Das Internet der Dinge: Vom Megatrend zum Motor der Digitalisierung

Die Hannover Messe als weltweit größte Industriemesse lockt jedes Jahr mehr als 5.000 Aussteller aus allen Teilen der Welt an. Aus unzähligen Gesprächen mit Kunden, Partnern, der Presse und Regierungsvertretern habe ich dieses Jahr die Erkenntnis gewonnen, dass das Internet der Dinge (IoT) heute zentraler Bestandteil einer jeden Digitalisierungsstrategie ist.

Technologie als Grundlage für Digitalstrategien und Industrie 4.0

Das Internet der Dinge hat sich vom Megatrend zum etablierten Konzept entwickelt, das bei der Umsetzung von Digitalstrategien und Industrie-4.0-Vorstellungen hilft. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von IoT-Anwendungsfällen mit verschiedensten Technologien. Von Sensoren bis hin zum Executive Dashboard – um aus Bits und Bytes einen geschäftlichen Mehrwert zu generieren, ist ein Zusammenspiel aus vielen komplexen Technologien wie Protokollen, Gateways, Big Data, Datenbanken und intelligenten Anwendungen mit Prognosefunktionen erforderlich. Den Ausgangspunkt, oder vielmehr die Grundlage dafür bilden offene, flexible und skalierbare Plattformen, die neue Technologien wie maschinelles Lernen und Blockchain unterstützen. Deshalb gehören IoT-Funktionen inzwischen zum Standardangebot vieler Cloud-Plattformen.

Geschäftspotenzial von IoT identifizieren

Das Internet der Dinge ermöglicht es Unternehmen, intelligente Services und After-Sales-Produkte zu entwickeln, die ihr bestehendes Portfolio ergänzen. Ein Beispiel ist der Einsatz von vorausschauender Wartung für Maschinen im B2B-Bereich. Die innovativen Services schaffen mehr Flexibilität und eine schnellere Reaktionsgeschwindigkeit, von denen sowohl der Kunde selbst als auch die Kunden des Kunden profitieren.

Das Produkt wird heute in zunehmendem Maße zum Medium, das Informationen übermittelt und Maschinen beispielsweise das Signal gibt, einen Wartungsdienst in die Wege zu leiten oder eine Zahlung anzustoßen. Da solche Services nur bei Bedarf genutzt werden, zahlt der Kunde nur das, was er tatsächlich in Anspruch nimmt. IoT bietet also auch hinsichtlich der zugehörigen Vertrags- und Zahlungsmodelle maximale Flexibilität. Die Dienste generieren Daten, und durch die Verfügbarkeit von immer größeren Datenmengen entstehen neue Services wie beispielsweise Benchmarking für Kunden. Das Ergebnis ist ein intelligentes Netzwerk, von dem alle Beteiligten profitieren.

Hannover Messe: Gemeinsam mit Partnern und Kunden Innovationen schaffen

Der Schwerpunkt des SAP-Auftritts auf der Hannover Messe lag in diesem Jahr auf digitalen Zwillingen. Sie verbinden die physische mit der digitalen Welt und ermöglichen so eine Vernetzung von Maschinen innerhalb eines Netzwerks sowie über deren gesamten Lebenszyklus hinweg.

Mit SAP Digital Manufacturing Cloud sowie den zugehörigen Funktionspaketen für Analysen und den Produktionsbereich stellte SAP eine umfassende Cloud-Lösung für die Fertigungsbranche vor. Zudem haben wir ein Netzwerk von digitalen Zwillingen eingeführt, um den Lebenszyklus eines Produkts vom Design bis hin zur Außerbetriebnahme zu optimieren. Das Netzwerk synchronisiert die virtuelle, physische, betriebliche und kommerzielle Darstellung von Anlagen und Produkten in Echtzeit. So können Kunden Innovationen schneller umsetzen, die Betriebsleistung und -bedingungen optimieren, den Servicebedarf prognostizieren sowie die Fehlerdiagnostik und Entscheidungsfindung im gesamten Netzwerk verbessern.

Eine weitere, gemeinsam von der SAP und dem japanischen Unternehmen NTT entwickelte Lösung demonstriert eindrucksvoll, wie Daten dabei helfen können, die Arbeitssicherheit in potenziell gefährlichen Umgebungen zu gewährleisten. SAP Connected Worker Safety führt auf der Basis von Sensordaten, die durch Wearables und aus der Arbeitsumgebung gewonnen werden, vorausschauende Analysen durch, um die ersten Anzeichen für eine Gefahrensituation in Echtzeit zu identifizieren. Die Lösung kann einen wichtigen Beitrag zur Arbeitssicherheit leisten und sogar Leben retten, beispielsweise im Bergbau. Dort führen hohe Konzentrationen von schädlichen Gasgemischen, die den Sauerstoffgehalt der Luft reduzieren, schnell zu kritischen und lebensbedrohlichen Situationen. Arbeiter, die mit tragbaren Sensoren ausgestattet sind, können rechtzeitig gewarnt werden, bevor eine Problemsituation eskaliert.

Schweizer planen Transport der Zukunft

Die SAP hat sich außerdem mit der Schweizer Organisation Cargo Sous Terrain zusammengeschlossen, um zu demonstrieren, wie der Transport von Gütern in nicht allzu ferner Zukunft aussehen könnte – mit unterirdischen Tunneln, die für den Transport, die vorrübergehende Lagerung und den ressourcenschonenden Vertrieb von Waren verwendet und mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Die unterirdische Beförderung und hochautomatisierte Verwaltung von Gütern sind mit erheblichen Effizienzsteigerungen für Unternehmen und Bevölkerung verbunden und stellen einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigen Zukunft dar.

Ob Robotik, künstliche Intelligenz oder Big Data – intelligente Fertigungstechnologien führen zu einer Hyperautomatisierung unserer Wirtschaft und verändern etablierte Arbeitsstrukturen. Wie Unternehmen und insbesondere kleine und mittelständische Betriebe von solchen digitalen Geschäftsmodellen profitieren können, war eines der Themen des diesjährigen Leader’s Dialogue. Zudem stellte die Plattform Industrie 4.0 ihre wichtigsten Ziele und Ergebnisse sowie die Resultate der trilateralen Kooperation zwischen Deutschland, Frankreich und Italien vor.

IoT und Industrie 4.0 markieren einen aufregenden Wendepunkt. So beginnen Unternehmen auf der ganzen Welt, Fertigungsstätten und Produkte zu vernetzen, maschinell erhobene Daten für die vorausschauende Wartung zu verwenden und innovative Servicemodelle zu entwickeln. In der Fabrik von morgen werden Maschinen und Geräte nahezu autonom arbeiten. In Zukunft wird es deshalb vor allem um Zusammenarbeit und Vernetzung gehen – das hat die Hannover Messe deutlich unterstrichen.

Bernd Leukert ist Vorstandsmitglied der SAP SE.

Dieser Artikel wurde ursprünglich in der SAP Community veröffentlicht.