Tech Open Air 2018: Kooperation von Start-ups und Großunternehmen

Auf dem Tech Open Air in Berlin diskutierten Start-ups und etablierte Firmen über die richtigen Formen gemeinsamen Arbeitens. Auch die SAP war vor Ort und berichtete von den umfassenden Vorteilen von SAP.iO.

Aufgrund seiner stimmigen Infrastruktur gilt Berlin als Mekka für Start-ups und Technologieunternehmen – nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa. Bereits seit 2012 schafft das Tech Open Air (TOA) jährlich eine Plattform für firmenübergreifenden Dialog und Zusammenarbeit innerhalb dieses Ökosystems. Auch in diesem Jahr fanden sich Gründer der Tech-Branche und Vertreter von Firmen wie IBM, Accenture oder der SAP im ehemaligen DDR-Funkhaus der Berliner Oststadt zusammen, um Erfahrungen und Ratschläge auszutauschen.

Geduld für den „Final Countdown“

Tipps einer ganz besonderen Art erhielten Konferenzteilnehmer von Dr. Jeanette Epps. Die NASA-Astronautin und ehemalige CIA-Wissenschaftlerin beeindruckte mit ihrer professionellen Reaktion auf Rückschläge auch persönlicher Natur: Als designierte erste schwarze Frau auf der Internationalen Raumstation absolvierte sie strengste Tests in den USA, Russland und Europa mit Bravour. Doch im Januar wurde ihre Teilnahme an beiden ihr zugeteilten Sojus-Missionen unvermittelt gestrichen – die dafür bis jetzt offenstehende Begründung erhofft sich Dr. Epps erst für den August. Sie sieht darin dennoch keinen Grund zum Verzweifeln: Angehenden oder sich mühenden Unternehmern empfahl sie unbedingte Willenskraft und Durchhaltevermögen, die auch ihr in einer bisher von Männern dominierten Arbeitsumgebung zum Erfolg verholfen hätten.

Den Endbenutzer stets im Blick behalten

Dass Durchhaltevermögen eine Tugend darstellt, die auch für Großunternehmen zunehmend wichtiger wird, erläuterte Phil Gilbert, General Manager Design bei IBM in seinem Vortrag. Während das 20. Jahrhundert weitgehend von einer universellen Kommodifizierung gekennzeichnet gewesen sei, würden im 21. Jahrhundert Geschwindigkeit und Diversifizierung eine zentrale Rolle spielen. Sich dieser Veränderung anzupassen sei auch für etablierte Firmen eine Herausforderung. Wie unternehmensweit dennoch umgedacht werden könne, erläuterte Gilbert aus persönlicher Erfahrung.

Als Gründer mehrerer Start-ups kam er selbst zu IBM als eines von ihnen durch den Konzern aufgekauft wurde. Sein Wunsch als Designer sei dabei gewesen, die Endkundensicht der Start-up-Welt nicht zu verlieren. Dementsprechend habe er sich darangemacht, das ausufernde Produktportfolio seiner neuen Abteilung zu verschlanken – von mehreren Dutzend Einzelprodukten auf nunmehr vier. Innerhalb kürzester Zeit habe sich so der Umsatz seiner Sparte verdoppeln lassen, obwohl der entsprechende Markt selbst im gleichen Zeitraum nur um zehn Prozent gewachsen sei. Gilberts Vorgesetzter zog schnell Konsequenzen: Sein Ansatz müsse auf das ganze Unternehmen ausgedehnt werden.

Was früher noch aus Erfahrung oder Intuition erwuchs, gilt heute als fest etablierte, formalisierte Methode: Design Thinking. Konsequent aus der Anwenderperspektive zu denken, beinhaltet Entscheidungskompetenzen zu jenen Mitarbeitern zu verlagern, die besonders nahe am Endkunden operieren. Zusammen mit breitgefächerten Teams wird so sichergestellt, dass umfassendes Feedback so früh wie möglich in Arbeitsprozesse einfließen kann. Das Produkt wird dabei stets als Prototyp betrachtet, der kontinuierlich weiterentwickelt wird. Getreu der Devise „fail early and fail often“, setzt die SAP auf Design Thinking um unvorhergesehene Schwierigkeiten frühzeitig zu identifizieren und zu lösen.

Konferenzteilnehmer konnten sich umfassend über Design Thinking informieren.

Start-ups als Geschwindigkeitsgarant

Auch Benjamin Perlzweig, Digital Transformation Senior Manager bei Accenture, identifizierte Geschwindigkeit als entscheidendes Erfolgskriterium der Zukunft. Das vielzitierte Diktum, dass vierzig Prozent der derzeit erfolgreichen Unternehmen in wenigen Jahren verschwunden sein würden, sei eine sehr optimistische Schätzung. Um auch weiterhin Spitzenplätze im Wettbewerb einnehmen zu können, gelte es nicht nur Methodologien wie Design Thinking mit Leben zu füllen, sondern auch aktiv mit Start-ups zusammenzuarbeiten.

In vielen Fällen hätten Start-ups demnach bereits Lösungen für neu aufkommende Bedürfnisse von Konzernen entwickelt. Anstatt zu versuchen, die Arbeitsweise der Newcomer bis ins Detail zu emulieren, sei es stattdessen ratsam, ein gegenseitiges Verständnis zu fördern und Freiräume für Kreativität zu schaffen. Start-ups eigene Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen, in denen keine Kleiderordnung gelte und bei denen auch unübliche Arbeitszeiten und lose Fristen kein Problem darstellten, helfe dabei, Kulturunterschiede zu überbrücken.

Freiräume für Start-ups überbrücken Kulturunterschiede.

Innovationen schnell skalieren

Mit SAP.iO hat auch die SAP ein solches Projekt im Programm, welches interne und externe Start-ups fördert. San Francisco, Berlin, New York, Tel Aviv und Paris sind Standorte von SAP.iO Foundries mit jeweils unterschiedlichen Schwerpunkten. Alexandra Gorman, Global Vice President für SAP.iO Fund & Foundry, war auf dem TOA zugegen, und erklärte in ihrem Vortrag, wie eine dauerhafte Zusammenarbeit zwischen Start-ups und der SAP gelänge. „Mit SAP.iO unterstreicht die SAP ihr Engagement, offene Innovation zu fördern – Start-ups müssen keine Abstriche in Sachen Offenheit in Kauf nehmen wenn sie mit der SAP und SAP-Kunden zusammenarbeiten. Dieses Engagement zeigt sich im hohen Maß an Unterstützung, das wir von Führungskräften und Vorstandsmitgliedern in der Foundry erhalten haben“, so Gorman. Eine Kooperation auf Augenhöhe also: Start-ups profitierten vom SAP-Kundennetz, betriebsinternen Testbenutzern und umfassender Expertise, während die SAP ihren Kunden weitere Innovationen anbieten könne.

Florian Frey, Product Manager bei SAP.iO ist Mitgründer der Ruum-App, einer Software für vereinfachtes Projektmanagement. Er konnte aus erster Hand von seinen Erfahrungen mit SAP.iO als Unternehmer berichten, und Vorbehalte gegenüber firmeneigenen Acceleratoren entkräften: „Innerhalb von vier Wochen nach Produktrelease hatten sich Nutzer aus über 600 Firmen für unser Tool registriert“, so Frey. „Ohne die Möglichkeiten, die uns die SAP bietet, wäre das nicht möglich gewesen.“

SAP-Kunden können über die Initative schon in Anfangsphasen an der Entwicklung von innovativen Lösungen teilzuhaben. Dirk Ploss, Head Technology Scout bei Beiersdorf, war beim SAP-Vortrag im Publikum anwesend und bekräftigte den Nutzen des Programms für den Nivea-Hersteller: „Es war toll, mit dem SAP.iO-Team zu arbeiten und die Möglichkeit zu haben, sehr früh Zugang zu aufstrebenden Technologien und Start-ups zu erhalten. Wir fühlten uns zu keinem Zeitpunkt überrannt. Die Zusammenarbeit war immer auf Augenhöhe, und wir hatten durchgehend ein gutes Gefühl bei der Arbeit.“ Für ihn ist klar, dass bald kein Weg mehr an überbetrieblichen Kooperationen vorbeiführen wird. „Durch die Zusammenarbeit mit Bewgle haben wir beispielsweise einen neuen Weg gefunden, Kundenbewertungen online anzugehen. Wir konnten mehr Erkenntnisse darüber gewinnen, worüber unsere Kunden sprechen und wie sie über unsere Produkte sprechen“, erklärte Ploss.

Featurebild via Stefan Wieland/Tech Open Air.