie würden wir vorgehen, wenn wir ein Start-up-Unternehmen wären. Und dann fragten wir uns, was uns im Weg steht.“ Die Hürde war ein Übermaß an Daten und Technologien. „Wir hatten Datenschulden und brauchten Zeit, bis wir das Ausmaß des Problems beziffern konnten. Dabei stellten wir fest, dass wir 155 Aufzeichnungssysteme und sieben Millionen Tabellen hatten. Unsere Daten waren also weit verstreut in verschiedenen Systemen, Tabellen und Prozessen, dadurch konnten wir unsere Daten nicht optimal nutzen.“ Mit tatkräftiger Unterstützung der Geschäftsführung bestand der erste Schritt der digitalen Transformation darin, alle Daten zusammenzuführen. Eine gute Ausgangsbasis, um neue Wege für einen Neuanfang zu beschreiten.

NGN ist seit 2006 SAP-ERP-Kunde. Zunächst nutzte NGN die Analysefunktionen von SAP und später SAP HANA, die In-Memory-Datenbank des Unternehmens, um einen einheitlichen Echtzeitüberblick über das Unternehmen zu erhalten. In Zusammenarbeit mit SAP konnte NGN diese Daten im Dashboard SAP Digital Boardroom einspeisen und bekommt so einen Echtzeitüberblick über die Abläufe bereitsgestellt. Auch technisch weniger versierte Benutzer können mit diesem Tool, das NGN als „Digital Operations Room“ bezeichnet, Daten analysieren und die Auswirkung neuer Geschäftsmodelle vorhersehen.

Pollock erklärt: „Der Digital Operations Room ist das Zentrum unseres Unternehmens und steht allen Kollegen zur Verfügung. Wir müssen uns nicht mehr auf unser Bauchgefühl verlassen, sondern können auf der Grundlage von Daten fundierte Entscheidungen treffen.“ Nun implementiert das Unternehmen SAP S/4HANA und SAP-Cloud-Technologien als digitale Basis von NGN. Pollock stellt fest: „SAP S/4HANA bildet das Fundament für Sensoren, das Internet der Dinge und maschinelles Lernen. Zu diesem Fundament werden wir weitere Cloud-Lösungen für Beschaffung, Verträge und Geschäftsreisen hinzufügen. In ein paar Jahren werden wir strategisch so positioniert sein, dass wir mit den neuen Entwicklungen, die heute in aller Munde sind, mühelos Schritt halten können.“

Der rote Faden für die Versorgungswirtschaft

Wie viele Versorgungsbetriebe ist NGN hochgradig reguliert und unterliegt strengen Berichtslegungspflichten. Durch die Digitalisierung und besonders durch die schwerpunktmäßige Konzentration auf Analyselösungen und Big Data ist NGN auf dem besten Weg, gesetzliche Vorschriften schneller und einfacher einzuhalten. Hinzu kommt: NGN ist mit einer weiteren branchentypischen Herausforderung konfrontiert – ein zunehmend vernetzter, anspruchsvoller Kundenstamm auf einem geografisch klar abgesteckten Markt. NGN möchte sich zum beliebtesten Unternehmen Großbritanniens entwickeln. Daher liegt der Schwerpunkt der digitalen Transformation darauf, allen Kunden und Beteiligten einen ausgezeichneten Service anzubieten sowie den Mitarbeitern eine angenehme, produktive Zusammenarbeit zu ermöglichen. Dies soll mit einer höheren Effizienz und Kosteneinsparungen einhergehen.

Diese Innovation wird das Wachstum fördern. Pollock dazu: „Wir müssen neue Geschäftsmodelle schaffen, um die Herausforderungen des Klimawandels und der Energiesicherheit zu bewältigen. Daher suchen wir nach neuen Formen der Energie, wofür wir ein reaktionsstarkes und flexibles Innovations- und Aufzeichnungssystem benötigen. Genau das möchten wir mit SAP S/4HANA implementieren.“

Zukunftsplanung für Innovation bei NGN

NGN ist begeistert von SAP Leonardo, dem digitalen Innnovationssystem, das maschinelles Lernen, das Internet der Dinge (IoT), Blockchain und andere Technologien umfasst. Pollock sieht Anwendungsfälle für maschinelles Lernen, um die Mitarbeiterzahl von NGN zu optimieren. Mithilfe von IoT kann das Unternehmen durch eine Druckverwaltung in Echtzeit proaktiv Gaslecks verhindern und somit Kostensenkungen erzielen.

Brasilianisches Start-up-Unternehmen nutzt IoT für das Digital Asset Management

Während NGN mit Technologie neue Geschäftschancen erschließen möchte, verlassen sich andere Versorgungsbetriebe auf die neueste Innovation, um Anlagen zu verwalten, wie zum Beispiel Energiequellen, aber auch die dafür benötigten Rohre und Leitungen. Weltweit sind in 8,4 Milliarden „Dingen“ Sensoren integriert. Mit IoT-Technologie lassen sich Daten über Energieleitungen verfolgen und analysieren, die von physischen Komponenten und Zählern ausgegeben werden. Genau das macht Huru Systems, ein brasilianisches Asset-Management-Start-up-Unternehmen. Mit SAP HANA kann Huru Systems IoT-Daten analysieren und dadurch Erkenntnisse über die Leistung der Teile gewinnen, damit die Energie schnell und effizient zu den zahlenden Kunden gelangt.

Dieser Service ist für Versorgungsbetriebe äußerst wichtig. CEO Ian Nazzari erklärt: „In der Versorgungswirtschaft gibt es zwei große Herausforderungen. Erstens entstehen jedes Jahr weltweit Verluste in Höhe von nahezu 100 Milliarden US-Dollar, die zum Teil auf Energiediebstahl zurückzuführen sind. Zweitens werden physische Anlagen im Wert von mehreren Millionen US-Dollar gestohlen oder sie gehen anderweitig verloren.“

Nazzari erklärt: „Mit IoT, Cloud und Big-Data-Analysen können wir diese Anlagen an ihrem Standort überwachen. Wenn sie abhanden kommen, wissen wir, wo dies geschehen ist und wer sie installiert hat. Außerdem erfahren wir, wenn eine Anlage nicht richtig installiert wurde. Wir haben einen Überblick über den Verbrauch und können Anlagen umdisponieren, wenn sie nicht ausgelastet sind.“ Darüber hinaus schweben Nazzari noch größere Pläne für die digitale Versorgungswirtschaft vor. „In der digitalen Wirtschaft wird es künftig auf eine allgemeine und freie Strom- und Gasversorgung hinauslaufen. Kunden koppeln sich immer mehr von Marken ab. Dieses Phänomen bewirkt einen großen Wandel. Ähnlich wie bei Fahrradmietstationen ist es vorstellbar, dass auch Strom frei austauschbar zur Verfügung steht.“

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