Hightech auf hoher See: Sensordaten machen Segler besser

Beim Volvo Ocean Race setzt AkzoNobel auf SAP-Leonardo-Lösungen, um die Leistung der Sportler zu optimieren.

Das Volvo Ocean Race ist als der „Everest des Segelns“ bekannt. Bei dieser Hochseeregatta, die alle drei Jahre stattfindet, segeln sieben Teams acht Monate lang um die Welt. Das Rennen 2017/2018 ging gerade zu Ende: Bis zum Überqueren der Ziellinie in Den Haag legten die Teilnehmer 45.000 Seemeilen zurück, durchquerten vier Ozeane und besuchten zwölf Städte.

Bei identischen Booten unterscheiden sich die Teams nur durch ihre Performance. Mithilfe von SAP wollte das Team AkzoNobel seine Chancen auf den Sieg verbessern und bat den Anbieter von Unternehmenssoftware, eine Lösung zu entwickeln, mit der von so genannten Wearables gemessene biometrische Daten genutzt und die jeweilige Leistung der Segler verfolgt werden können.

Design Thinking für Wearables-Lösung

Ryan West, Performance Manager des Teams AkzoNobel, stellte sich ein System vor, mit dem die Vitalwerte der Sportler – zum Beispiel die Herzfrequenz – rund um die Uhr überwacht, deren Gesundheitszustand analysiert und diese Daten in Kontext zur Segelleistung gesetzt werden können. „Der Mannschaft macht nicht nur die mentale, sondern auch die körperliche Erschöpfung zu schaffen“, sagte er. Seekrankheit, Hautinfektionen, wenig Schlaf, hohe Muskelbelastung und kein richtiges Essen – die Regatta auf hoher See geht nicht spurlos am Körper vorüber.

Im Herbst 2017 führte SAP zusammen mit West und Skipper Simeon Tienpont, einen Design-Thinking-Workshop durch. Sie wollten herausfinden, was die Crewmitglieder für das Segeln bei sämtlichen Wetter- und Meeresbedingungen benötigen. Sie mussten dabei extreme Herausforderungen berücksichtigen. Die Teams sind beispielsweise bis zu 21 Tage auf dem Wasser und segeln durch die entlegensten Gegenden der Welt. Deshalb mussten sie einen Weg finden, Daten offline zu sammeln sowie diese Informationen zu synchronisieren und auszuwerten, sobald die Segler wieder an Land waren.

Daten verknüpfen, Zusammenhänge erkennen

Nach dem ersten Workshop erarbeiteten SAP und das Team AkzoNobel einen Projektplan mit zugehöriger technischer Architektur. Außerdem validierten sie dieses Konzept mit den Seglern, überarbeiteten es und sicherten sich die Zustimmung der Crewmitglieder.

Das Team testete verschiedene Wearables und entschied sich anschließend dazu, die Herzfrequenz rund um die Uhr mit Garmin-Smartwatches zu messen. Diese Daten wurden von SAP Leonardo IoT Edge erfasst. Dank IoT Edge Computing ist es möglich, Sensordaten auch in entlegenen Gebieten ohne eine Internet- oder sonstige Datenverbindung zu speichern und zu analysieren. Sobald die Boote in einem der zwölf Häfen einliefen, wertete das Performance-Team von AkzoNobel die biometrischen Informationen auf der SAP Cloud Platform sowie die von den Sensoren der Boote erfassten Daten aus.

„Wir waren in der Lage, die biometrischen und die Jacht-Daten eng zu verknüpfen, zu analysieren und wieder in das System zurückzuführen. Auf diese Weise konnten wir sehen, wie diese zusammenhängen“, erklärte West. „Im nächsten Schritt wollen wir Wetterdaten einbinden und dadurch herausfinden, wie das Wetter die Crew beeinflusst und ob wir das Boot zur Optimierung der Leistung umleiten sollten.“

Bisher hat West mithilfe der Lösung bereits erschlossen, wie sich das Schlafverhalten auf die Performance auswirkt. „Wir wollten Daten zu den Schlafgewohnheiten sammeln“, so West. „Die Crewmitglieder schlafen maximal zwischen vier und sechs Stunden pro Nacht. Nun können wir verfolgen, wie viel und wann sie schlafen, ob am Stück oder mit kleinen Unterbrechungen und ob das insgesamt ausreicht.“

West zufolge zeichnen sich durch das Erfassen und Auswerten der Daten bereits Tendenzen ab. Für einige Segler sind beispielsweise die Zeitzonenwechsel oder das Schlafen am Tag problematisch. Deshalb hat das Team seinen Ablaufplan entsprechend angepasst.

Predictive Analytics für eine bessere Performance

Die Regatta ist inzwischen vorbei. AkzoNobel belegte unter sieben Booten den vierten Platz. West ist optimistisch, was die Weiterentwicklung der Technologie anbelangt. Er ist davon überzeugt, dass sich die nahezu in Echtzeit gesammelten Herzfrequenz- und Jachtdaten für vorausschauende Analysen nutzen lassen.

West: „Weil wir mit der Zeit mehr Daten hinzufügen, können wir die Zusammenhänge immer besser verstehen und so unsere Leistung steigern.“

Video: Michael Nüsslein / AkzoNobel