Wilo: Vogelperspektive auf Produktion, Lager und Transport

Konzeptionell steht die Integration vom Transport- mit dem Lagermanagement beim Pumpenhersteller Wilo ganz oben auf der Agenda. Noch einen Schritt weiter gehen die Dortmunder in ihrer Smart Factory, in der sie die Produktion in die Gesamtversorgungskette mit einbeziehen.

Harmonisierte Prozesse unterstützen, in allen Gesellschaften ähnliche Prozesse leben, Template-Ansatz fahren: Das sind einige der wichtigen Eckpunkte in der IT-Strategie beim Pumpenhersteller Wilo. Und trotzdem fragen besonders die logistischen Bereiche des Dortmunder Mittelständlers mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz nach diversen Best-of-Breed-Ansätzen. Heute steht nicht nur schwarz auf weiß, sondern auch „deutlicher als je zuvor in der Strategie, dass nicht nur das SAP ERP weiter ausgebaut, sondern auch andere SAP-Standard-Produkte genutzt werden sollen“, erläutert Jutta Schreiner, die als Group Senior Director bei Wilo unter anderem die Entwicklungen im Lager- und Transportbereich verantwortet.

Wieso SAP EWM, SAP TM und die Smart Factory bei Wilo strategisch zusammengehören

„Vor drei, vier Jahren“, erinnert sich Jutta Schreiner, „haben wir erste Gehversuche mit dem Extended Warehouse-Management (SAP EWM) unternommen.“ Der Einsatz des Standard-Tools deckt „alle modernen Funktionalitäten ab, die man braucht“, befindet Schreiner – darunter etwa auch das Wellenmanagement, mit dessen Hilfe im ersten Schritt automatisch Auslieferungen bzw. Positionen in Wellen gebündelt werden und dann im zweiten Schritt in Lageraufträge umgesetzt werden, oder die Möglichkeit, lange Prozessketten abbilden zu können. SAP EWM wurde zunächst im größten Wilo-Werk außerhalb Deutschlands in Laval nahe Le Mans in Frankreich in größerem Umfang getestet und später eingeführt. Inzwischen ist die Lösung in Russland, zwei Standorten in China und bald auch in Deutschland im Einsatz.

Für eine „deutlich bessere Anbindung von Lieferanten, Kunden und Intercompany-Prozesse“ (Schreiner) spielt inzwischen auch das Transportmanagement eine wichtige Rolle. Die entsprechende Lösung (SAP TM) wird derzeit in Nordeuropa und in Italien implementiert. In dem Pilotprojekt in Nordeuropa geht es darum, das skandinavische Hub sowie Endkunden direkt aus dem Zentrallager im nordrhein-westfälischen Unna zu beliefern. In Italien stehen nicht diese so genannten Outbound-Prozesse im Mittelpunkt, bei denen es um die Versendung von bereits gefertigten Pumpen geht, sondern darum, den Transport von Komponenten und Ersatzteilen der Zulieferer zu verbessern (Inbound-Prozesse). Wilo hatte zuvor keinerlei Transportmanagement-System im Einsatz. In Schweden wird zudem in Kürze das Transportmanagement und dann das Extended Warehouse Management integriert an den Start gehen. Die Zukunftsvision geht sogar noch über die Grenzen von Lager und Transport hinaus. In der Smart Factory von Wilo soll auch die Produktion in die Gesamtbetrachtung der logistischen Prozesse mit einbezogen werden – „ein Philosophiewechsel im Denken von Produktion und Logistik“ (Schreiner).

SAP EWM: In sechs Lägern im Einsatz

Das Extended Warehouse Management (SAP EWM) hat Wilo derzeit in sechs Lägern im Einsatz. Einen Vorteil sieht Moritz Engelmann vom IT-Dienstleister prismat unter anderem in der „Prozess- und Layout-orientierten Lagerungssteuerung“. Lange Prozessketten sind über das SAP EWM nun im System abbildbar. Waren werden aus dem Lager entnommen, auf Paletten platziert, die Palette abgestellt, zu einem zweiten Standort gebracht, mit anderen Paletten von anderen Lagern konsolidiert zu einem zweiten Standort gebracht. Was sich kompliziert anhört, ist bei Wilo an der Tagesordnung. „Diese Prozesse werden nun erstmals (vom System) unterstützt“, so Engelmann. Hinzu kommt – neben der Wellenkommissionierung –, dass mobile Geräte wie etwa Scanner und RFID-Chips angebunden werden können. Perspektivisch hat das SAP EWM allerdings noch mehr zu bieten: Das Materialflusssystem (SAP MFS) dient als Schnittstelle zu den Maschinen und der Fördertechnik, spricht etwa Transportbänder und Scanner an. „SAP EWM kann direkt mit der SPS (*speicherprogrammierbaren Steuerung) der Maschinen kommunizieren“, erläutert Engelmann, „ein Killer-Feature.“

SAP TM: Erst kurz im Einsatz – und schon mit sichtbaren Effekten

Zweistellige Millionenbeträge fallen bei Wilo Jahr für Jahr allein für die Versendung ihrer Waren oder auch für die Versorgung eigener Standorte mit den nötigen Materialien an. Trotzdem beschränkten sich die Dortmunder bis vor kurzem darauf, die Lieferungen als einzelne Aufträge einzugeben und an das Lager zu übergeben. Nachteil: Das System erkannte nicht, ob verschiedene Aufträge zusammengehörten oder gar gebündelt an die gleiche Adresse verschickt werden könnten. „Das neue Transportmanagement-System (SAP TM) plant anstehende Lieferungen schon, bevor im Lager etwas passiert“, erläutert Berater Olaf Bacher von prismat. Während in der Vergangenheit etwa drei Paletten als Teilladung an einen ersten Dienstleister gingen, eine halbe Palette an einen zweiten und fünf Kartons über einen dritten Dienstleister jeweils unabhängig voneinander zum gleichen Kunden auf die Reise gingen, konsolidiert SAP TM künftig Lieferungen, die zusammengehören.

In der realen Transportwelt kommen jedoch noch weitere Anforderungen hinzu, die eine Versendung verkomplizieren: Manchmal darf die Kommissionier-Palette nicht höher als 1,40 Meter bepackt sein und schwere Pumpen dürfen nicht gestapelt werden. Solche Randbedingungen nimmt SAP TM auf. Wie kommissioniert werden soll, wie viele Paletten nötig sind, welche Materialien in welcher Menge auf die Paletten passen, in welcher Reihenfolge gepackt wird: Das berechnet ein Algorithmus in der Anwendung. Und auch die Entscheidung, welcher Spediteur die Lieferung übernimmt, bleibt dem modernen Rechenschieber z.B. aufgrund des Liefervolumens überlassen. Natürlich hat aber auch hier der Disponent die letzte Entscheidung, das System hilft Regeln anzuwenden und entlastet somit das Wilo-Personal. Klar ist: „Kundentermine werden sich besser halten lassen als bisher und die Kosten werden sinken“, ist sich Bacher sicher.

Smart Factory: Ende der Inselfertigung

Noch ein Stück Vision ist derzeit die Smart Factory. Das Besondere liegt darin, dass neben dem Transport und dem Lager nun auch die Produktion in eine ganzheitliche Betrachtung eingebunden wird. „Keine Inselfertigung mehr, sondern durchgängige Prozesse, die eine permanente Materialverfügbarkeit garantieren“, benennt Schreiner als Ziele des Vorhabens, das im Frühjahr des vergangenen Jahres startete und im kommenden Jahr vollendet werden soll.

Nach und nach will Wilo die SAP-Anwendungen für Transport und Lager im Unternehmen durchgängig etablieren und integrieren: konkrete Schritte auf dem Weg zur Smart Factory bei Wilo – ein Weg mit Potenzial.

Weitere Informationen:

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