Räumt mit den Stereotypen auf!

Ein Pilotprogramm der Abteilung Products & Innovation bei der SAP brachte Mentoring-Paare aus verschiedenen Generationen zusammen, die spannende Erkenntnisse gewannen.

Über achtzig SAP-Mitarbeiter aus dem Vorstandsbereich Products & Innovation fanden sich zu einem interessanten Experiment bereit: Sie nahmen an einem Mentoring-Programm für Menschen aus unterschiedlichen Generationen teil. Das Ziel: Herausfinden, wie „die anderen“ wirklich ticken. Als erster Vorstandsbereich startete P&I das Pilotprogramm als eine von mehreren Initiativen unter dem Motto „Celebrate All Generations at SAP“.

In der dreimonatigen Pilotphase von November 2017 bis Anfang Februar 2018 nahmen sich die Teilnehmer/innen aus Bangalore, Brasilien, Deutschland, Kanada und den USA die Zeit, Stereotype zu hinterfragen. „Im normalen Business-Kontext stellt man viele Fragen einfach nicht, die man an die jüngere Generation hat“, meint Andreas Hoffmann, Program Manager, SAP Knowledge & Education, der selbst zur Generation X (Jahrgang 1964–1978) gehört. „Deshalb habe ich mich für das Mentoring-Programm gemeldet.“

Unter den Teilnehmern gab es im Vorfeld Annahmen darüber, wie die jüngere oder ältere Generation tickt, aber in vielen Fällen keine Möglichkeit, sich wirklich damit auseinanderzusetzen. „Für unsere Produktentwicklung und unsere Prozesse ist es aber wichtig zu verstehen, wie die jüngere Generation Dinge handhabt oder welche Erwartungen sie hat“, erklärt Sundar LN, Vice President & COO, Globalization Services.

Annika Boldt, Associate Developer, Industry & Custom Development, ist Entwicklerin und noch nicht lange bei der SAP. Sie hat sich ebenfalls gemeldet und auf den Austausch gefreut. Ihr war es wichtig, jemanden aus einem anderen Bereich der Entwicklung kennen zu lernen und herauszufinden, wo Unterschiede und Gemeinsamkeiten liegen – ob innerhalb der Arbeitswelt oder auch außerhalb. „Ich habe an dem Programm teilgenommen, weil ich neu bei der SAP bin und Leute aus einem anderen Projekt oder mit einem anderen Jobprofil kennenlernen wollte. Ich war auch neugierig, wie ein Kollege aus einer anderen Generation sich auf Meetings vorbereitet oder seinen Tag organisiert.”

Klischees im Kopf

Bereits im Vorfeld konnten sich die Teilnehmer informieren, um sich mit den Stereotypen der eigenen und der anderen Generation auseinanderzusetzen und die eigene Position zu reflektieren.

Sind zum Beispiel Kollegen aus der Generation X (Jahrgang 1964–1978) so, wie man sie immer darstellt? Sind sie unbeeindruckt von Autorität? Suchen sie nach einem ausgeglichenen Verhältnis zwischen Arbeit und ihrem Privatleben? Und haben sie besonders hohe Ansprüche an ihre Arbeit? Sind Kollegen aus der Generation Z (geboren nach 1995) Multitasking-Talente, arbeiten an fünf Dingen gleichzeitig und motiviert sie der ständige Wandel mehr als Kollegen aus anderen Generationen?

Teilnehmerfeedback zum Generationenprogramm

Nach drei Monaten wurden die Teilnehmer von Simone Keppler, die das Programm im Rahmen eines Fellowships leitete, wieder befragt. Auf die Frage, was ihr AHA-Moment gewesen sei, antworteten viele: „Wir sind gar nicht so unterschiedlich.“ Auch das gängige Klischee, die jüngeren Mitarbeiter/innen nutzten die sozialen Netzwerke und Medien stärker als Kollegen der älteren Generation, hat sich bei der SAP nicht bestätigt. Alle Generationen teilen ähnliche Werte und sie arbeiten gerne in Teams, die sich durch Vielfalt kennzeichnen. Zudem haben sie oftmals die gleichen Ansprüche an die Balance zwischen Arbeit und Privatleben: So kam es vor, dass ein Mitarbeiter aus der Baby-Boomer-Generation (Jahrgang 1946–1964) einen Kollegen aus der Generation Y (1994–1979) ermunterte, mehr für seinen Stressausgleich zu tun. „Dies sind die wichtigsten Ergebnisse aus den Feedback-Interviews der Teilnehmer“, erklärt Tanja Kaufmann, Global Lead for Diversity & Inclusion in P&I.

Elisabeth Muchowski, Product Manager im S/4HANA Cloud Product Management, sagte im Feedback-Gespräch: „Ich war beeindruckt, wie wertvoll meine Erfahrung für jemanden ist, der gerade hier angefangen hat. Es hat mir gezeigt, wieviel ich weitergeben kann, und ich empfinde es als bereichernd, dass mir das Unternehmen diese Möglichkeit gibt.“

Christoph Behrendt mit zwei Mentoring-Paaren Von links: Rainer Pochlatko, Felix Schabernack, Christoph Behrendt, Simone Keppler (für Inga Boettcher), Simon Neumann

Felix Schabernack, der als Associate Developer im HANA Customer Scenario Testing Team am Anfang seiner SAP-Karriere steht, fügt hinzu: „Mein Mentoring-Partner weiß so viel über die Vergangenheit und die Produktentwicklung bei der SAP, dass ich davon sehr viel lernen konnte. Das hätte niemals in einer Einführungsveranstaltung abgedeckt werden können. Der Austausch hat mir geholfen zu verstehen, warum Produkte so entwickelt wurden, wie sie heute sind. Das hat meine Perspektive auf die Produktentwicklung positiv beeinflusst.“

„Wir sind geprägt durch unsere Persönlichkeit, durch die Zeit, in der wir aufgewachsen sind, und durch unsere aktuelle Lebensphase. Aufgrund dieser Vielschichtigkeit können wir mit vielen verschiedenen Menschen eine gemeinsame Ebene finden, unabhängig vom Alter“, erklärt Huerol Enseli, Senior User Assistance Developer, Financial Services.

Mentoring-Programm soll ausgeweitet werden

87 Prozent der Teilnehmer würden wieder an einem solchen Programm teilnehmen oder es weiterempfehlen, wie eine Umfrage im Anschluss ergab. Auch die Führungskräfte in P&I zeigten großes Interesse. So hat sich Christoph Behrendt, EVP, Head of P&I Industry and Customer Development, zu einem Lunch mit zwei Mentoren-Paaren verabredet, um von ihren Erfahrungen zu hören. Behrendt hat das Programm gefallen, er habe deutlich gespürt, dass sich eine gute Beziehung zwischen den Mentoren-Paaren aufgebaut habe. Er selbst stellte sich ebenfalls für einen Shadowing-Tag zur Verfügung.

Eine Teilnehmerin fasst ihre Erfahrung so zusammen: „Dieses Programm ist wichtig, um endlich mit Stereotypen aufzuräumen. Ich finde, es sollte für jeden Mitarbeiter standardmäßig die Möglichkeit geben, über ein solches Programm Menschen außerhalb der eigenen Generation kennenzulernen und von ihnen zu lernen.“ „Das Angebot eines generationsübergreifenden Mentoring-Programms soll es künftig auch in anderen Vorstandsbereichen geben“, erklärt Tanja Kaufmann. Ein zweiter Pilot startet gerade in P&I.