Bruce Dickinson verrät Personalern auf der SuccessConnect Berlin, wie Kunden zu Fans werden

Eingefleischte Iron-Maiden-Fans mag es vielleicht überrascht haben, dass Leadsänger Bruce Dickinson bei der SuccessConnect Berlin 2018 als Redner auf der Bühne stand und dabei die anwesenden HR-Experten in jeder Sekunde in seinen Bann zog.

„Ich weiß, dass Sie alle im Personalwesen tätig sind. Ich bin Ihr schlimmster Albtraum und werde nicht aufgeben“, prophezeite Bruce Dickinson dem Publikum.

Vor zahlreichen Zuschauern erzählte er seine ausgefallene und faszinierende Lebensgeschichte. Neben unvergesslichen Gitarrenklängen und seiner begnadeten Stimme, mit denen er die Fans begeisterte, waren zwischenmenschliche Beziehungen während seiner ganzen Karriere der Grundstein für seinen Erfolg. Dickinson fühlt sich als Frontmann einer der weltgrößten Rockbands ebenso wohl wie als Berufspilot, Fechtchampion, Bierbrauer, Bestseller-Autor und jüngst als sozial engagierter Unternehmer, der essbare Drohnen in Krisengebiete schickt. Die wesentlichen Lebensregeln von Dickinson sind im Folgenden zusammengefasst.

Kunden hassen, Fans lieben

Bruce Dickinson spricht bei der HR-Veranstaltung SuccessConnect in Berlin.
Bruce Dickinson von Iron Maiden berichtete bei der SuccessConnect Berlin von seiner unglaublich vielseitigen Karriere.

Weil sie eben Fans und keine Kunden sind, stehen Dickinson zufolge Millionen von Menschen auf einem kalten, nassen, matschigen Feld und sehen sich Iron Maiden lieber live an als im Internet.

„Wir vergessen häufig, dass es in einer Software- und Social-Media-Welt immer um Menschen geht“, so Dickinson. „Ich hasse Kunden. Man muss Kunden quasi hassen, weil sie sich per Definition für Produkte oder Dienstleistung eines anderen Unternehmens entscheiden können und dann nicht mehr wiederkommen. Man verkauft eigentlich Beziehungen – und Emotionen. Es gibt zwar keine Software für Gefühle, aber die Software wird bei den Nutzern Emotionen hervorrufen. Sie möchten sicherlich, dass diese positiv sind. Denn dann werden aus Kunden, die auch zu einem anderen Unternehmen wechseln könnten, Fans.“

Reden und zuhören

Dickinson kam aus der Arbeiterschicht und wurde nach einem gravierenden Fehlverhalten (es hatte etwas mit dem Abendessen des Direktors zu tun) von einer renommierten staatlichen Schule in Großbritannien verwiesen. Ihm zufolge zeigte der Vorfall genau, wo seine Stärken liegen.

„Der Direktor erwähnte in einem Brief, dass mein Mundwerk immer meine Schwachstelle gewesen sei. Allerdings habe ich damit ein Vermögen verdient“, erzählte Dickinson. „Man sollte niemanden abschreiben. Mir hat es immer geholfen, mit Menschen zu sprechen. Und das habe ich auch stets getan.“

Vor allem elektronische Medien halten laut Dickinson Unternehmen davon ab, effizient zu sein. „E-Mails eignen sich wunderbar, um Verantwortung abzuschieben, Entscheidungen nicht treffen und sich mit seinen Mitmenschen nicht auseinandersetzen zu müssen. Im Geschäftsleben sind Kommunikation und produktives Arbeiten das A und O.“

Träume können wahr werden

Nachdem er mit 21 Jahren der Leadsänger einer der angesehensten Heavy-Metal-Bands der Welt geworden war, realisierte Dickinson, wie wichtig Träume sind.

„Mit 16 nahm ich einen Kuli und Papier und zeichnete auf, wie mein Leben einmal aussehen sollte. Ich dachte mir, wenn ich nur genügend Skizzen anfertige und mir alles genau vorstelle, wird es auch so kommen“, sagte er. „Wer nicht träumt, dessen Träume werden sich auch nicht erfüllen. Man sollte seiner Fantasie freien Lauf lassen und alle Ideen sammeln, die einem in den Kopf kommen. Immerhin könnten sie Wirklichkeit werden.“

Dickinson war in der beneidenswerten, aber auch irgendwie beängstigenden Lage, dass er im Alter von 22 Jahren bereits alle seine Ziele erreicht hatte. Als er auf dem Gang eines Hotels in Tokio herumkroch und auf Tabletts des Zimmerservices nach Brötchen suchte (die Küche hatte schon geschlossen und er war hungrig), wurde ihm klar, dass er etwas ändern musste. „Ich habe mich im Spiegel im Hotelflur gesehen und erkannt, dass es nicht gut für mich ist, wenn der Rock and Roll mein Leben bestimmt. Deshalb habe ich mich entschlossen, auch andere Hobbys zu verfolgen.“

Eine Fluggesellschaft gründen

Dickinson folgte wieder seiner Intuition und steckte seine unersättliche Neugierde und sein Herzblut in zahlreiche neue Projekte. Er wurde Vollzeit-Pilot und verband seine Liebe zum Fliegen mit dem Wunsch seiner Band, vor Fans auf der ganzen Welt aufzutreten. Nach dem Bankrott dieser Firma eröffnete er eine weitere Fluggesellschaft mit einem völlig neuen Geschäftsmodell und half so der Republik Dschibuti beim Wiederaufbau der staatlichen Airline.

„Fluggesellschaften müssen Konkurs anmelden, weil ihnen die Flugzeuge selbst gehören. Deshalb wollte ich eine Airline gründen, die keine eigenen Flieger besitzt oder diese kostenfrei zur Verfügung gestellt bekommt“, sagte er. „Also richteten wir eine Reparaturwerkstatt für alte, wartungsintensivere Flugzeuge ein. Wir können mit diesen Flugzeugen fliegen und verrechnen Nutzung und Instandhaltung.“

Zudem beteiligt sich Dickinson an einem Vorhaben, das seiner „Steampunk-Mentalität“ entgegenkommt: am Bau des weltgrößten Flugzeugs, das durch CO2-neutrales Fliegen eine Frachtgutkapazität von 50 Tonnen bieten soll. Darüber hinaus unterstützt er die Entwicklung der weltweit ersten essbaren Drohnen, die vollständig biologisch abbaubar sind und aus einem Flugzeug abgeworfen werden können. Sie versorgen Menschen mit Nahrungsmitteln und Medikamenten, die in den ersten Wochen nach einer Naturkatastrophe vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Integrität bei Herausforderungen

Dickinson sprach ganz offen darüber, was ihn seine Krebserkrankung gelehrt hat. „Wir können unsere Zeit nicht vergeuden, wenn wir uns bewusst für eine Sache entscheiden. Wenn allerdings andere Menschen unsere Zeit verschwenden, sollten wir das auf keinen Fall hinnehmen. Denn diese Stunden bekommen wir nicht zurück.“

Und zum Thema Bierbrauen: Zunächst hatte Dickinson vor, Iron-Maiden-Rotwein zu produzieren. Diese Idee verwarf er jedoch, weil ihm abgesehen vom Geldverdienen die Motivation dazu fehlte. Stattdessen entschied er sich dann für die Herstellung eines traditionellen englischen Ales. „Ich trinke gerne Bier und mag Bier mit Integrität. Nun ist Iron Maiden selbst unter die Bierbrauer gegangen. Wir haben unsere eigenen Biersorten auf den Markt gebracht, die an sich schon ein Erfolg sind – das zeugt von Integrität.“ Zweiundzwanzig Millionen Krüge später stillt das Bier von Bruce Dickinson den Durst von Fans in 54 Ländern.