Diversity ist unbequem. Lohnt sich aber!

Gemischte Teams sind erfolgreicher, aber mal ehrlich: Sie haben es schwerer miteinander. Lasst uns darüber reden, sagen Vertreter der Mitarbeiter-Netzwerke bei SAP.

Die Botschaft ist bei den meisten angekommen: Vielfalt und Inklusion sind gut für das Geschäft. Doch während die einen Feuer und Flamme sind, erzeugt allein das Wort Diversity bei anderen Unbehagen. Warum eigentlich?

Tatsache ist: Diversity ist schwer

Vielfalt ist mehrdimensional – und deswegen knifflig. Sie geht über sichtbare Merkmale, wie das Geschlecht oder die Hautfarbe, hinaus, und bezieht sich auch auf unterschiedliche Denkweisen, Kommunikationsstile oder Standpunkte.

Keine Frage: Es ist viel leichter, mit jemandem zu arbeiten, der so denkt, fühlt, handelt wie man selbst. Doch laut Harvard Business Review produzieren gemischte Teams bessere Resultate, gerade weil sie es schwer miteinander haben.

„Wir sollten nicht davor zurückschrecken, nur weil es schwierig ist“, erklärt Sue Sutton, Reputation Management, SAP Global Diversity & Inclusion Organization. „Gerade das, was den Status Quo stört, macht uns innovativ. Wir lernen mehr und treffen bessere Entscheidungen, wenn wir mit Menschen zusammenarbeiten, die andere Perspektiven und Ideen haben. Das mag schwierig sein, aber es ist wichtig, genau zuzuhören und offen für Neues zu sein.“

Ohne gutes Management geht es schief

Die Studie The Inclusive Leader des Beratungshauses Korn Ferry Institute bestätigt, dass gemischte Teams langfristig bessere Ergebnisse bringen, aber nur, wenn sie gut geführt werden.

Shuchi Sharma, Global Lead for Gender Intelligence bei SAP, wünscht sich daher Führungskräfte, die aktiv Diskussionen fördern und mit Kontroversen umgehen können, „denn nur so kommt man voran, wenn man im Team viele unterschiedliche Sichtweisen hat. Man muss sich mit dieser Auseinandersetzung wohl fühlen – solange sie konstruktiv, professionell und niemals persönlich ist –, um neue und andere Lösungen für alte Probleme zu finden.“

Dafür plädierte auch der frühere U.S.-Präsident Barack Obama bei einer Veranstaltung im Rahmen der SAP-Kundenmesse SAPPHIRE NOW 2018. Er habe in seiner Umgebung stets bewusst eine Vielfalt von Standpunkten kultiviert und genügend unterschiedliche Perspektiven herangezogen, um das Gesamtbild zu sehen.

Wir sind Menschen. Wir haben Vorurteile.

Doch das bewusste Kultivieren von Vielfalt ist nicht so einfach. Sehr oft treffen wir Entscheidungen unter dem Einfluss von Vorurteilen, die uns selbst gar nicht bewusst sind, wie Niarchos Palumbo, Global Lead for Pride@SAP, erklärt.

Ein bekanntes Beispiel: Bis in die 1970er Jahre hatten die fünf größten Orchester in den USA einen Frauenanteil von weniger als 5 Prozent. Inzwischen liegt er bei rund 30 Prozent. Der Grund: Man führte „Blind Auditions“ ein, beim Vorspielen blieben die Bewerber und Bewerberinnen hinter einem Vorhang und wurden nur nach ihrer Virtuosität beurteilt.

Palumbo empfiehlt die SAP-Schulung „Focus on Insight“, die sich unter anderem mit diesem Thema beschäftigt und zur Veranschaulichung Praxisbeispiele zeigt. „Es ist nicht nur für Personalverantwortliche wichtig zu wissen, was unbewusste Vorurteile sind, sondern für jeden von uns bei SAP.“

Zugehörigkeit kommt vor Innovation

„Technologie ist großartig. Aber ohne die Menschen dahinter ist Technologie nichts“, erklärt Marleen Verhaag, Business Development Expert und Management Consultant bei SAP und aktives Mitglied im Business Women’s Network. Daher sei es wichtig, so Verhaag, dass Menschen sich zugehörig fühlen und sich so zeigen können, wie sie wirklich sind, denn nur so „können sie ihr gesamtes Potenzial am Arbeitsplatz entfalten.“

Denn: „Wenn man sich zugehörig fühlt und in einem familiären Umfeld arbeitet, dann traut man sich, innovative Ideen zu denken und auszusprechen“, meint auch Kuran Williams, Vertreter des SAP Black Employee Network.

Dabei geht es nicht nur um den internen Wohlfühlfaktor.

„Für ein Unternehmen wie SAP, das an der Spitze der digitalen Transformation steht, ist es wichtig, auf vielfältiges Gedankengut zurückgreifen zu können, um auf der Welt etwas zu bewirken. Die Welt besteht ja nicht aus einem Menschen, sondern aus zahlreichen verschiedenen menschlichen Facetten“, so Williams.

Zeichen setzen bei der SAPPHIRE NOW

Genau aus diesem Grund präsentierte sich SAP bei der diesjährigen Kundenmesse SAPPHIRE NOW in Orlando gezielt mit Themen aus dem Bereich Diversity & Inclusion. Denn die globalen Kunden der SAP wollen sich verstanden wissen. Dies bestätigt auch Raúl Alfonso, Regional Head of Go-to-Market for the Americas, SAP Innovative Business Solutionsm, und Mitglied von Latinos@SAP. Er hat die SAPPHIRE NOW schon häufig erlebt und spricht aus Erfahrung: „Genau das suchen die Kunden hier, sie wollen das Gefühl haben, dazuzugehören.“

Kundenbedürfnisse sind nicht das Einzige. IT-Unternehmen kämpfen auch mit dem Mangel an Fachkräften. Gerade im Hinblick auf die Zukunft sei es wichtig, so Alfonso, junge Leute aus unterschiedlichen Bereichen ins Unternehmen zu holen, zum Beispiel Schwarze oder Latinos – und dies nach außen sichtbar zu machen. „Ich denke, es herrscht immer noch das Missverständnis, dass SAP kein besonders vielfältiger Arbeitsplatz ist”, erklärt Alfonso. „SAPPHIRE NOW ist die beste Gelegenheit, um das sichtbar zu machen – und ein großes Zeichen zu setzen.“

Für die Zukunft: Mehr Vielfalt auf allen Management-Ebenen

Marleen und die anderen Vertreter der Employee Networks wünschen sich vor allem sich klarere Verantwortlichkeiten und Investitionen auf allen Ebenen der Organisation. „Denn wir reden viel über D&I, doch wir müssen noch mehr tun, um noch weiter voranzukommen.“

Und wenn die Vertreter der Mitarbeiternetzwerke einen Wunsch frei hätten, was sich bei SAP ändern soll? Dann würden sie sich für die Zukunft einhellig mehr Vielfalt auf allen Management-Ebenen einschließlich des Vorstands wünschen.