Uganda: Wie durch digitale Landwirtschaft eine breite Mittelklasse entsteht

Eine Genossenschaft unterstützt die ugandischen Kleinbauern bei ihrer Arbeit. Die Bauern haben so eine zuverlässige Einkommensquelle. Zur Digitalisierung setzt die Genossenschaft SAP-Software ein.

George Muwereza lebt in Uganda auf der Insel Kalangala im Viktoriasee. Früher war er Holzfäller und konnte vom Holzverkauf mehr schlecht als recht mit seiner Familie leben. Seit 2007 baut George Palmenkerne an und konnte sich in den vergangenen zehn Jahren eine Existenz aufbauen, die ihm ein regelmäßiges Einkommen sichert. Er hat ein Bankkonto (auf das er mit seinem Smartphone zugreift), baut gerade ein größeres Haus für seine Familie und kann es sich leisten, seine Kinder auf bessere Schulen zu schicken. Kurz: Muwereza gehört zur Mittelklasse.

Aber Muwerezas Weg zum erfolgreichen Palmenkernbauer war kein Zufall. Die ugandische Regierung fördert seit 1998 die Entwicklung des Pflanzenölsektors in Uganda über ihr Vegetable Oil Development Project (VODP). Mit Unterstützung des Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung – einer Finanzbehörde innerhalb der Vereinten Nationen, die in landwirtschaftliche Projekte zur Bekämpfung von Armut und Hunger investiert – hat das VODP über 2.000 Palmenkern-Kleinbauern auf die Beine geholfen.

Pflanzenöl schafft Arbeitsplätze, Nahrung und Wohlstand für Uganda

Connie Masaba, Projektmanagerin für das VODP, erklärt, warum es für Uganda so wichtig ist, Kleinbauern zu unterstützen. „Besonders für Uganda ist die Landwirtschaft sehr bedeutend, da 70 % unserer Bevölkerung in diesem Bereich beschäftigt sind. Die Mehrheit davon bewirtschaftet kleine Parzellen“, sagt sie. „Ein Großteil der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche der Welt liegt in Afrika. Die Landwirtschaft ist der wichtigste Sektor für den Kontinent und unser Land – und eine Quelle für Beschäftigung, Wohlstand und Nahrung. Das Wachstum dieses Sektors zu fördern, wird viele Menschen aus der Armut herausführen.“

Die Maßnahmen sind Teil einer Gesamtstrategie der Regierung, den Lebensstandard der ugandischen Bevölkerung zu erhöhen. „Die Regierung arbeitet mit dem Programm „Vision 2040“ darauf hin, die Bevölkerung auf ein mittleres Einkommen zu heben“, sagt Masaba. „Hierfür müssen wir sicherstellen, dass die Landwirtschaft sich kontinuierlich weiterentwickelt und wir die wirtschaftliche Sicherheit für Kleinbauern verbessern.“

Das VODP, das sich inzwischen in der zweiten Phase seiner Einführung befindet, trägt zum Erreichen dieses Ziels bei: Es fördert den Pflanzenölsektor im ganzen Land, darunter den Anbau von Ölpalmen, Sojabohnen, Sonnenblumen und Erdnüssen. Denn es besteht ein dringender Bedarf, in der Ernährung der Bevölkerung für mehr gesunde Fette zu sorgen. Wie in den Nachbarländern verzehren auch in Uganda die Menschen deutlich weniger Öl als in Industrieländern (etwa 6 Kilogramm pro Person stehen 55 Kilogramm gegenüber).

Ölpalmenanbau: Ein Leuchtturmprojekt für Uganda und darüber hinaus

Die Palmenfarmen, die auf Kalangala entstanden sind, sind ein deutliches Zeichen für den Erfolg des Pflanzenölprogramms. Früher, so Masaba, hätten Bauern wie Muwereza entweder als Holzfäller oder Fischer gearbeitet. Die Gewässer vor Kalangala seien aber überfischt und das Abholzen von Wäldern nicht nachhaltig gewesen.

Da die Früchte der Ölpalme das ganze Jahr über geerntet werden können (im Gegensatz zu einer oder zwei saisonalen Ernten) und zudem sehr ertragreich sind, ist der Palmenanbau eine lohnende Alternative für die Bewohner von Kalangala. Außerdem ist Palmöl mit 63 Millionen Tonnen im Jahr 2017 das Pflanzenöl mit dem weltweit höchsten Verzehr. Es besteht also nicht nur im Inland eine hohe Nachfrage, sondern auch weltweit, zu deren Deckung die ugandischen Kleinbauern beitragen können.

Die Bauern sind Mitglieder der Genossenschaft Kalangala Oil Palm Growers Trust (KOPGT), die über das VODP finanziert wird. Die KOPGT unter der Leitung von Nelson Basaalidde verwaltet die Kredite, die die Regierung an die Bauern vergibt. Außerdem stellt sie Dünger, Samen, Transportmöglichkeiten und andere Dinge zur Verfügung, um den Bauern beim Aufbau und der Weiterentwicklung ihres Betriebs unter die Arme zu greifen. Die wichtigste Aufgabe der KOPGT besteht jedoch darin, die Bauern mit Regierungsvertretern und privaten Käufern in Kontakt zu bringen, um die Entwicklung einer lokalen Bauerngemeinde und Marktinfrastruktur für die Ölpalme zu unterstützen. Mit Privatunternehmen, die die Ölpalmenfrüchte abnehmen und weiterverarbeiten, haben die Bauern eine zuverlässige Einkommensquelle.

Seit 2006 hat sich die KOPGT von einem kleinen Zwei-Personen-Büro, das 65 Bauern betreut, zu einer Organisation mit 25 Mitarbeitern und rund 2.000 Kleinbauern als Mitglieder entwickelt. 2016 erwirtschaftete die KOPGT rund neun Milliarden ugandische Schilling (circa drei Millionen US-Dollar) mit dem Verkauf der Ölpalmenfrüchte. „Unsere Organisation und die von uns unterstützten Bauern verzeichnen ein enormes Wachstum. Jeden Monat produzieren unsere Kleinbauern rund 3.000 Tonnen Ölfrüchte und verkaufen diese an die beiden lokalen Ölmühlen“, sagt Basaalidde. „Wir gehen davon aus, dass der Verkauf auf 80.000 Tonnen im Jahr 2021 ansteigen wird.“

„Wir tragen dazu bei, dass diese Transaktionen reibungslos verlaufen, also dass die privaten Käufer regelmäßige Lieferungen erwarten können und die Bauern wissen, wann sie mit der Zahlung rechnen können“, erklärt er weiter. „Und wir versuchen, all das möglichst transparent zu machen.“

Digitale Lösungen für die Landwirtschaft ermöglichen Wachstum

Mit der wachsenden Zahl an Bauern und Transaktionen benötigte die KOPGT eine digitale Lösung, um weiter wachsen zu können. Seit 2009 arbeitet die SAP an der Entwicklung von Anwendungen, die Kleinbauern in Entwicklungsländern – vorwiegend in Afrika – bei der Steigerung der Nahrungsmittelproduktion unterstützen. Deshalb entschied sich die KOPGT für die SAP-Software SAP Rural Sourcing Management, die Informationen über Landwirte, ihre Betriebe und Genossenschaften auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette digital erfasst. Sie sorgt für Transparenz und eine einfache und schnelle Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

„Mit SAP ist jetzt alles viel offener und schneller“, sagt Basaalidde. „Die Bauern haben Zugriff auf den Weltmarktpreis für Palmöl und können so ihre Geldeingänge genauer abschätzen. Sie haben die Möglichkeit, die lokalen Verarbeitungsbetriebe zu informieren, wann die Lieferung der Palmenfrüchte kommt und wie viel geliefert wird. Da alle Transaktionen digital verarbeitet werden, erhalten die Bauern schneller ihr Geld. Und die Privatbetriebe haben einen Einblick in die Liefer-Pipeline und können die Auslastung ihrer Produktion vorhersehen.“ Und weiter: „Außerdem hat die KOPGT mit der digitalen Plattform der SAP einen unmittelbaren Überblick über alle laufenden Transaktionen und die Produktivität unserer 2.000 Bauern“, fährt er fort. „Wir können analysieren, wo es Verbesserungspotenzial gibt, und Berichte über die Verkäufe und die Pipeline direkt abrufen. Die Software bietet uns Einblicke in das wachsende Palmölgeschäft auf Kalangala, die vorher nicht möglich waren.“

Da es sich um eine mobile Lösung handelt, können die KOPGT und die Bauern sie überall nutzen. Außerdem ist die Lösung cloudbasiert – und spart der KOPGT somit Kosten. „Wir haben nur einen IT-Mitarbeiter. Die SAP wartet die Software und Hardware, sodass wir nicht mehr Personal brauchen. Die SAP kümmert sich um die Lösung, und wenn wir mehr Kapazität benötigen, mieten wir einfach mehr“, sagt Basaalidde. Die KOPGT geht davon aus, dass sie weiter wachsen wird und immer mehr Hektar Land und Bauern hinzukommen. Ihre digitale Lösung lässt sich einfach an den wachsenden Bedarf anpassen und liefert jederzeit ein genaues Bild der Geschäftsaktivitäten.

Die Zukunft von Afrika hängt an Kleinbauern

Für Uganda – und für ganz Afrika – ist dies eine tolle Sache. Man geht davon aus, dass die Weltbevölkerung im Jahr 2050 zehn Milliarden Menschen erreichen wird. Die Hälfte dieses Zuwachses wird auf Afrika entfallen. 2050 werden sich sowohl die afrikanische Bevölkerung als auch der Nahrungsmittelbedarf voraussichtlich verdoppelt haben.

70 Prozent der Bevölkerung in Afrika sind als Kleinbauern in der Landwirtschaft tätig. Die Produktionsmengen liegen aber noch weit unter dem Volumen der Industrieländer. Und die Entwicklungshilfeorganisation Alliance for a Green Revolution in Africa schätzt, dass der Kontinent Nahrungsmittel im Wert von 30 bis 50 Milliarden US-Dollar importiert. Die landwirtschaftliche Produktion der Kleinbauern spielt eine wesentliche Rolle für den Aufbau einer sicheren Nahrungsmittelversorgung und Lebensgrundlage für die wachsende Bevölkerung in Afrika. Den Bauern bietet sich eine große Chance, sich von Selbstversorgern zu kommerziellen Landwirten zu entwickeln.

Afrikanische Länder wie Uganda investieren deshalb in digitale Lösungen wie SAP Rural Sourcing Management, um das Wachstum dieses wichtigen Wirtschaftszweigs zu fördern. Masaba ist der Ansicht, dass die digitale Landwirtschaft ein großes Potenzial hat, die Produktivität von Bauern zu verbessern. Sie kann auch auf Krankheiten und Seuchen aufmerksam machen und deren Verbreitung entgegenwirken. Außerdem kann sie zeigen, welche Regionen mit Nahrungsmitteln versorgt oder von Engpässen bedroht sind. Die afrikanischen Regierungen können sich dann zusammenschließen, um die Lebensmittel gleichmäßig über den Kontinent zu verteilen.

„Die digitale Landwirtschaft in Kalangala wird den nachhaltigen Wohlstand von Kleinbauern vorantreiben“, erklärt Masaba. „Die Bauern sagen heute: ‚Früher war ich ein Subsistenzbauer, heute bin ich ein Ölpalmen-Landwirt.‘ Sie wachen morgens auf und wissen, dass sie nicht nur für Nahrungsmittel arbeiten, sondern um Geld zu verdienen. Und genau das wollen wir im ganzen Land erreichen.“