KI-Studie von IDG: Hype mit enormem Potenzial

Besonders in großen Unternehmen etabliert sich künstliche Intelligenz (KI). Während es Fachbereichen primär um neue Geschäftsmodelle geht, sieht die IT Chancen, interne Prozesse zu verbessern, so Ergebnisse der IDG-Studie Machine Learning/Deep Learning 2018. Die wichtigsten Ergebnisse.

1. Management treibt KI-Themen

Künstliche Intelligenz und Machine Learning gehören zu den Top 5 Themen in den Unternehmen in 2018 hinter Cloud Computing, Cyber Security und IT-Service-Management und vor dem Thema Analytics/Big Data. Der besondere Treiber im Unternehmen ist das Management. 29,2 Prozent der Geschäftsführer und CIOs halten es der Studie nach für wichtig, sich in 2018 mit dem Thema auseinanderzusetzen, aber nur 20,6 Prozent der Befragten aus den Fachbereichen. Zudem sehen zwei von drei Managern das Thema bereits in der praktischen Umsetzung, aber nur 44 Prozent der Befragten aus den Fachbereichen.

2. Großunternehmen sind Vorreiter

Je größer die Unternehmen sind, umso stärker setzt es sich mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen auseinander. Während in Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern nur jedes zweite Unternehmen bereits künstliche Intelligenz einsetzt oder gerade einführt, sind es bei Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern bereits über 64 Prozent. Liegt die Anzahl der IT-Mitarbeiter im Unternehmen bei mehr als 500, steigt die KI-Aktivitätsquote sogar auf über 78 Prozent.

3. Know-how und Rechengeschwindigkeit bremsen KI

Während sich Unternehmen in ihrer IT-Infrastruktur (46 Prozent), bezüglich des Zugangs auf Daten (74 Prozent) und Rechnerkapazitäten (35 Prozent) für recht gut aufgestellt halten, fehlt es ihnen noch an Kenntnissen über Algorithmen (23 Prozent) und an Data-Science-Know-how (24 Prozent). Zudem sind nur in jedem fünften Unternehmen (21 Prozent) die für die Beschleunigung von KI-Anwendungen nötigen Grafikprozessoren („GPUs“) verfügbar und nur jedes vierte Unternehmen hält seine Datenstruktur für kompatibel und hat Datensilos bereits aufgelöst.

4. Prozesse wichtiger als Geschäftsmodelle

Die Perspektive auf neue geschäftliche Ansätze steht beim Einsatz von maschinellem Lernen nicht im Vordergrund. Nur 27 Prozent der Befragten sind potenzielle neue Geschäftsmodelle und 24 Prozent neue Produkte und Services wichtig. Vielmehr geht es den meisten Befragten aus Management, IT und Fachbereichen darum, die internen Prozesse zu verbessern (41 Prozent). Dazu passt, dass die Befragten speziell in der Fertigung Potenzial für optimierte Prozesse entdecken (30 Prozent) und auch Predictive Maintenance zur Verbesserung von Wartung und Support (27 Prozent) in den Zielen unter den Top 5 zu finden ist. Ebenfalls Profiteur von verbesserten Prozessen ist das Marketing, das sich von maschinellem Lernen bessere Kundenbeziehungen erhofft.


Künstliche Intelligenz: Drei Fragen an Martin Elsner

Trainingsdaten verfügbar machen, Kreativität und Flexibilität in den Mittelpunkt der Arbeit stellen und spürbares Potenzial im Kundendienst: Drei Fragen über künstliche Intelligenz an Martin Elsner, Regional Head Customer Engagement & Deal Execution bei SAP.

1. Nur 24 Prozent der großen und 15 Prozent der mittleren bis kleinen Unternehmen haben bislang Projekte für künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen gestartet. Besteht für deutsche Unternehmen die Gefahr international ins Hintertreffen zu geraten?

Definitiv. Europa befindet sich mit USA und China in einem „Tech Race“ um die Vorherrschaft in Sachen KI. China hat laut MIT Technology Review in den vergangenen Jahren mit Abstand die meisten Forschungspapiere zum Thema veröffentlicht und ist neben den USA bereits heute führend im Bereich der KI-Forschung. In Europa schaffen Regierungen, Industrie und Bürger jeden Tag ebenfalls eine Fülle wertvoller Daten. Diese Datensätze sollten europaweit für KI zugänglich gemacht machen. Die SAP ermutigt die Politik Empfehlungen auszuarbeiten, wie die Verfügbarkeit von Trainingsdaten für KI in Europa erleichtert werden kann.

2. Wir hören immer wieder von der Angst der KI als „Jobkiller“, dass sich Investitionen in KI nicht rechnen und KI nichts grundsätzlich Neues sei. Ist die Kritik berechtigt?

Hürden und Kritiker gibt es immer. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Machine Learning ist wichtig, um den Befürchtungen und Ängsten, die mit jeder neuen Technologie verbunden sind, zu begegnen und einen positiven Umgang zu fördern. Kürzlich hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) eine wissenschaftliche Studie herausgegeben, die besagt, dass durch die neuen Technologien mehr Arbeitsplätze geschaffen als vernichtet werden. Klar ist aber auch: KI wird die Arbeit von heute verändern. Vor allem repetitive Aufgaben werden künftig teilautomatisiert oder ganz von Maschinen erledigt. An anderen Stellen werden dagegen Aufgaben hinzukommen und neue Arbeitsplätze schaffen. Menschliche Kernkompetenzen wie Kreativität, Flexibilität oder emotionale Intelligenz werden stärker in den Mittelpunkt der Arbeit rücken.

3. Wer profitiert von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen – nur die Unternehmen oder auch die Verbraucher?

In der Digitalisierung liegt die Macht beim Endverbraucher. Wenn wir Lösungen bauen, müssen wir den Kunden unseres Kunden ansprechen. Der Endverbraucher wird auf vielerlei Arten von maschinellem Lernen profitieren. Heute ist das Potenzial dieser Technologie etwa im Kundenservice bereits spürbar. Heute werden 17 Prozent aller Anrufe in Kundenservice-Zentralen nicht beantwortet, 42 Prozent der Kunden sprechen mit verschiedenen Agenten, um eine Antwort zu erhalten und 78 Prozent aller Kunden, die einen Vertrag kündigen, tun dies aufgrund von zu schlechtem Kundenservice. Maschinelles Lernenkann hier mit Hilfe von Chatbots und intelligenten Assistenten Abhilfe schaffen und eine schnellere und bessere Beantwortung von Kundenanfragen ermöglichen.

Im Video: Computerwoche-Redakteur Jürgen Hill mit Martin Elsner


 5. KI: Noch ein Hype, bald eine Revolution

Jeder dritte Befragte der Umfrage sieht maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz derzeit klar als einen überschätzten Hype an. Doch ist sich jeder zweite Befragte zugleich sicher, dass diese beiden Themen die Wirtschaft und Gesellschaft „grundsätzlich revolutionieren“ werden. Dieser scheinbare Widerspruch hat auch damit zu tun, dass das Thema in der öffentlichen Diskussion polarisiert. Diskussionen etwa um das autonome Fahren oder den Einsatz von KI im Gesundheitswesen etwa – da ist sich die Mehrheit der Befragten (52 Prozent) einig – müssten dringend geführt werden.

6. Maschinelles Lernen ist Kernkompetenz im Unternehmen

Die meisten Unternehmen (89 Prozent), die sich mit maschinellem Lernen beschäftigen, greifen – wenn überhaupt – nur in Ausnahmefällen auf externe Partner zurück. Besonders überzeugt von der reinen Selfmade-Strategie ist das Management, das in 52 Prozent der befragten Unternehmen einen externen Dienstleister für dieses Thema kategorisch ausschließt. IT (70 Prozent) und Fachbereiche (53 Prozent) sind externer Unterstützung gegenüber erheblich aufgeschlossener als das Management (39 Prozent).

Weitere Informationen:

Detailergebnisse der Studie „Machine Learning/Deep Learning 2018“ von IDG zum Download.