Opioid-Sucht in den USA: SAP-Softwarepartner Esri hilft bei der Lösung

Opioide infiltrieren nahezu alle Städte und Gemeinden und alle Gesellschaftsschichten der Vereinigten Staaten. Opioid-Abhängigkeit ist inzwischen so weit verbreitet, dass die Medikamente in den USA inzwischen mehr Todesfälle verursachen als Brustkrebs, Waffen oder Autounfälle. SAP-Partner Esri hat der Sucht nun den Kampf angesagt und sucht Lösungen über eine Mapping-Technologie.

Laut dem National Center for Health Sciences sind synthetische Opioide, unter anderem Fentanyl, fentanylähnliche Substanzen und Tramadol, für zwei Drittel der 63.000 Drogentoten in den USA im Jahr 2016 verantwortlich. Die Abhängigkeit macht dabei weder vor bestimmten Ethnien noch vor sozioökonomischen oder geografischen Grenzen Halt. Und genau deshalb ist das Problem auch so schwer in den Griff zu bekommen.

Heute gehen immer mehr Städte und Gemeinden dazu über, den durch Opioide verursachten Schaden mit einer neuen Waffe – Software – zu bekämpfen. Insbesondere innovative neue Lösungen mit geografischen Informationssystemen (GIS) helfen ihnen, Opioid-Brennpunkte zu erkennen. Dadurch können sie ihre Ressourcen besser kanalisieren, um der Sucht vorzubeugen und/oder sie einzudämmen.

Besserer Überblick mit Geodatenanalyse auf Basis von SAP HANA

Ein Unternehmen, das dies möglich macht, ist SAP-Partner Esri. Das Softwarehaus hat eine Karten- und Geodatenanalyse-Software namens ArcGIS Enterprise entwickelt, die SAP-HANA-Daten nutzt und inzwischen US-weit in Städten und Gemeinden eingeführt wird.

Esri hat sich mit seiner leistungsstarken geografischen Plattform einen Namen gemacht. Die Plattform stellt Anwendern verschiedene Tools zur Verfügung, unter anderem „Story Maps“, mit denen sich aus Rohdaten detaillierte Darstellungen über jedes beliebige Thema erstellen lassen. Ob Opioid-Krise, Flüchtlinge in Bangladesch oder die Überwachung einer Killerwal-Population – Mapping-Technologie kann Organisationen und Unternehmen dabei helfen, intelligentere und evidenzbasierte Entscheidungen zu treffen, so Dr. Este Geraghty, Chief Medical Officer and Health Solutions Director bei Esri.

„Die Idee ist, mithilfe von geografischen Daten die Entscheidungsfindung und die Zuteilung von Ressourcen zu verbessern. Im Gesundheitswesen können wir Organisationen damit helfen, ihre Arbeitsweise zu verändern“, sagte Geraghty, ein Arzt, der vor drei Jahren zu Esri kam. „Wir alle finden Daten gut, aber es bringt nichts, nur über die tollen Dinge zu sprechen, die man mit geografischen Daten machen kann. Stattdessen packen wir es konkret an und helfen Menschen, echte Probleme zu lösen – denn wir wissen, wie man geografische Informationen gezielt hierfür einsetzen kann. Unser Health and Human Services Team steckt seine ganze Energie in die Lösung der großen Probleme, die die Gesundheit und das Wohlergehen von Menschen und Städten beeinflussen.“

Für Esri ist die Opioid-Epidemie ein ganz persönliches Thema. Denn einer von Geraghtys Kollegen, Jeremiah Lindemann, hat 2007 seinen Bruder durch eine Drogenüberdosis verloren. Lindemann kreierte mit seinen Technikkenntnissen und Crowdsourcing die Story Map „Celebrating Lost Loved Ones“. In der Map kann man ein Foto und einen Text im Gedenken an einen Menschen veröffentlichen, der aufgrund von Opioiden gestorben ist. Über 1.500 Menschen haben die Namen ihrer Väter, Mütter, Söhne, Töchter oder Freunde dort eingetragen.

„Wenn man sich die Map ansieht, stellt man fest, dass die Opioid-Krise Menschen aus allen Gesellschaftsschichten betrifft. Menschen, die Familie hatten. Menschen, die liebten und geliebt wurden. Es ist wirklich sehr traurig und erschütternd. Die Story Map soll Menschen die Möglichkeit geben, ihre Trauer zu zeigen, aber uns auch daran erinnern, dass Opioid-Abhängigkeit jeden überall treffen kann“, sagte Geraghty. „Jeremiah hat uns alle für dieses Thema sensibilisiert. Er hat sich in den letzten Jahren intensiv damit beschäftigt und seine Geschichte und seine Gedanken zu dem Thema einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Sogar vor dem Kongress hat er über die Gefahren von Opioiden gesprochen. Dass wir uns bei Esri diesem Problem widmen und uns für eine Verbesserung einsetzen, hat alles mit ihm angefangen.“

Lösungen finden mit kartografischen Darstellungen

Die GIS-Technologie von Esri ermittelt in einem ersten Schritt, wo Überdosen und durch Drogen verursachte Todesfälle vorkommen. Diese Informationen werden kartografisch dargestellt, um der Polizei und anderen Organisationen eine Entscheidungsgrundlage für die bestmögliche Zuteilung ihrer Ressourcen zu geben.

„Alles findet irgendwo statt, aber viele Menschen machen sich keine Gedanken, dass der Ort eine Rolle spielt. Es braucht ein wenig Übung, um in geografischen Kategorien zu denken und die geografischen Informationen strategisch zu nutzen“, sagte Geraghty. „Nach einer Weile wird es dann ganz normal, die entsprechenden Fragen zu stellen: Wie sieht das geografische Ausmaß des Problems aus? Gibt es bestimmte Muster in den Daten? Was kann ich von den weniger betroffenen Städten und Gemeinden lernen? Die meisten Städte und Gemeinden haben nicht die Mittel, ihre Ressourcen gleichmäßig über ihren gesamten Zuständigkeitsbereich zu verteilen. Deshalb müssen sie strategische Entscheidungen treffen, wo sie mehr tun und welche Interventionen den größten Effekt an den verschiedenen Orten haben. Denn die Maßnahmen haben von Ort zu Ort eine unterschiedliche Wirkung.“

Manchmal ergibt die geografische Analyse, dass eine oder mehrere Epidemien sich überschneiden. Man spricht hier auch von „Syndemie“. Diese geografischen Zusammenhänge zu verstehen könne für die Formulierung der besten Strategie eine wichtige Rolle spielen, so Geraghty. So sei es beispielsweise in einem Bezirk in Kalifornien zu einem massiven Ausbruch von Hepatitis A gekommen. Das GIS habe gezeigte, dass die Krankheit sich geografisch mit Opioid-Epidemien und Epidemien von Obdachlosen in diesem Bezirk überschnitt. Bei den entsprechenden Maßnahmen habe man also auch diese Überschneidungen berücksichtigen müssen. Die öffentlichen Toiletten in dem Bezirk seien per Karte ermittelt und regelmäßig gereinigt worden. Bürgersteige an und in der Nähe von Obdachlosen-Lagerplätzen habe man desinfiziert und Möglichkeiten zum Händewaschen in den betroffenen Gebieten eingerichtet. Außerdem seien Hochrisikogruppen Impfungen angeboten worden. Diese und weitere Maßnahmen seien an den richtigen Orten durchgeführt worden, um den richtigen Menschen zu helfen und dadurch den Ausbruch der Krankheit zu stoppen.

„Man möchte den Dingen zuvorkommen. Dafür muss man verstehen, wo Menschen sterben, wann und warum“, erklärte Geraghty. „Informationen können für Städte und Gemeinden eine starke Waffe sein, um Menschen zu helfen.“

Esri führte vor Kurzem seine Lösung einem Bezirk vor. Dabei kam heraus, dass die meisten Überdosen bei Männern im Alter zwischen 30 und 40 auftraten und deren Todeszeitpunkt zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr lag. Im Bezirk waren jedoch die meisten Einsatzkräfte zwischen 8.00 Uhr und 17.00 Uhr im Dienst, und als Risikogruppe hatte man Frauen ausgemacht. „Wir zeigten ihnen die Geodaten – und jetzt haben sie ihre Ressourcen effektiver eingeteilt“, sagte Geraghty.

Die Vorteile, die sich aus der richtigen Interpretation der geografischen Zusammenhänge bei solch komplexen Problemen ergäben, könne man gar nicht hoch genug einschätzen, erklärte Geraghty weiter. Ein Bürgermeister habe beispielsweise versprochen, die „Pill Mills“ in seinem Zuständigkeitsbereich, also die Kliniken und Arztpraxen mit einer sehr hohen Verschreibungsrate von Medikamenten, auszuschalten. Das sei zwar gelungen, hätte aber die unbeabsichtigte Folge gehabt, dass sich die Süchtigen anderen Drogen zugewandt hätten, beispielsweise Heroin, was dann zu einem größeren Problem geworden sei.

„Wenn man die Stadt in einem breiteren Kontext betrachtet hätte, hätte man vielleicht diese Folge vermeiden können. Das Angebot einer Droge zu kappen, ohne die weiterhin bestehende Nachfrage zu berücksichtigen, kann zu einem Problem werden. Unsere Lösung enthält ein Tool mit Ressourcen, die die Opioid-Nachfrage senken können, etwa alternative Schmerzsenkungsmöglichkeiten, die eine Sucht verhindern, und Therapieangebote für die bereits Süchtigen“, sagte Geraghty.

Gemeinsam eine Lösung entwickeln

Immer mehr Städte und Gemeinden suchen nach Handlungsmöglichkeiten, da sie erkannt haben, dass sie mit der auf US- oder Bundesstaatsebene angebotenen Unterstützung allein dem Problem nicht Herr werden können. Sie brauchen Lösungen, mit denen sie ihre Ressourcen besser nutzen können.

„Das Problem bei der Opioid-Krise ist, dass es verschiedene Bereiche betrifft. Es ist nicht nur ein Problem der öffentlichen oder der mentalen Gesundheit oder ein Problem des Gesundheitswesens. Es ist auch ein Problem der Polizei, ein Problem der Pharmaunternehmen, ein Problem der Rettungsdienste und ein Problem der staatlichen Finanzierung und Politik, um nur einige zu nennen. Viele ganz unterschiedliche Stellen sind an der Bekämpfung der Krise beteiligt. Kommunikation und Zusammenarbeit sind hier sehr wichtig – und die ArcGIS-Technologie von Esri kann dies erleichtern“, so Geraghty.

Eine Herausforderung besteht darin, viele verschiedene Organisationen sowie die Städte und Gemeinden zum Informationsaustausch zu bewegen. Erschwert wird dies durch die Schutzmechanismen für persönliche Gesundheitsdaten. „Organisationen sind in der Regel sehr zurückhaltend, was den Austausch von Daten angeht, selbst wenn es angemessen und legal ist. Ein „Nein“ zur Herausgabe von Daten ist zweifellos die beste Antwort, um potenzielle Datenschutzverstöße zu vermeiden – aber sie hilft nicht bei der Lösung des Problems“, sagte Geraghty. „Die bereichsübergreifende Zusammenarbeit und entsprechende Vereinbarungen über den Datenaustausch müssen zunehmen, wenn wir wirkliche Fortschritte erzielen wollen. Und SAP HANA hilft wiederum, die Daten allen zugänglich zu machen und zu verteilen.“

„Opioide haben wirklich dramatische Auswirkungen auf unser Leben. Die Sucht betrifft unsere Familien und unsere Gesellschaft, sie führt zu einer Verringerung der Steuereinnahmen und der Produktivität. Sogar auf unsere Pflegesysteme wirkt sie sich aus. Sie kann eine ganze Gemeinde schwächen“, sagte Geraghty. „Wir sind ein B2B-Unternehmen und wollen Organisationen im Gesundheitswesen hervorragende Tools bieten, mit denen sie ihre Bürger unterstützen können. Das ist uns allen sehr wichtig.“