Chancengleichheit zwischen Groß und Klein herstellen

Das SMB Innovation Lab der SAP hilft mit, dass Mittelständler bei künstlicher Intelligenz und Blockchain nicht den Anschluss verlieren.

Was wäre, wenn sich jedes Möbelstück nach dem Kauf mithilfe eines Sensors in ein intelligentes Warenhaus verwandeln würde, das mit interessierten Menschen in der Nähe Kontakt aufnimmt?

Was wäre, wenn ein Einzelhändler mithilfe von Gesichtserkennung und einer „smarten Brille“ schon bei der Begrüßung einer Kundin im Laden wüsste, welche Produkte sie bevorzugt, wann sie das letzte Mal hier war und ob es irgendwelche Beschwerden gab?

Und was wäre, wenn von solchen technischen Innovationen nicht nur die großen Spieler auf dem Einzelhandelsmarkt profitieren würden, sondern auch die kleinen und mittelständischen Firmen (SMBs)?

Das SMB Innovation Lab-Team bei IKODE, einem Hackathon, den IKEA sponserte.

Mittelständler sind oft eingeschränkt in ihren Möglichkeiten, Technologie einzusetzen, weil ihnen die Zeit oder die Ressourcen fehlen, mit dem raschen Fortschritt mitzuhalten. Sie sehen sich häufig dem Henne-Ei-Problem gegenüber: Technologie würde ihnen helfen, Zeit zu sparen, effizienter zu werden und neue Geschäftsprozesse einzuführen, aber wer hat die Zeit und die Mittel, ständig nach der neuesten Technologie Ausschau zu halten und sie dann noch zu implementieren?

Drew Bates und das SMB Innovation Lab der SAP wollen sicherstellen, dass auch kleine und mittelständische Unternehmen in allen Branchen „von den heißesten Technologietrends“ profitieren – seien es künstliche Intelligenz und die Verarbeitung natürlicher Sprache, Blockchain, solarbetriebene Dronen oder Roboter.

Das von Michael Renz geleitete kleine Team mit derzeit sieben festen Mitarbeitern und mehreren Fellows ist Teil der globalen SAP-SMB-Gruppe und arbeitet von den SAP Labs China in Shanghai aus an globalen Projekten. Im Mittelpunkt stehen die Mittelstandslösungen SAP Business One und SAP Business ByDesign. „Wir arbeiten wie ein Start-up, das auf den Schultern des Weltmarktführers für SMB-Software steht“, beschreibt es Renz. Und Bates, der seit Gründung der Truppe vor etwa eineinhalb Jahren als Produktmanager dabei ist, ergänzt: „Wir schauen weit voraus, um Technologien zu erkennen, die auch für Mittelständler bahnbrechend sein können.“

Chancengleichheit zwischen Kleinen und Großen herstellen

Zum Beispiel Gesichtserkennung: „In-Store Analytics“ heißt das Projekt, das es Inhabern von Ladengeschäften ermöglicht, mithilfe von künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung „digitale Fußspuren“ ihrer Kunden zu erstellen. Diese Daten helfen ihnen – was im Online-Handel längst gang und gäbe ist – etwa die Verweildauer und die Absprungrate zu ermitteln und persönliche Empfehlungen für den einzelnen Kunden anzuzeigen. Zusätzlich ist es mittels der im Geschäft installierten Kameras aber auch möglich, die Emotionen der Kunden wahrzunehmen und den VIP-Kunden ein ganz besonderes Einkaufserlebnis zu ermöglichen. „Der Einsatz von smarten Brillen mag dabei noch etwas spooky erscheinen“, sagt Bates, „aber wir gehen davon aus, dass sich diese Geräte schon bald in unaufdringliche und natürliche Brillen verwandeln werden.“

„In der Vergangenheit hatten es Einzelhändler schwer, gleichzeitig Kosten zu reduzieren und neue Technologie einzuführen, um ihre Kunden besser bedienen zu können“, sagt Rodolpho Cardenuto, President Global Partner Organization. „Das hat sich geändert. Heute haben Mittelständler Zugang zu den gleichen Werkzeugen und Services wie große Organisationen. Dabei wollen sie nicht die billigste Lösung, sondern die beste. Und die ist nun für fast alle erschwinglich.“ Und SAP sei eben in der Lage, die notwendigen Investitionen zu tätigen, um für die SMBs jedes Innovationstempo mitzugehen.

Auch Drew Bates und seine Kolleginnen und Kollegen stellen bei Kunden und Partnern fest, dass Mittelständler ganz überwiegend riesiges Interesse an innovativen Lösungen zeigen. „Es gibt da keine Einschränkungen, was den Wunsch und die Bereitschaft angeht, Innovationen einzuführen“, sagt Bates. Sein Team sei ein großer Verfechter von Cloud-Lösungen, da sie gerade Mittelständlern ermöglichten, die Kosten im Blick zu behalten. Viele der Prototypen, die sein Team entwickelt, könnten leicht in SAP Business One, SAP Business ByDesign oder gar SAP S/4HANA integriert werden – eine erfolgreiche Validierung vorausgesetzt. „Wir bieten kostengünstige Ergänzungen zu bestehenden Kernlösungen“, erklärt Bates und „ermöglichen es den SMBs so, technologisch immer auf der Höhe der Zeit zu sein.“

Bedeutung der Partner wächst

Dabei spielen naturgemäß in diesem Segment die Partner eine wichtige Rolle. Erst kürzlich waren Drew Bates und Kollegen mehrere Wochen unterwegs, um ihre Projekte Partnerorganisationen vorzustellen. Mit Erfolg: Mehr als 30 Partner haben beispielsweise inzwischen begonnen, die Gesichtserkennung im Einzelhandel in ihre Lösungen einzubinden.

Natürlich sei keineswegs jedes Projekt von Erfolg gekrönt. „Die überwiegende Mehrzahl unserer Ideen kommt nicht über die erste oder zweite Runde hinaus“, so Bates. „Unsere Entwicklungssprints dauern zwei Wochen“, berichtet er. „Danach entscheiden wir, ob wir das Thema beenden, ob es in den Backlog der Produktmanager überführt wird oder ob wir weiter daran arbeiten wollen.“ Immer jedoch lerne sein Team etwas und dokumentiere alles genau, „denn es kommt immer wieder vor, dass für eine Idee die Zeit erst später kommt.“

Wer ein Projekt in zwei Wochen zur Entscheidungsreife bringe, müsse sich fokussieren, weiß Bates. Aspekte wie Datenplattform, Sicherheit oder Compliance blieben erstmal außen vor. „Wir fragen uns: Was wäre, wenn wir uns im Moment um all das nicht kümmern müssen, haben wir dann eine Idee, die es Wert ist, weiterverfolgt zu werden?“

Die inzwischen fast 300.000 kleinen und mittelständischen Kunden der SAP hoffen, dass die Antwort darauf möglichst häufig ein „Ja“ ist.