Mit der SAP bis in die unendlichen Weiten des Weltraums

Die SAP hat nicht nur zwei Bewerber für die Mars-One-Mission; Aerospace & Defense liefert auch Technologie für Firmen, die an Marsprojekten beteiligt sind. Auf diese Weise könnte die SAP sogar indirekt dabei helfen, die Kandidaten auf den Roten Planeten zu bringen und dadurch möglicherweise die Welt von heute zu verändern. Soll noch einer sagen, Industrien seien langweilig!

Wer Tom Wolfes Buch „Der Stoff aus dem die Helden sind” kennt, in dem er die unglaublichen Anfänge der Raumfahrt beschreibt, der weiß, dass am Anfang jeder neuen Epoche Menschen stehen, die mutig (oder verrückt) genug sind, ihr eigenes Leben zu riskieren, um sich auf unbekanntes Territorium vorzuwagen. In den 1950ern waren es normale Militärpiloten, die ihre Maschinen und Körper über alle Grenzen hinaus forderten, um bis an den Rand der Erdatmosphäre zu gelangen, bevor sie in kleine Kapseln gezwängt ins All geschossen wurden, ohne, dass man so genau wusste, was dann passiert. Man kann sich also vorstellen, dass viele von ihnen nicht friedlich an Altersschwäche gestorben sind.

Jazzfan, Wissenschaftlerin, Vorreiterin

Und nun stehen wir am Rande einer neuen Ära in der Raumfahrt – der Reise zum Mars. Nachdem nationale Raumfahrtprogramme ihre Investitionen, nicht zuletzt aufgrund von Rückschlägen wie der Challenger-Katastrophe, zurückgefahren haben, schlägt nun die Stunde der privaten Raumfahrunternehmen, die einen regelrechten Wettlauf zum Mars ausgelöst haben. Und der kommt wahrscheinlich im rechten Augenblick; denn angesichts schwindender Ressourcen auf der Erde brauchen wir dringend Alternativen und neue Ideen für eine effizientere Nutzung dessen, was noch übrig ist. Den Mars zu erforschen und in diesem Zusammenhang auch neue Technologien zu entwickeln, könnte möglicherweise sogar die Menschheit retten.

Adriana Marais, Head of Innovations für SAP South Africa

Was sich für manche vielleicht ein wenig melodramatisch anhört, ist für viele Wissenschaftler nichts Neues. Wie für Adriana Marais, Head of Innovations für SAP South Africa, die in Theoretischer Physik promovierte und sich mit so leichtfüßigen Themen wie Quantenkryptographie und Quantenbiologie befasst. Ihr Ziel ist nichts Geringeres als die Welt durch die Erschließung neuer Wissenschaftsgebiete zu verändern; einer der Gründe, warum sie sich ohne zu zögern für die Mars-One-Mission beworben hat.

Dabei hat Marais gar keine Wissenschaftler in der Familie. Außerdem fand sie Schule ehrlich gesagt ziemlich langweilig. Als ihre Bewerbung für ein Jazzmusikstudium scheiterte, suchte sie im Studienführer nach dem Fach mit der unverständlichsten Beschreibung. Physik. Marais scheut eindeutig kein Abenteuer. Etwas, das in der Familie zu liegen scheint. Denn Marais‘ Vorfahren, französische Hugenotten, flohen zunächst in die Niederlande, bevor sie später weiter nach Südafrika auswanderten. Statt eine solide Karriere in der Wissenschaft anzustreben, zieht Adriana Marais also die Aussicht auf ein Flugticket zum Mars vor. Ohne Rückfahrschein.

Adriana Marais ist eine der Gastsprecherinnen bei den diesjährigen “Aerospace & Defense Innovation Days”  vom 9.-11. April in Boston, bei der bis zu 250 Kunden erwartet werden.

„Nachdem ich mich entschieden hatte, mich zu bewerben, bin ich sofort mit einer Freundin an den Strand, und wir haben überlegt, ob mir das Meer fehlen würde“. Offensichtlich nicht. Zumindest nicht allzu sehr, denn sie hatte nie Zweifel an ihrer Entscheidung. Entschlossenheit hält Marais daher auch für die wichtigste Eigenschaft, um an einer Mission mit offenem Ende teilzunehmen, bei der allein schon die Reise sieben Monate dauert. Neben Empathie versteht sich. „Aber das ist ja einer der Gründe, warum man zum Mars fliegt – um etwas Neues auszutesten. Es gibt dort keine Modelle für Gesellschaft, Justiz oder Wirtschaft. Alles ist völlig neu.“ Die Marsmission wird also definitiv auch ein großes Sozialexperiment.

Der zweite Mars-One-Kandidat von SAP ist der in Dubai ansässige Entwickler Mikolaj Zielinski.


Standen im bisherigen Mars-One-Auswahlverfahren wissenschaftliche Kenntnisse im Vordergrund, wird es in der kommenden Runde um Gruppenaufgaben gehen, bei denen erstmals alle Anwärter aufeinandertreffen werden.

Ein kleiner Schritt für einen Hipster, ein großer Schritt für die Menschheit

Das Vorhaben zum Mars zu fliegen, klingt wie die fixe Idee schrulliger Unternehmer wie Bas Lansdorp (Mars One), Tesla-Gründer Elon Musk (SpaceX) oder Amazon-Chef Jeff Bezos (mit seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin). Zumal zumindest Letztere nicht gerade für ihre Nähe zur Wissenschaft bekannt sind. Man fliegt einfach zum Mars, weil man kann und weil man Spaß daran hat, Grenzen auszutesten. Aber auch, wenn einem die geplante Marsbesiedelung wie eine riesige PR-Kampagne vorkommen mag, ist das Unterfangen höchstwahrscheinlich doch von weit größerer Tragweite, als wir bisher erahnen können. „Die Forschung auf dem Mars hat auch immense Auswirkungen auf die Erde“, ist Marais überzeugt. „Klimastudien zum Beispiel. Unsere Klimamodelle sind nicht sehr präzise, denn wir haben zwar eine Fülle von Daten, aber nur von einem einzigen Planeten“. Laut Marais könnten wir unsere verbliebenen Ressourcen möglicherweise effizienter zu nutzen, wenn wir verstehen lernen, wie sich Materie auf molekularer Ebene in einer uns fremden Umgebung verhält.

Schließlich werden die Marssiedler ihre eigene Biosphäre auf Basis von Sonnenenergie erschaffen müssen – eine Herausforderung. Sauerstoff zum Atmen muss durch Aufspaltung von Wasserstoff und Sauerstoff aus dem Marsstaub erzeugt und Wasser aus dem Boden gewonnen werden. Kein Tropfen darf verloren gehen. Selbst das Kohlendioxid der Atemluft und der Schweiß werden wiederaufbereitet. Pflanzen werden nicht gegossen, sondern nur ihre Wurzeln befeuchtet. „Das Leben auf dem Mars wird definitiv von einer großen Ehrfurcht vor dem Leben geprägt sein. Jedes Blatt, das austreibt, wird wie ein Fest sein“. Eine Einstellung, die uns hier auf Erden abhandengekommen zu sein scheint: „Menschen sind voller Widersprüche. Sie glauben, dass es kein Leben außerhalb der Erde gibt, behandeln unseren Planeten aber gleichzeitig mit unbegreiflicher Respektlosigkeit“.
Adriana Marais‘ größter Traum wäre Hinweise für Leben auf dem Mars zu finden, einem immer noch nahezu unbekannten Planeten. Niemand hat dort bisher mehr als ein paar Zentimeter tief gegraben.

Asteroiden könnten nicht unser Ende, sondern unsere nächste Rohstoffquelle sein

Der Klimawandel ist nicht unser einziges Problem. Wir leiden unter Überbevölkerung, und jedes Handy, das wir für das Nachfolgemodell wegwerfen, enthält elf wertvolle Rohstoffe. Konsumdenken, Kurzsichtigkeit und ein Wirtschaftssystem, das auf unbegrenztes Wachstum und unmittelbaren Profit ausgerichtet ist, bluten uns aus. „Uns fehlt die Weitsicht“, bringt Marais es auf einen Nenner.

Wir brauchen innovative Ansätze, und das schnell. Solch einer könnte eine Technologie sein, die bereits als nächste Multimilliarden-Branche gehandelt wird (ja, sogar Selbsterhaltungsmaßnahmen müssen rentabel sein): Asteroidenbergbau. Was sich wie Science Fiction anhört, könnte eine Möglichkeit sein, Ressourcen für die Raumfahrt, möglicherweise auch für die irdische Industrie, zu gewinnen, ohne dabei größeren Schaden anzurichten, so die Hoffnung. Schließlich sind Asteroiden nur Überreste explodierter Sterne. Während wir sie aus Kinofilmen eher als Geschosse kennen, die alles auf unserem Planeten zu erschlagen drohen, enthalten diese fliegenden Gesteinsbrocken dieselben Stoffe, die man auf unserer Erde findet. Theoretisch könnte man auf Asteroiden also auch Wasser und Edelmetalle abbauen. Derzeit erproben offiziell zwei Firmen (Planetary Resources und Deep Space Industries) Techniken auf diesem Gebiet. Bleibt die nicht ganz unbedeutende Frage nach der Rechtslage im Weltraum, die es noch zu klären gilt.

Der Griff nach den Sternen lohnt sich für SAP Aerospace & Defense

Abgesehen von den beiden Mitarbeitern, die die SAP möglicherweise für die Mars-One-Mission „opfert”, liefert die SAP auch die Technologie für Firmen, die an aktuellen Raumfahrtprojekte beteiligt sind. MineRP, ein südafrikanisches Unternehmen, deren Software die Rentabilität eines Bergbauprojektes anhand geologischer Daten und fluktuierender Rohstoffpreise umgehend berechnen kann, verwendet inzwischen eine SAP-HANA-Datenbank, was die Berechnungszeit von Monaten auf Minuten verkürzt; das schließt die Lücke zwischen finanzieller und technischer Planung und ermöglicht Asteroidenbergbau. Aerospace & Defense unterstützt Kunden wie Lockheed Martin (Mars Basecamp), Boeing (NASA), Sierra Nevada (Dream-Catcher-Raumfahrzeug), United Launch Alliance oder die ESA mit der erforderlichen Technologie zur Verwaltung ihrer Infrastruktur und Analyse großer Datenmengen. Diese wird für moderne Satellitentechnik, Raketenstartsysteme oder Sprachsteuerung für Raketentechniker benötigt. Die SAP Afrika ist sogar einer der zahlreichen Industriepartner bei der Errichtung der weltgrößten Teleskopanlage, die rund 160 Terabyte an Daten pro Sekunde generieren wird. Die SAP spielt also definitiv vorne mit.

Das SKA (Square Kilometre Array) radio telescope ist ein „Megawissenschaftsprojekt”, das verschiedene Disziplinen modernster technologischer Bereiche zusammenführt, um nie dagewesene Datenmengen zu generieren.

Mithilfe tausender von Radioantennen in  Afrika und Australien planen Wissenschaftler in die Tiefen des Weltraums „hineinzuhören”, um so unter anderem Einblicke in die Entstehung unserer Galaxie zu gewinnen. Neue Erkenntnisse erhofft man sich auch bei Themen wie dunkler Energie und dunkler Materie. Möglicherweise könnten sogar Signale außerirdischen Lebens empfangen werden.

100 Organisationen aus 20 Ländern unterstützen Konzeption und Realisierung des Programms, das 2030 abgeschlossen sein soll.

Sollte Marais alle Tests bestehen und eine der ersten Siedlerinnen auf dem Mars werden, hofft sie, dass ihr unumkehrbarer Entschluss dabei helfen wird, den Planeten zu verändern, den sie freiwillig zurücklässt. Und sollte dieses einzigartige Abenteuer tatsächlich einen kleinen Teil zur Rettung unserer Spezies beitragen, dann ist es erfreulich zu wissen, dass auch die SAP einen Anteil daran hatte.

Wenn Adriana Marais uns hier mit einem Wunsch zurücklassen könnte, dann wäre es der, nie aufzuhören, die Welt um uns herum zu hinterfragen. „Sonst droht uns eine Zukunft, die niemand wollte; und man wird sich fragen, wie es dazu kommen konnte – und das nur, weil wir nie innegehalten und uns gefragt haben ‚was machen wir da eigentlich?‘. Man sollte immer alles hinterfragen!“.