Interview mit Franck Cohen: SAP setzt auf KI und das intelligente Unternehmen

Im Interview spricht Franck Cohen über die Vorteile der Public-Cloud-Lösung der SAP und erklärt, warum die SAP auf künstliche Intelligenz (KI) setzt.

Im April 2018 hat Franck Cohen die neu geschaffene Digital-Core-Organisation bei der SAP übernommen, in der das ERP- und das Branchengeschäft der SAP zusammengeführt wird. Eines von Cohens Hauptzielen ist es, die SAP als den Softwareanbieter zu positionieren, der das intelligente Unternehmen möglich macht.

Was bringt die SAP S/4HANA Cloud für Kunden?

Für Kunden, die unsere Public-Cloud-Lösung SAP S/4HANA Cloud nutzen, gibt es drei wesentliche Vorteile. Der erste sind die Gesamtbetriebskosten: Ganz ohne Zweifel wollen unsere Kunden die Gesamtkosten senken und ein effizienteres IT-System. Der zweite ist, dass wird auf künstliche Intelligenz und das intelligente Unternehmen setzen. Und der dritte ist das hohe Innovationstempo, das die Cloud bietet.

Wie kann SAP S/4HANA Cloud die Gesamtbetriebskosten senken?

Die Senkung ergibt sich aus drei Gründen: Erstens konnten wir die Implementierung von 16 Monaten für ein ERP-System auf 16 bis 20 Wochen verkürzen. Für Unternehmen, die ihre digitale Transformation angehen oder eine Fusion oder eine Akquisition durchführen wollen, ist eine sehr kurze Implementierungszeit enorm wichtig.

Zweitens bietet die SAP S/4HANA Cloud ein hohes Maß an Standardisierung und Vereinfachung – und genau das wollen Kunden heute. Sie wollen Dinge vereinfachen. Und sie wollen nur ein einziges System nutzen.

Drittens wollen wir eine direkte Integration mit anderen Cloud-Bereichen der SAP bieten. Kunden müssen somit keine unterschiedlichen Datenmodelle verwalten, sondern nur ein einziges. All das können wir mit der Lösung bieten. Und dies wirkt sich deutlich auf die Gesamtbetriebskosten aus.

Inwieweit setzt die SAP auf künstliche Intelligenz?

Um es einfach auszudrücken: Wir setzen auf KI, um das Nutzererlebnis zu ändern, Prozesse zu automatisieren und direkten Mehrwert durch Kostensenkungen zu schaffen. Außerdem wollen wir das, was ich gerne die nächste Generation von Best Practices nenne, mit künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen neu gestalten.

Unser Ziel ist es, die erste ERP-Lösung im Markt zu bieten, die sich ohne Einsatz von Händen – also ohne Tastatur und stattdessen mit Spracherkennung – bedienen lässt. Natürliche Sprache hat sich bereits in der KI-Welt fest etabliert. Deshalb gehe ich davon aus, dass Spracherkennung bei der Kommunikation mit Software die Norm wird.

Wir wollen aber noch mehr – wir wollen einen intelligenten Assistenten. Stellen Sie sich einmal folgende Situation vor: Sagen wir, Sie sind Finanzchef eines Unternehmens und haben in zwei Stunden mit dem Einkauf ein Meeting. Sie brauchen ein System, das intelligent genug ist, Ihren Kalender aufzurufen, die Agenda des Meetings einzusehen und Ihnen die Kennzahlen für den Einkauf vor dem Meeting zu liefern. Das System wird aus Ihren Gewohnheiten lernen und sich intelligent anpassen, sodass Sie es effizient nutzen können.

Ein weiterer Aspekt, der sich auch stark auf die Gesamtbetriebskosten auswirkt, ist Automatisierung. Wir wollen mithilfe von künstlicher Intelligenz alles, was sich in unserem ERP-System automatisieren lässt, automatisieren. Die gute Nachricht ist, dass es viele Aufgaben gibt, die sich wiederholen und deshalb automatisiert werden können.

Wir haben ein sehr ambitioniertes Ziel, nämlich 50 Prozent der manuellen Aufgaben im ERP-System in den nächsten drei Jahren zu automatisieren. Das bedeutet hohe Einsparungen für Unternehmen. Und das wäre nicht etwa nur eine Zusatzfunktion, sondern wird im Kernsystem integriert sein.

Wie können Fortschritte bei KI vom Innovationstempo der Cloud profitieren?

Ich habe ja schon kurz über die nächste Generation von Best Practices gesprochen, die durch künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen entscheidend vorankommen wird. Lassen Sie mich das etwas näher ausführen.

Die Best Practices, die wir heute haben, wurden in den siebziger und achtziger Jahren auf Basis der damaligen Technologie entwickelt. Mit der neuen Technologie ändert sich alles sehr schnell. Die Zeiten, als man drei Jahre gewartet hat, bis man ein Update des ERP-Systems durchgeführt hat, sind ein für allemal vorbei. Mit SAP S/4HANA Cloud bieten wir vier Releases jedes Jahr. Und mit jedem Release bringen wir 20 Prozent mehr neue Funktionen.

Und stellen Sie sich vor, was möglich wird, wenn wir nun die Prozesse mit den neuesten Technologien wie IoT, Blockchain und vor allem künstlicher Intelligenz neu erfinden, um ein Unternehmen wirklich von Grund auf zu verändern. Unser Ziel ist es jetzt, die Prozesse neu zu gestalten und dem Markt die nächste Generation von Best Practices zu bieten.

Sie haben über Mehrwert für den Kunden und Strategie gesprochen. Lassen Sie uns jetzt die Zahlen betrachten: Wie erfolgreich ist SAP S/4HANA?

Die SAP-ERP-Suite der nächsten Generation, SAP S/4HANA, ist der Dreh- und Angelpunkt des intelligenten Unternehmens. Im ersten Quartal 2018 ist die Kundenzahl auf mehr als 8.300 gestiegen, also um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein im ersten Quartal kamen rund 400 Kunden hinzu, von denen circa 40 Prozent Neukunden waren. Diese Zahlen zeigen ganz deutlich, dass nicht nur Bestandskunden auf die Lösung umsteigen, sondern dass wir aufgrund der Leistungsstärke von SAP S/4HANA generell Marktanteile gewinnen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, den ich erwähnen möchte, ist, dass die SAP S/4HANA Public Cloud unter allen Anbietern auf dem Mainstream-Markt die am schnellsten wachsende Cloud-Lösung ist.