UA Reloaded: Wie KI die technische Dokumentation revolutioniert

Bei der Tagung UA Reloaded 18 konnten Fachkräfte für technische Kommunikation mehr darüber erfahren, wie neue Technologien wie maschinelles Lernen den Bereich User Assistance in Bezug auf das Informationsprodukt, die Benutzergewohnheiten und die Kompetenzprofile der Autoren verändern.

Die Verarbeitung von natürlicher Sprache, Virtual und Augmented Reality (VR/AR), Videos für Social-Media-Plattformen und Echtzeit-Analysen zum Verfolgen des Benutzerverhaltens im Umgang mit technischen Dokumentationen – mit all diesen Themen setzten sich die Konferenzteilnehmer auseinander und bewiesen dabei die für technische Redakteure typische Mischung aus Technikbegeisterung und einer strukturierten Herangehensweise an die Organisation von Wissen.

Die UA Reloaded 18, die vom 13. bis 14. Juni auf dem SAP-Campus in St. Leon-Rot stattfand, besuchten etwa 150 Vertreter aus verschiedensten Branchen der europäischen Wirtschaft: von kleinen und mittleren bis hin zu großen Unternehmen sowie von Medizintechnikhersteller über Softwarefirmen bis hin zu in der Schwerindustrie tätigen Unternehmen. Zu der von der tekom (Gesellschaft für technische Kommunikation) mit Unterstützung von SAP organisierten Tagung kamen Experten aus der User Assistance Community und aus Reflexionsgruppen sowie Spezialisten für Interaktionsdesign und SAP. Am ersten Tag der Veranstaltung standen informative Vorträge mit anschließender Fragerunde sowie eine lebhafte Podiumsdiskussion auf dem Programm. Am zweiten Tag fanden Intensiv-Workshops zu neuen Technologien und Benutzerpsychologie statt. Die Event-App zur UA Reloaded 18 bot als Ergänzung zu den Aktivitäten vor Ort eine interaktive virtuelle Erfahrung. Auf dem Future Forum präsentierten Anbieter ihre Produkte und Services, die Autoren bei der Erstellung effektiver, zielgruppenorientierter Benutzerhilfen unterstützen sollen.

Technische Dokumentation: Automatisierung und Virtual Reality setzen andere Fähigkeiten voraus

„Der Bereich technische Dokumentation verändert sich gerade“, sagte Sven Leukert, Vice President für User Assistance bei SAP, in seiner Eröffnungsrede. „Wir werden mit immer kürzeren Entwicklungs- und Auslieferungszyklen konfrontiert, müssen in manchen Fällen sogar täglich Dokumentationen bereitstellen. Unsere Kunden erhalten Informationen auf anderen Wegen als noch vor 15 oder 20 Jahren. Deshalb müssen wir uns auch mit neuen Medien wie Virtual und Augmented Reality auseinandersetzen. Dazu kommen noch die aktuellen Fortschritte bei der Automatisierung, die Texterstellung und vollständig automatisierte Übersetzung ganz ohne menschliches Zutun umfassen.”

Der digitale Wandel im Bereich User Assistance ist bereits in vollem Gange und wird von neuen Technologien wie künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen und AR/VR unterstützt. Robert Weiβgräber, Chief Technology Officer bei AX Semantics, präsentierte mit dem Generieren natürlicher Sprache, automatischer Übersetzung und sogar „Roboter-Journalismus“ die jüngsten Innovationen, um im Handumdrehen umfangreiche technische Dokumentationen zu erstellen. Auch Chatbots stießen auf großes Interesse, da die Teilnehmer abzuschätzen versuchten, wie realistisch die Einführung der neuen Technologie in ihren eigenen Unternehmen wäre. Die Referenten gingen auf neue Benutzergewohnheiten ein und thematisierten dabei ebenfalls, dass Anwender mittlerweile Videos und soziale Netzwerke bevorzugen und der Trend von den traditionellen textbasierten Hilfen weggeht. Im Vortrag von Michael Gambök, Senior Manager für Strategic Relations Europe bei Adobe, stand die Digitalisierung von Inhalten durch den Einsatz von sozialen Medien in Verbindung mit mobilen Lösungen und Videos im Mittelpunkt. Er gab darüber hinaus zehn Tipps für die Erstellung eines erfolgreichen Videos – angefangen bei wirkungsvollen Erzähltechniken. Bei der Podiumsdiskussion am ersten Tag ging es in erster Linie um die Bestimmung neuer Anforderungen und Kompetenzprofile für technische Redakteure.

Werden Roboter bald die Benutzerhilfe schreiben?

Eine Frage drängte sich auf: Wie können wir sicherstellen, dass technische Redakteure nicht von Robotern ersetzt werden? Das Publikum brachte rege seine Ideen ein, welche Qualifikationen technische Redakteure nun mitbringen müssen. Gleichzeitig sprachen sich die Zuschauer dafür aus, die Automatisierung zu nutzen, um den Anforderungen bei der Erstellung und Bereitstellung von technischer Dokumentation gerecht zu werden. „Was bedeutet das für uns in der User Assistance Community?“ Diese rhetorische Frage stellte Leukert in Anbetracht der Flut neuer Technologien auf dem Markt. „Wir müssen bereit sein, uns neue Fertigkeiten anzueignen und unsere Jobprofile zu einem gewissen Grad anzupassen. Das bedeutet nicht, dass wir arbeitslos werden. Es heißt nur, dass wir mit Informationen anders umgehen müssen. Es wird eher darum gehen, Inhalte zu strukturieren und auf die richtige Art und Weise zur Verfügung zu stellen. Deshalb haben wir das Thema bei dieser Tagung in den Vordergrund gestellt.“

Inspiration für technische Redakteure und ihre Unternehmen

Wie Benutzerhilfen erstellt werden können, die wesentlich zu einem herausragenden Kundenerlebnis beitragen und die Wertschöpfung für das Unternehmen steigern, war eine zentrale Fragestellung der Veranstaltung. Trotz der Begeisterung für neue Technologien und Innovationen konzentrierte sich die Diskussion weitgehend auf die Grundlagen von Benutzerhilfen: effektive Erzähltechniken, ein optimales Kundenerlebnis und aufschlussreiche Kennzahlen. „Durch die erfolgreiche Bereitstellung von technischer Dokumentation wird in gewisser Weise eine direkte Verbindung zum Gehirn des Anwenders hergestellt“, erklärte der Gründer und CEO von Antidot, Fabrice Lacroix, in seiner Präsentation zum Nutzen von Echtzeitanalysen. „Viele technische Redakteure leisten in ihren Unternehmen tolle Arbeit, sind aber auch sehr gefragt und müssen tagtäglich viel erledigen. Sie kommen zu dieser Konferenz, um sich neue Erkenntnisse und Eindrücke zu holen und sich selbst zu motivieren“, erklärte Dr. Michael Fritz, Geschäftsführer der tekom. „Das ist das Ziel des Events: Menschen zu unterstützen, die oft Teil einer kleinen Gruppe oder sogar Einzelkämpfer in ihren Unternehmen sind, damit sie sich im Hinblick auf ihre Tätigkeit weiterentwickeln können. Es liegt weitgehend am jeweiligen technischen Redakteur selbst, ob neue Ideen eingebracht werden. Und das wird hoffentlich dank dieser Konferenz geschehen.“

Mehr zu den Highlights der UA Reloaded 18 erfahren Sie unter Twitter: #uareloaded.