SAP Inscribe: Die UX-Revolution von der Basis aus

Ein Team von SAP Design hat eine neue und natürliche Art der Interaktion zwischen Anwender und Software entwickelt, die in Kürze als Produkt zur Verfügung stehen wird.

Viele SAP-Mitarbeiter haben kreative Ideen, an deren Umsetzung sie leidenschaftlich in ihrer Freizeit arbeiten, um herausragende, nie dagewesene Produkte zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist SAP Inscribe. Alles begann mit einer Eingebung bei einem Videospiel, einer Handvoll Mitarbeiter, die die Zusammenarbeit genossen und dem Glücksfall, einen Kunden als Innovationspartner gefunden zu haben. In einer Umgebung, die darauf ausgelegt ist, Kreativität zu fördern, fiel diese Mischung auf fruchtbaren Boden. Das Ergebnis ist eine neue Art der Softwareinteraktion.

Geistesblitz mit Folgen: zentrale Benutzeroberfläche

Uns so begann alles: Philip Miseldine, Entwickler bei SAP Design, entspannt in seiner Freizeit gern bei klassischen Videospielen, die er aus seiner Jugend kennt. Als er eines Tages beim Spielen eine Linie zeichnete, um drei Punkte zu verbinden und anschließend eine Schatzkiste erschien, kam ihm ein Gedanke: Wie wäre es, wenn man im Spiel die Möglichkeit hätte, etwas auf die Benutzeroberfläche (UI) zu zeichnen, um etwas Bestimmtes zu erreichen? „Ich streiche beispielsweise etwas durch, das System erkennt dies und etwas passiert. Aus rein entwicklungstechnischer Sicht gibt es keinen Grund, diese Technologie nicht in anderen Kontexten einzusetzen“, erklärt Miseldine.

Die Idee nahm Form an, als ihm weitere Anwendungsmöglichkeiten in den Sinn kamen. „Neben meinem Computer liegt immer ein Blatt Papier, auf dem ich Notizen mache, wenn ich etwas erledigen muss, das mehrere Schritte und verschiedene Benutzeroberflächen umfasst – zum Beispiel einen Urlaub buchen. Über die eine UI reserviere ich den Flug, über eine andere das Hotel, und wieder über eine andere UI organisiere ich die Abholung vom Flughafen. Was, wenn ich mein smartes Tablet wie ein Blatt Papier verwenden könnte? Wenn ich wichtige Wörter einkreisen, Optionen, die mir nicht gefallen, durchstreichen und Wörter notieren könnte, um weitere Ideen zu sammeln? Stellt euch ein System vor, das mein Gekritzel und die handschriftlichen Notizen versteht und über eine zentrale Benutzungsoberfläche darauf reagiert – und all das auf sehr natürliche Art und Weise.“

Mit Design Thinking zum Prototyp

Zu diesem Zeitpunkt war Miseldine nicht mehr als ein Mitarbeiter mit einer Idee. Er sprach mit seinem Manager, Hanswerner Dreisigacker, der ihm nicht nur den Freiraum gab, den er brauchte, um einen Prototypen zu entwickeln, sondern ihm auch mit Rat und Tat zur Seite stand. Doch Miseldine war klar, dass er zusätzliche Hilfe benötigte, um seine Idee umzusetzen. Also mobilisierte er Kollegen, mit denen er kurz zuvor an einem anderen UX-Projekt gearbeitet hatte. Christian Geldmacher, Judith Schneider und Sebastian Werner begannen schon bald, gemeinsam mit Miseldine in ihrer Freizeit an dem Projekt zu arbeiten. Wenig später war ein Prototyp fertiggestellt, mit dem das Team die „verrückte Idee“, wie Miseldine sie nennt, Maricel Cabahug präsentierte, damals SVP Global Head of Design, UX and Fiori Product Management und inzwischen Chief Design Officer. Sie erkannte sofort, welches Potenzial in dem Prototypen steckte und ermutigte das Team, den Entwurf weiter auszuarbeiten.

Design-Thinking-Experte Geldmacher setzte gemeinsam mit Miseldine eine lockere Struktur für das improvisierte Team auf, um neue Ideen zu generieren, sich auf die besten Ansätze zu konzentrieren und diese konsequent umzusetzen. Ziel war es, aus einer genialen ersten Idee etwas Konkretes zu entwickeln. „In dieser frühen Projektphase ist es wichtig, sich die Freiheit zu nehmen, verschiedene Ansätze zu verfolgen“, führt Geldmacher aus. „Im weiteren Projektverlauf sollte man dann die Fülle an Ideen sowie die Anzahl der durchgeführten Iterationen reduzieren.“

„Das Schwierigste an dem Projekt war, dass uns die Vergleichsmöglichkeiten fehlten“, ergänzt Schneider. Keiner von uns hatte schon einmal etwas Ähnliches gesehen, geschweige denn daran gearbeitet.“ Als Designer waren beide hauptsächlich dafür zuständig, ein wirkungsvolles Interaktionsdesign zu entwickeln.

„In der ersten Phase waren die Farben und andere visuelle Aspekte eher weniger wichtig“, erklärt Geldmacher. „Es ging vielmehr darum, sicherzustellen, dass das System die Notizen und Kritzeleien des Benutzers interpretieren kann. Ansonsten wäre es ja nicht cool“, lacht er. „Wir haben uns immer gefragt: Wofür verwenden wir ein Blatt Papier, und wie können wir das digital umsetzen?“

Während die Designer neue Interaktionsmuster entwarfen, setzte Miseldine diese in einem iterativen Prozess in Coding um. Als immer mehr Ideen entstanden und der Arbeitsaufwand nach und nach stieg, wandte er sich an Dennis Weissmann, einen Studenten mit umfangreichem Know-how in der iOS-Entwicklung. Gemeinsam mit ihm konnte das Team seine Vision schließlich in die Tat umsetzen.

Innovationspartner gesucht

Schon bald war es an der Zeit, sich nach einem Innovationspartner umzuschauen. „Es ist unmöglich, ohne einen Kunden echte Innovationen zu entwickeln“, ist Geldmacher überzeugt. „Das wäre wie Segeln ohne Kompass. Es gibt tausend Richtungen, die man einschlagen kann, und niemand weiß, wohin.“

Über das CEI-Programm nahm das Team Kontakt mit L3 Technologies auf. Jason Shearer, Lead Data Scientist in der Unternehmensniederlassung in Salt Lake City, war sofort begeistert.

„L3 macht sich mit SAP Analytics Cloud und dem Digital Boardroom auf den Weg der digitalen Transformation“, erklärt Shearer bei einem kürzlichen Besuch in Walldorf. „SAP Inscribe ist die perfekte Ergänzung im Bereich Executive Analytics. Die Teams integrieren die Produkte auf elegante Weise mit der neuen Digital-Boardroom-API und bieten unseren Nutzern eine fantastische, personalisierte Ansicht auf den Boardroom. SAP Inscribe fügt sich ganz natürlich in jede Ebene des Benutzererlebnisses ein. Ich bin allerdings froh, dass die Analytics-Funktionen im Vordergrund stehen“, schmunzelt er.

Miseldine freut sich sehr, L3 als Innovationspartner gewonnen zu haben. „Jason Shearer ist ein Visionär, aber auch praktisch veranlagt. Deshalb erwartete er nicht, dass wir ihm im nächsten Quartal eine voll funktionsfähige Lösung liefern. Er ist zudem ein sehr kluger Partner, und, was das Wichtigste ist, er teilt unsere Vision.“

Neue Teammitglieder helfen dabei, die Idee in die Realität umzusetzen und den Prototypen in ein großartiges Produkt zu verwandeln. „Das ist genau das Klima, das ich mir für SAP Design wünsche – eine Start-up-Kultur, in der Mitarbeiter eine Idee entwickeln und sie dem Management vorstellen können, und, wenn sie großes Potenzial hat, die nötige Unterstützung erhalten“, betont SAP Chief Design Officer Maricel Cabahug.

„Miseldine sah das alles schon lange vor uns kommen“, erklärt Shearer. „Es ist noch ein weiter Weg, doch wir sind überzeugt, dass dieses Benutzererlebnis die Zukunft prägen wird. Nun ist es an der Zeit, diese Botschaft nach außen zu tragen.“

Und genau diese Aufgabe erfüllt das Team. Es räumt wichtige Design-Awards ab und beeindruckt Kunden. Den IF Design Award 2018 hat es bereits in der Tasche, und bei der SAPPHIRE NOW in Orlando stellte SAP CEO Bill McDermott in seiner Keynote SAP Inscribe als neues Produkt vor.

Betaversion der Design-Software bald verfügbar

Bis Ende des Jahres wird SAP Inscribe in einer Beta-Version für ausgewählte Kunden verfügbar sein. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für Anfang 2019 auf SAP S/4HANA geplant. Kunden, die am Beta-Programm teilnehmen möchten, können sich hier anmelden.

Das SAP-Inscribe-Team, von links nach rechts: Judith Schneider, Christian Geldmacher, Sebastian Werner, Phil Miseldine, Dennis Weissmann (Top Foto: Chris Lafleur)