Südafrikanische Kunst im Blickpunkt der SAP

Die 50. SAP-Kunstausstellung feiert die Werke südafrikanischer Künstler aus drei Generationen.

Diversität ist nicht nur ein Teil der Unternehmenskultur der SAP, sondern auch das Thema des fünfzigjährigen Jubiläums der Kunstausstellung in Walldorf. Die aktuelle Ausstellung mit dem Titel South African Identities soll die bunte Vielfalt und die lebendigen Emotionen auffangen, die südafrikanische Künstler aus drei Generationen in ihren Werken verarbeiteten.

Politische Repression, Apartheid, Bürgerkrieg – inmitten all dieser dunklen Momente: zwei lachende Mädchen. Eine Mutter, die ihr Kind umsorgt. Ein selbstbewusster heranwachsender Man, der auf seinem Traktor für das Foto posiert. Es sind diese festgehaltenen Augenblicke, die den Kunstwerken Leben verleihen. Fotografie hat in Südafrika lange Tradition, weshalb auch einschneidende historische Ereignisse wie eine Rede von Nelson Mandela von Cedric Nunn in schwarz-weiß dokumentiert sind.

Wie SAP-Mitarbeiter Nils Herzberg, der selbst aus Südafrika kommt, in seinem Grußwort anmerkt, läuft nicht alles nach dem Muster schwarz oder weiß. Südafrikaner bezeichnen ihre Heimat mit Stolz als Regenbogennation.

Kaum ein Kunstwerk gibt diesen Begriff treffender wieder als das fotografische Selbstportrait der Künstlerin Bernie Searle. Als schwarz-weiß-indisch-malaysische Frau thematisiert sie ethnische Zugehörigkeit und kulturelle Identität mithilfe von verschiedenen Gewürzen, die sie großflächig auf ihrem nackten Körper verteilt. Identität ist nicht nur schwarz oder weiß – sie kann auch bunt sein.

Mit Liebe zum Detail

Steigt man die Treppe ins obere Stockwerk des Internationalen Schulungszentrums der SAP hinauf, baut sich mit jeder Stufe ein imposantes, zwei Meter hohes Kunstwerk vor dem Betrachter auf. Majestätisch hängt das scheinbar in Ölfarben gemalte Bild einer Mutter mit ihrem Kind an der Wand. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man jedoch vereinzelt das Logo der Marke „Schweppes“ und stellt fest, dass das Werk aus geschmolzenem Plastikmüll gefertigt ist. Aus Alt mach Neu lautet hier die Devise. Upcycling sei ein wichtiges Thema, da Material für traditionelle Malerei, wie wir sie aus Europa kennen, schlichtweg zu teuer sei, erklärt die Kuratorin Alexandra Cozgarea.

Verarbeitet wird, was gerade zum Greifen nahe ist, da sind der Phantasie und Kreativität keine Grenzen gesetzt. Ob aus einem Holzstück ein Fantasiewesen geschnitzt wird oder Kabelreste und Papierschnipsel in das Kunstwerk mit einfließen, ist völlig egal. „Kunst ist kein Privileg, Kunst ist ein Menschenrecht“, erinnert Gastredner Dr. Ralf-P. Seippel an die Worte des Künstlers David Koloane.

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In Bewegung bleiben ist essentiell 

Kontinuierlich klickende Motorengeräusche ziehen die Aufmerksamkeit auf das kinetische Kunstwerk von Colleen Alborough auf der Empore.

Ein aus Metallteilen und Kabeln gebauter Vogel beobachtet eine Waage, die in zufälligen Bewegungen eine Feder balanciert, und etwas, das so aussieht wie ein Minenwagen auf dem Weg in die Unterwelt.

Die unvorhersehbaren Ausschläge des Motors spiegeln für Alborough die Atmosphäre in Johannesburg wider. „Die Stadt fühlt sich manchmal wackelig an durch die ganzen Minen, die im Untergrund der Stadt ein weites Netz aufspannen“, erklärt die Künstlerin.

Konstant in Bewegung zu sein und auf seinen sechsten Sinn zu hören, sind für Colleen Alborough wichtige Überlebensstrategien in dieser von Kriminalität geprägten Stadt. Sie berichtet, dass Erfahrungen wie ein Überfall, Kaperung und Gewalt deutliche Spuren in ihren Gedanken hinterlassen haben, die im Alltag viel zu schnell wieder verdrängt werden. Alborough nutzt die Kunst, um sich gezielt mit diesen Gedanken auseinanderzusetzen und zu heilen. Für sie ist der Vogel, ein heiliger Ibis, von besonderer Bedeutung. Nicht nur weil er schwarz-weiß ist, sondern auch, weil er in der ägyptischen Mythologie für einen Wächter der Unterwelt steht, der die guten und die schlechten Taten im Leben gegeneinander abwägt. „In Johannesburg darfst du nicht naiv sein“ („You can not be stupid in Johannesburg“), betont Alborough trotz ihrer ausgeglichenen und fröhlichen Art.

Obwohl nur ein Bruchteil der endlosen Facetten von Identität ausgestellt werden konnte, hinterlässt die Ausstellung nach dem Besuch Gefühle von Demut, Ehrfurcht und Kraft zugleich.

Kuratorin Alexandra Cozgarea hat mit großer Sorgfalt Werke der folgenden Künstler ausgewählt:

Sam Nhlegethwa, William Kentridge, Mbongeni Buthelezi, Cedric Nunn, Claudette Schreuders, Jürgen Schadeberg, Pat Mautloa, Bernie Searle, Andrew Tshabangu, Kay Hassan, Kevin Brand, Thomas Kubayi, David Koloane, Jane Alexander.

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September 2018 im SAP Gebäude 5 in Walldorf zu sehen.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.30 Uhr.