Ist die Transportwirtschaft bereit für die digitale Transformation?

Eigentlich ist die Transportwirtschaft schon lange digital – oder? Doch drei Faktoren beeinflussen die Entwicklung dieser Branche entscheidend.

Man könnte argumentieren, dass die Transportwirtschaft schon seit einiger Zeit digital ist. Schließlich überwachen Bahngesellschaften seit fast 20 Jahren ihre Waggons entlang der Strecke mithilfe der automatischen Geräte-Identifikation (kurz: AEI). Darüber hinaus überwacht Qualcomm schon seit den späten 1990ern seine Flotte mithilfe von GPS. Auch elektronische Nachrichten werden schon seit Jahrzehnten genutzt. Was ist jetzt anders und warum hat der jüngste Aufstieg digitaler Technologien so gravierende Auswirkungen auf die Transportwirtschaft?

Drei Faktoren beeinflussen derzeit die Entwicklung der Branche: transformative Technologien, steigende Kundenerwartungen und eine erhöhte Investitionsbereitschaft. Traditionell bietet die Branche Spediteuren kostengünstigen und zuverlässigen Service mithilfe etablierter Produkte, Leistungsdefinitionen und Kennzahlen. Bislang gab es kaum Innovationen oder Investitionen in Technologie. Die Branche war recht stabil, und auch wenn die beteiligten Unternehmen wechselten, hatte dies selten Auswirkungen auf die Art und Weise, wie das Business geführt wurde.

Dieser Status quo änderte sich im Jahr 2005 durch zwei voneinander unabhängige Ereignisse: Walmart setzte auf RFID-Technologie, Amazon führte Amazon Prime ein. Zunächst wurde RFID aus Kostengründen als verfrüht betrachtet. Doch mit der zunehmenden Ausgereiftheit der Sensortechnologien stiegen auch die Liefererwartungen. Heute werden integrierte Sensoren und eine Lieferzeit von zwei Tagen bereits als normal angesehen.

Mit dem Aufkommen von intelligenten Produkten, Anlagen und immer verfügbaren „Dingen“ haben Unternehmen jetzt Zugang zu einer beispiellosen Menge an Informationen. Dies ermöglicht es – zusammen mit der Weiterentwicklung der Konnektivität, Big Data, Analytik und Cloud-Technologie –, operative und IT-Technologien zu verschmelzen. Das wiederum macht Maschinen intelligenter und treibt eine durchgängige digitale Transformation voran. Und ermöglicht Unternehmen, von Daten zu profitieren und aussagekräftige Einblicke zu gewinnen.

Diese Veränderungen haben den nächsten wichtigen Schritt bewirkt: Investitionen.

Veränderungen wecken neue Erwartungen

Kunden erwarten von ihren Transportunternehmen ein höheres Serviceniveau. Daraus ergeben sich grundlegende Veränderungen, die sich aus den Investitionen ergeben. Die Branche hat die Notwendigkeit der Weiterentwicklung erkannt,  wenn sie nicht zurückfallen möchte. Dafür gibt es zahlreiche Beispiele:

  • XPO hat seit 2013 mehrere Firmen aufgekauft und sich zu einem der zehn größten Logistikunternehmen weltweit entwickelt
  • UPS kaufte Coyote Logistics, einen Nicht-Asset-basierten Lkw-Frachtmakler mit technologischem Know-how
  • Einzelhandelskonzerne haben Akquisitionen auf dem Liefermarkt getätigt: Target erwarb Grand Junction. Walmart kaufte Parcel auf.
  • Uber Freight setzte bei seinem Führungsteam nicht mehr nur auf Maklererfahrung, da sie erkannten, dass sich Frachtkapazitäten mithilfe von Technologie besser verwalten lassen.
  • Bahngesellschaften bieten ihren Kunden mittlerweile eine Reihe von ganzheitlichen Transportdienstleistungen. So lassen sich auch die riesigen Schienennetze besser auslasten.

Innovation ist der Schlüssel für Veränderungen

Innovation trägt dazu bei, die wirtschaftliche Situation in der Transportwirtschaft neu zu schreiben. Beispielsweise wird es laut einem PwC-Artikel, der 2017 zu Trends bei der gewerblichen Beförderung erschien, „bald möglich sein, Lkws in Logistikdaten über die gesamte Lieferkette hinweg zu integrieren. Erweiterte Telematik ermöglicht den Transportunternehmen mithilfe Cloud-basierter Analysen, Faktoren wie Lkw-Standort, Gesundheitszustand und Müdigkeit des Fahrers, Temperatur und Luftdruck im Frachtraum usw. zu überwachen und zu prüfen. Telematik wird auch das automatische Freight Matching vereinfachen. Lkw-Sensoren werden den zur Verfügung stehenden Platz sowie Gewicht, Route und voraussichtliche Ankunftszeit bestimmen können. Diese Daten werden in eine Software übertragen, die für die Warenbewegung die effizientesten und kostengünstigsten Szenarien entwirft.“ Innovation kann unendliche Möglichkeiten hervorbringen. Deshalb sollte die Branche jetzt die Weichen stellen.

Digitalisierung als Innovationsantrieb

Wie kann sich die Transportwirtschaft in Stellung bringen? Zunächst sollten wertorientierte Ziele in die Unternehmensstrategie und die Denkweise einfließen. Anschließend beginnt das Unternehmen, einen integrierten Technologieplattformansatz für alle Geschäftsbereiche einzuführen (Customer Experience, Anlagenmanagement und Personaleinsatzplanung, operativer Betrieb, Rechnungsstellung und Fakturierung sowie Finanzwesen). Kurz: Damit diese Ziele erreicht werden, gilt es, die neuesten Technologien zu nutzen. Denn nur so lassen sich Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle neu definieren.

Zudem schaffen Unternehmen mit der richtigen digitalen Plattform die Voraussetzungen für den Erfolg. Die Branche hat schon begonnen, mithilfe von Technologie effizienter zu arbeiten und neue Geschäftsmodelle zu entwerfen. Dazu gehören integrierte Sensoren, 3D-Druck, Drohnen, autonome Fahrzeuge und Blockchain.

UPS bietet derzeit beispielsweise 3D-CAD- und 3D-Scanservices in über 50 UPS-Filialen an. Und Covenant Transport zieht Daten aus Sensoren zur Fahrerleistung heran, um die Bindung der Fahrer an das Unternehmen sowie deren Sicherheit bei der Arbeit zu verbessern.

Und zu guter Letzt sollten die Unternehmen die sieben wichtigsten Regeln der Logistik befolgen: rechtzeitig das richtige Produkt in der gewünschten Menge im gewünschten Zustand zum richtigen Kunden am richtigen Standort liefern – und das möglich kostengünstig.

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