Parador realisiert Carve-out innerhalb von sechs Monaten

Dem Parkett- und Laminathersteller Parador gelang die Ausgliederung der IT-Systeme in Rekordzeit. Drei SAP-Systeme wurden aus dem Gesamtsystem herausgelöst und 1:1 nachgebildet.

Die Parador GmbH ist ein Spezialist für hochwertige Parkett-, Laminat- und Vinylböden. Das Unternehmen aus Coesfeld bei Münster wurde zum 1. Oktober 2016 von der Hüls-Unternehmensgruppe an die NORD Holding verkauft. Danach musste sich Parador physisch und logisch aus der Hüls-Gruppe herauslösen. Da Parador bis dahin als eigener Buchungskreis in die komplexe SAP-Systemlandschaft von Hüls eingebunden war, wurde ein Carve-out notwendig.

Ziel des Projekts war es, den Mitarbeitern eine 1:1-Kopie der bisherigen SAP-Systeme zur Verfügung zu stellen, damit sie ohne größere Veränderung weiterarbeiten können. Bei diesem Carve-out-Projekt wurde Parador von cbs Corporate Business Solutions als Spezialist für System Landscape Transformation (SLT), unterstützt. cbs gelang es, mit Hilfe seines bewährten Standard-Werkzeugs cbs Enterprise Transformer alle Parador-bezogenen Businessobjekte in den SAP-Systemen präzise herauszulösen. Der straffe Zeitplan von knapp sechs Monaten und das Budget wurden eingehalten.

Nach Verkauf eigenständig am Markt

In Bau- und Holzfachmärkten ist Parador schnell zu finden. Wer nach Laminat, Parkett und elastischen Bodenbelägen sucht, stößt auf Anhieb auf die Premium-Marke. Als Spezialist für hochwertige Parkett-, Laminat- und Vinylböden sowie Produkte zur Wand- und Deckengestaltung vertreibt der Markenhersteller weltweit rund 900 Produkte.

Um nach dem Verkauf an die NORD Holding eigenständig am Markt agieren zu können, musste sich Parador in allen Bereichen – vom Telefon über die IT bis zu den Unternehmensprozessen – physisch und logisch von der Hüls-Gruppe trennen. Das betraf auch die SAP-Systeme, denn Parador beanspruchte im SAP-System der Hüls-Gruppe einen eigenen Buchungskreis, mit eigenen Prozessen und vielen Schnittstellen zu Partnern, Händlern, Spediteuren etc. Dieser Carve-out (Ausgliederung) war eines der bedeutendsten Teilprojekte. IT-Leiter Günter Winkler: „Unser Ziel war es, das Herauslösen von Parador aus der Hüls-Gruppe im Rahmen der SAP-Systemlandschaft umzusetzen. Dabei haben wir uns auf drei SAP-Systeme konzentriert, die mit möglichst geringem Aufwand im vorgegebenen Zeit- und Budgetrahmen transformiert wurden. Alles sollte nach dem Projekt genauso funktionieren wie bisher, nur eben unabhängig von Hüls.“

Carve-out mit komplexer Aufgabenstellung

Günter Winkler, IT-Leiter bei Parador

Das Vorhaben erwies sich als äußerst anspruchsvoll – nicht nur, weil Parador bei der Hüls-Gruppe bis dato in eine komplexe, über viele Jahre gewachsene SAP-Systemlandschaft eingebunden war, in der viele kundenspezifische Tabellen und Berichte (Z-Tables/Z-Reports) vorhanden waren. Auch die Zeit- und Budgetvorgaben seitens des ehemaligen Eigentümers waren für eine System Landscape Optimization (SLO) in dieser Größenordnung sehr ambitioniert: Das Projekt sollte innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen werden. Hinzu kam, dass es bei dem Projekt gleich mehrere Mitspieler gab – neben Parador waren die Hüls-Gruppe und ein Rechenzentrums-Dienstleister mit von der Partie, bei dem Parador zukünftig seine IT-Systeme hosten wird.

Nach einer intensiven Analyse der Anbieter ergab sich eine Zusammenarbeit mit cbs Corporate Business Solutions. Das Konzept passte perfekt auf die Anforderungen von Parador. „Wir hatten von Anfang an das Gefühl, wir begegnen uns auf Augenhöhe. cbs passte fachlich und menschlich am besten zu uns“, berichtet der IT-Leiter. Die cbs-Berater zeichnet aus, dass sie über ein integratives SAP-Wissen verfügen, so dass betriebswirtschaftliche, methodische und technische Fähigkeiten in die Transformation der Prozess- und SAP-Systemlandschaften einfließen.

Anwenderfreundlicher Projektansatz

Alle Beteiligten definierten zunächst den Umfang des SLO-Projekts. Von den fünf SAP-Systemen, in die Parador als eigener Buchungskreis bei Hüls eingebunden war (ERP, LE, BW, SRM und HCM), sollten drei in die künftige Eigenständigkeit der Parador überführt werden: ERP, LE (Logistic Execution) und BW (Business Warehouse).

Die zweite spannende Frage war die nach dem passenden Transformationsverfahren: Variante 1 („clone and delete“) hätte bedeutet, das Hüls-System komplett zu kopieren und anschließend die Daten zu löschen, die nicht der Parador GmbH gehören. Variante 2 („copy and migrate”) sah vor, eine leere Systemkopie anzulegen und nur die Parador-Daten zu migrieren. Bei SAP BW entschieden sich die Projektpartner für Variante 1, bei ERP und LE dagegen für Variante 2. Dies hatte zwei Gründe: Zum einen entpuppte sich das Hüls-ERP-Quellsystem mit einer Datenmenge von über zwei Terrabyte als zu groß für „clone and delete“. Zum anderen wollte der ehemalige Eigentümer (Hüls-Gruppe) sensible Daten nicht pauschal nachgebildet wissen.

Der Lösungsansatz für Parador sah vor, die Parador-Anteile präzise aus den bisherigen Systemen herauszuschneiden und in die neuen, eigenen Systeme zu übertragen. Der Carve-out der voraussichtlichen Datenmenge von über 600 GB sollte an einem Wochenende erfolgen. Bei der prozessübergreifenden Migration galt es, auch einige kritische Themen zu berücksichtigen wie die überdurchschnittliche Anwendungsbreite bei Hüls, der komplexe Datenbestand und die Variantenkonfiguration. Dabei überzeugte cbs das Projektteam mit ihrem kundenorientierten Lösungsansatz und ihrer jahrzehntelangen Erfahrung.

Kundenindividuelle Transformation mit dem Enterprise Transformer

Um die Transformationsprozesse bei Parador beherrschen und kosteneffizient gestalten zu können, kam von Anfang an die Spezialsoftware cbs Enterprise Transformer (ET) zum Einsatz. Damit können SAP-Unternehmensplattformen nicht nur schnell und sicher standardisiert werden. Das leistungsfähige Tool unterstützt auch kundenindividuelle Transformationen (Z-Transformationen), bei denen Tabellen, Berichte und Prozesse, die nicht dem SAP-Standard entsprechen, 1:1 transformiert werden. Zudem beinhaltet cbs ET Best-Practice-Transformationen für alle existierenden Szenarien einer SAP-Systemveränderung. Mit Hilfe vom ET führte cbs zunächst eine eingehende Analyse aller Businessobjekte anhand der Selektionskriterien “Buchungskreis” und “Werk” durch. Daraus ergab sich der genaue Projektumfang (Scope), der rund 100 Businessobjekte umfasste. In mehreren Ziel-Workshops wurde danach der Projektumfang zusammen mit allen Beteiligten weiter detailliert.

Die Migration der Daten aus SAP ERP und LE erwies sich aufgrund der gewachsenen SAP-Systemlandschaft von Hüls als hochkomplex. Da bei diesen SAP-Modulen nur die Parador-Daten aus den Quell- in die Zielsysteme migriert werden durften, mussten sie zunächst aus dem Hüls-System herausgeschnitten werden. Erste Selektionsläufe erbrachten nicht die gewünschte reine Datenqualität, deshalb wurde sie in mehreren intensiven Testzyklen verbessert.

Bei jedem Test wurden sämtliche Businessobjekte vollständig migriert. Hierfür wurden die Daten mit Hilfe von Exportprogrammen in den Quellsystemen selektiert. Anschließend wurden die transformierten Daten mit einem Importprogramm im Zielsystem angelegt. Etwaige Selektionsfehler wurden nach jedem Test im ET korrigiert, sodass die Folgetests immer besser wurden. Getestet wurde mit Z-Transaktionen, seltener mit SAP-Standards, mit denen die Parador spezifischen Funktionen und Berichte aufgerufen wurden. Da diese Funktionen zum Teil recht komplex waren, hatten die Key-Anwender schnell einen Überblick, ob die Daten korrekt waren oder nicht. Nachdem die User Acceptance Tests (UAT) abgeschlossen waren, war die Datenqualität so gut, dass dem Go-live nichts mehr im Weg stand.

In time, in budget und alle Prozesse laufen

Nach nur einem halben Jahr war es dann soweit. Am Freitagabend schlossen die Parador-Mitarbeiter ihre Tätigkeit in der bisherigen SAP-Systemlandschaft von Hüls ab, danach erfolgte die Migration der über 600 Gigabyte Daten. Sonntagabend waren die neuen Systeme bereits produktiv und verfügbar. Die systemübergreifende Konvertierung dauerte nur knapp 36 Stunden. Am Montagmorgen konnten die Mitarbeiter in ihren Belegen und Aufträgen an der gleichen Stelle weiterarbeiten, wo sie am Freitag aufgehört hatten.

Parador arbeitet nun erfolgreich in den neuen SAP-Systemen ERP, LE und BW mit den gewohnten Prozessen und den eigenen Daten. Winkler dazu: „Das Projekt ist bestens gelaufen. Wir haben nicht nur den geplanten Termin, sondern auch das Budget eingehalten. Auch die Zusammenarbeit zwischen den vier Parteien Hüls, Parador, Rechenzentrum und cbs hat hervorragend funktioniert.“