Open Innovation mit der SAP: Fünf Start-ups im Fokus

Die SAP fördert Gründer in der Technologiebranche. Jetzt stellten einige von ihnen ihre Ergebnisse im Rahmen der firmenübergreifenden Zusammenarbeit vor.

Zum 28. Mai erhielten fünf Start-ups im Rahmen einer gemeinsamen Initiative der SAP-Start-up-Angebote SAP Startup Accelerator und SAP.iO Zugang zu SAP-Technologien sowie die Möglichkeit Kontakte zu SAP-Kunden im Bereich Manufacturing und Supply Chain zu knüpfen. Über eine Dauer von sechs Wochen arbeiteten die ausgewählten Gründer im Data Space by SAP in Berlin Mitte an der Integration von Anwendungsfällen in SAP-Lösungen und wurden dabei individuell durch die Expertise von Mentoren der SAP unterstützt. Zum Ende ihrer Zeit im SAP Industry 4.0 Startup Program präsentierten die Unternehmer ihre Erfahrungen und die Ergebnisse der Zusammenarbeit mit der SAP in Walldorf im Rahmen eines Demo Days.

Bernd Leukert, Mitglied des Vorstands der SAP SE für Produkte & Innovation, begrüßte dort die jungen Unternehmen und betonte die umfassende Wichtigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Start-ups und Konzernen: „Durch die immer schneller werdenden Innovationszyklen müssen Unternehmen, unabhängig von ihrer Branche, Größe oder Unternehmensgeschichte, Partnerschaften eingehen, um langfristig innovativ und erfolgreich zu sein.“ Ein offenes Netzwerk, das über Firmengrenzen hinausgeht, sei ein idealer Nährboden für Innovationen, so Leukert: „Die SAP sieht großen Mehrwert darin, in Start-up-Initiativen zu investieren. So können wir unser Produktportfolio erweitern und neue Marktsegmente erschließen. Im Gegenzug bekommen die Start-ups Zugang zu unserem globalen Kunden- und Partnerökosystem und profitieren darüber hinaus von unserer Branchen- und Prozesserfahrung. Somit profitieren beide Seiten, um Innovationen voran zu bringen.“

Qualitätskontrolle durch maschinelles Lernen

Für Acerta ist Prozesserfahrung geschäftsentscheidend: die Kanadier möchten die Qualitätskontrolle in der Fertigung der Automobilindustrie von Grund auf verändern. Anstatt simple Toleranzgrenzen festzulegen, nutzt das Start-up Algorithmen aus dem Bereich des maschinellen Lernens, um Korrelationen aufzuspüren, welche fehlerhafte Produkte deutlich genauer identifizieren. „Wie sich herausstellt, existieren die Informationen über die Probleme – und die Lösungen – tief in den Daten“, erklärte Greta Cutulenco, Gründerin und CEO von Acerta. Die Acerta Software-as-a-Service Plattform helfe Ingenieuren, versteckte Fehler zu erkennen und eine schnelle und effiziente Ursachenanalyse durchzuführen. „Dies führt letztendlich zu einer Reduzierung von Garantievorfällen um bis zu 30 Prozent.“ Die Integration in die SAP Digital Manufacturing Cloud soll die Lösung nahtlos an das SAP-Produktportfolio anschließen.

Den Fehler hören

Neuron Soundware aus Prag setzt beim Geschäftsmodell auf Daten, welche bisher meist überhaupt nicht als solche erkannt werden: Töne. Wer täglich mit dem Auto fährt, stellt eine Veränderung des Motorgeräuschs umgehend fest. Ein Mechaniker kann oft bereits durch Hören erkennen, wo ein Fehler wahrscheinlich zu finden sein wird. Das Ziel des Start-ups ist es, diese Fähigkeit mit Hilfe künstlicher Intelligenz digital nachzubilden. „Das Warten auf einen Ausfall kann teuer sein – sogar gefährlich“, so Neuron Soundware CEO und Co-Gründer Pavel Konecny. „Wir können nicht abwarten, bis ein Flugzeugmotor nicht mehr funktioniert. Die Fähigkeit, Probleme zu beheben, bevor sie auftreten, bietet einen enormen Wert für jede Branche.“ Ziel der Zusammenarbeit mit der SAP ist es, über Microservices auf der SAP Cloud Platform der Software von Neuron Soundware zur Eingliederung in SAP Predictive Maintenance and Service zu verhelfen.

Autonomisierung statt Automatisierung

In einigen Aufgaben können Roboter menschlichem Urteilsvermögen noch lange nicht das Wasser reichen. Menschliche Geschicklichkeit, Trainierbarkeit und Objekterkennung sind nach wie vor unverzichtbar. Doch trotz dieser Stärken sind Menschen anfällig für Fehler, und in einer Produktionsumgebung können diese zu unnötigem Abfall und schlechter Qualität führen.

Mit Hilfe von Sensoren und Projektionen unterstützt Human Interface Mate (HIM) von Arkite aus Belgien den Arbeiter bei seinen Aufgaben. HIM verwendet rote, gelbe und blaue Lichtsignale, um auf die nächsten Arbeitsschritte und potenzielle Fehler hinzuweisen. Das Ergebnis sind digitalisierte Arbeitsanweisungen für die Mitarbeiter und Branchendaten für das Unternehmen, mit allen damit verbundenen Vorteilen. „Der Human Interface Mate autonomisiert die Arbeit und ersetzt nicht den Arbeiter“, betont Gründer und CEO Johan Smeyers. „Indem wir die Menschen bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen, stellen wir sicher, dass während des Herstellungsprozesses nichts vergessen wird – auch nicht die Arbeiter selbst.“ Die Software wurde bereits erfolgreich mit SAP Manufacturing Execution getestet. Darüber hinaus läuft die Technologie schon jetzt in bis zu 100 Projekten.

Das Ende der traditionellen Produktionsstraße

Henry Ford, Pionier der Fließbandförderung, prägte den Satz: „Jeder Kunde kann ein Auto in jeder beliebigen Farbe lackieren lassen, solange sie schwarz ist“.  Die Verwendung einer anderen Farbe hätte eine Unterbrechung der Fertigungsstraße, steigende Mitarbeiterzahlen und damit steigende Kosten bedeutet. Im heutigen Zeitalter der individualisierten Massenfertigung gibt es allein für ein einziges Fahrzeug viele Milliarden verschiedene Kombinationen von Anpassungen.

arculus aus Ingolstadt hat es sich zum Ziel gemacht, die klassische Montagelinie abzuschaffen, um sie den neuen Anforderungen anzupassen. Das modulare Konzept sieht vor, dass Karosserien durch unabhängige Fertigungsstationen mit autonomen geführten Fahrzeugen (AGVs) gelenkt werden. „Eine durch arculus unterstützte Fabrik ist eine lebendige, atmende, denkende Produktionsumgebung“, meint Mitgründer und COO Witold Kopytynski. „Wie eine Lunge kann sich das gesamte System dynamisch vergrößern oder verkleinern, um sich ändernden Produktionsmengen anzupassen.“ Die Einbindung in SAP Extended Warehouse Management, an der das Start-up derzeit arbeitet, soll eine nahtlose Materialversorgung ermöglichen. Der logisch nächste Schritt ist jedoch die Integration in SAP Manufacturing Execution im Sinne einer modularen Produktionsplanung und -realisierung.

Das Auge als Eingabegerät

Angestellte die an Computern arbeiten, verwenden mit der Maus ein Eingabegerät, welches sich über Jahrzehnte trotz ergonomischer Defizite kaum verändert hat. Das Münchner Start-up 4tiitoo möchte das ändern. Das Unternehmen nutzt eine Kombination aus Eyetracking und künstlicher Intelligenz, um die tägliche Arbeit effizienter, intuitiver und müheloser zu gestalten.

NUIA (Natural User Interaction to all Applications), die Technologieplattform von 4tiitoo, ersetzt Maus und Tastatur weitgehend durch eine visuelle Oberfläche, die natürlich und einfach allein durch Augenbewegungen zu bedienen ist – genau wie Sprache und Gestik. „Wir geben den Menschen die Freiheit, bequemer mit ihren Computern zu interagieren, was wiederum zu einer höheren Produktivität führt – vom Büroarbeitsplatz über die Fabrikhalle bis hin zu ERP-Systemen“, berichtet Stephan Odörfer, Mitgründer und Geschäftsführer von 4tiitoo. Die neue Art der Computerbedienung konnte im Rahmen des Start-up-Programms bereits vorläufig für SAP S/4HANA, SAP Manufacturing Execution und SAP Digital Manufacturing Cloud angepasst werden.

Weitere Informationen über die Arbeit mit Startups bei SAP.iO und SAP IoT Startup Accelerator.

SAP Industry 4.0 Startup Program Demo Day