SAP-Alumni-Netzwerk: Digital denken, verantwortlich handeln

Beim diesjährigen Alumni-Treffen in Sinsheim sprachen Jim Hagemann Snabe und Björn Goerke über ethische Fragen rund um Automatisierung und künstliche Intelligenz.

Es gehe nicht darum, Menschen durch Maschinen zu ersetzen, sondern die Fähigkeiten des Menschen mittels Technologien wie künstlicher Intelligenz zu erweitern, erklärte Jim Hagemann Snabe, ehemaliger SAP-Vorstandssprecher.

Um dies zu erreichen, forderte Snabe in seiner Keynote einen neuen Führungsstil. Führung, die auf einem detaillierten Plan, Kennzahlen und Berichten basiere, sei keine Lösung in einem Umfeld, das sich rasant verändert. „Wenn der ursprüngliche Plan nicht funktioniert, weil sich die Voraussetzungen geändert haben, dann helfen noch detailliertere Vorgaben oder noch häufigere Statusabfragen auch nicht weiter“, so der ehemalige SAP-Vorstandssprecher.

Gefragt seien Visionen, für die es sich lohnt sich einzusetzen, sowie die Kenntnisse und Fähigkeiten, um die Vision Wirklichkeit werden zu lassen.

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Neue Lernformen auf dem Weg zur digitalen Transformation

Am Beispiel von e-Mobility erläuterte Snabe, aktuell Aufsichtsratsvorsitzender der Siemens AG und von A.P. Møller-Mærsk A/S, die umfangreichen und tiefgreifenden Änderungen, die die Digitalisierung in den unterschiedlichsten Branchen hervorbringen kann. „Wenn wir es richtig anstellen, sind die Verbesserungen, die wir erzielen können, nur durch unsere Vorstellungskraft begrenzt“, so Snabe. Doch der Weg dahin sei nicht einfach, räumte er ein. Als einen Schlüsselfaktor sehe er neue und kostengünstige Lern- und Unterrichtsformen, wie zum Beispiel die Khan Academy, bei der Lernende abhängig von ihren jeweiligen Voraussetzungen im eigenen Tempo Inhalte erarbeiten können. „Wir können alte Jobs nicht schützen, aber wir können die Menschen schützen“, erklärte er den 320 Anwesenden. Träumen sei erwünscht, lautete Snabes Botschaft, der am Ende seines Vortrags aufforderte: „Let people live their dream.“

Motto des Alumni-Treffens: Digitalisierung und Verantwortung

Margret Klein-Magar, Head of SAP Alumni Relations und stellvertretende Vorsitzende des SAP-Aufsichtsrats, hatte ehemalige und aktive SAP-Mitarbeiter zu einem Treffen am 15. Juni in der Wirsol-Arena in Sinsheim geladen.

Das Motto der Veranstaltung, Digitalisierung und Verantwortung, hätten ihr die Alumni „ins Buch geschrieben“, so Klein-Magar. „Es ist faszinierend zu sehen, wie das Vertrauen innerhalb der Familie von SAP-Alumni und SAP-Mitarbeitern Ideen und Zusammenarbeit beflügelt.“

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Im Einzelgespräch mit Moderator und SAP-Alumnus Torsten Busse skizzierte SAP-Vorstandsmitglied Adaire Fox-Martin die aktuelle Intelligent-Enterprise-Strategie der SAP unter dem Blickwinkel „Digitalisierung und Verantwortung“. Ob Verantwortung ernst genommen würde, erkenne man daran, wie sie in die Tat umgesetzt werde.

Wenn ein Unternehmen eine tragfähige Vision habe, die Basis allen Handelns sei, dann sei man auch erfolgreich, ziehe junge Talente an und könne eine positive Zukunft gestalten, sagte Fox-Martin.

Künstliche Intelligenz: „Es liegt jetzt an uns“

Björn Goerke, Chief Technology Officer der SAP, beleuchtete in seiner Keynote die Frage des Zusammenspiels von Mensch und künstlicher Intelligenz. Er schlug den Bogen vom Urknall über die Entwicklung des Homo Sapiens bis zu unserer Zeit.

Außerdem widmete er sich aktuellen Fragen zu Chancen und Risiken künstlicher Intelligenz, wie der Frage der Autoritätsgläubigkeit: Wie bereits das berühmte Milgram-Experiment in den sechziger Jahren gezeigt habe, tendierten Menschen dazu, Autoritäten zu folgen und sogar anderen Menschen Schaden zufügen, solange sie glaubten, etwas Gutes zu tun. Was passiere nun, wenn wir Maschinen Autorität zugestehen? Welche Entscheidungen würden wir einer künstlichen Intelligenz überlassen? Wie könne verhindert werden, dass wir unsere eigenen Vorurteile zur Basis von maschinellem Lernen machen? Wer solle über die Datenbasis entscheiden, aus der die Maschine lernt?

Während heutige Systeme typischerweise nur eine bestimmte Aufgabe beherrschten, zum Beispiel Spracherkennung oder Schachspiele, würden zukünftige Systeme vielleicht sogar über soziale Fähigkeiten verfügen, führte Goerke aus. Das werfe auch die Frage auf, ob eine künstliche Intelligenz dann sogar eigene Ziele verfolgen könne oder gar lügen würde, um diese zu erreichen. Welche Entscheidungen, welchen Einfluss würden wir solchen Systemen anvertrauen?

Auch wenn es auf diese Fragen noch keine abschließenden Antworten gebe, sollten wir uns heute schon damit beschäftigen: „Wir als Individuen, Gruppen und Unternehmen müssen zusammenarbeiten, um die Risiken zu minimieren. Es liegt jetzt an uns“, so Goerke.

Jungen Menschen eine Chance geben

Auch in diesem Jahr punkteten die Veranstalter mit einem Überraschungsgast: der erst 20-jährigen Ciara Judge, Preisträgerin des Google Science Fair 2014. In einem Forschungsprojekt hatte sie ein Bakterium untersucht, das Erbsen und anderen Leguminosen ermöglicht, den in der Luft vorhandenen Stickstoff als Nährstoff für die Pflanze verfügbar zu machen. Ciara Judge konnte zeigen, dass das Bakterium auch für die Erhöhung von Ernteerträgen bei Getreide eingesetzt werden kann.

Was Experten für unmöglich hielten, gelang Ciara Judge – ohne Forschungsgelder, ohne aufwändige Laborausrüstung, lediglich ausgestattet mit Neugier, dem Willen zur Lösung der großen Probleme der Welt, und dem festen Glauben, dass es möglich ist. Ihr leidenschaftlicher Appell an die Anwesenden war daher, jungen Menschen eine Chance zu geben.

Der letztjährige Überraschungsgast Felix Finkbeiner, der mit seiner Organisation Plant-for-the-Planet eine Billion Bäume pflanzen will, erhielt mittlerweile das Bundesverdienstkreuz. Wir dürfen gespannt sein, was wir von Ciara Judge in Zukunft noch hören werden.

Video-Interviews: Andrea Diederichs, Rana Hamzakadi