Hack2Sol: Wie Ideen fliegen lernen

Ein konkreter Anwendungsfall, in der Regel vier Experten aus IT und Fachbereichen eines Unternehmens, ein Design-Thinking-Moderator von SAP und los geht’s: Im Rahmen des Programmierwettbewerbs Hack2Sol im AppHaus in Heidelberg entstehen innerhalb von einer Woche praxisreife Prototypen.

„Ihr werdet den Gong noch hassen lernen“, sagt Kay Jeschke im AppHaus Heidelberg. Die japanische Klangschale vibriert, bevor die einstündige Mittagspause ansteht. Meist jedoch kündigt sie an, wenn der nächste Arbeitsschritt beendet sein muss. Etwa wenn eine Idee durchdacht ist, die App gebaut und die Lösung programmiert sein muss, bevor sie dann im Plenum präsentiert werden soll.

Hack2Sol: Die Mission

Eingerahmt von Whiteboards mit unzähligen roten, gelben und grünen Post-ITs stecken Mitarbeiter von Maschinenbauer Heller, Autozulieferer ZF, Brandschutzexperte Minimax und Chiphersteller Infineon noch ohne große Hektik die Köpfe zusammen. Denn es ist erst der zweite Tag des zum vierten Mal speziell für Fertiger stattfindenden Programmierwettbewerbs Hack2Sol in Heidelberg. Hier geht es Industrieunternehmen und einem SAP-Partner darum, konkrete Use Cases im AppHaus in Heidelberg zu evaluieren und bestenfalls in konkrete Prototypen zu verwandeln. „Wir haben uns die eingereichten Use Cases im Vorfeld angeschaut und Bewerber eingeladen, deren Ansätze gut in dieser Woche realisierbar sein würden“, sagt Jeschke, der den Hack2Sol bei SAP 2017 auf den Weg gebracht hatte: „Manche Unternehmen haben die SAP Cloud Platform bereits gekauft und möchten sie in Zukunft kaufen.“ Gewinnen ist hier Nebensache, auch wenn eine unabhängige Jury zuletzt die beste Lösung auszeichnet.

ZF: Elektronische Etiketten für die Produktion

„Papierfertigungsauftrag“ nennt Gerd Ringelmann den Prozess, auf dessen Basis im Technologie-Center des Autozulieferers ZF in Schweinfurt Werkzeuge, Messmittel und neue Automationsansätze entstehen. Für die Umformung von Blechen produziert der Leiter der Produktion und Arbeitsvorbereitung bei ZF individuell gefertigte Werkzeuge in einer „Ein-Stück-Fertigung mit chaotischem Materialfluss“. Ein Werkzeug besteht aus etwa 300 Einzelteilen. „Für die 20.000 Fertigungsaufträge benötigen wir etwa 80.000 Blatt Papier pro Jahr. Die vielen verschiedene Arbeitsschritte können von wenigen Minuten bis hin zu 140 Stunden dauern“, erläutert Ringelmann. Der Nachteil: Bei jeder Änderungen im Fertigungsprozess ist ein Ausdruck nötig, um die Maschinenbediener und auch die Logistik zu informieren. „Doch ist der oft schon wieder alt, wenn er ausgedruckt ist“, so Ringelmann. Die Idee ist nun, elektronische Etiketten über einen Magneten an unsere Teile zu heften, die über unser ERP-System aktualisiert werden. „Im Handel ist dessen Einsatz gang und gäbe, in der Produktion ein Novum“, sagt Andreas Holtschulte, SAP-Experte für digitale Logistik und Design-Thinking-Coach des ZF-Teams, der bereits an eine zentrale Cloud-Plattform für elektronische Etiketten (auf Basis der SAP Cloud Platform) denkt.

Minimax: Durchgängig Reparaturen melden

Minimax produziert ganz besondere Produkte: „Sie kosten unsere Kunden Geld, kommen aber bestenfalls nie zum Einsatz“, erläutert Mike Demel aus dem Business Management des auf Brandschutzanlagen spezialisierten Unternehmens. Platzt die flüssigkeitsgefüllte Glasampulle im Brandschutzsystem einer Fabrikhalle, eines Holzwerks, in einem Krankenhaus oder einem Rechenzentrum, ist das kein gutes Zeichen: Denn das passiert nur, wenn die Hitze sehr hoch ist. Dann kommt es zu einem Druckabfall im System, worauf eine Sprinkleranlage anspringt oder Gase wie Agron oder Kohlendioxid ausströmt, um Feuer zu bekämpfen. Das Dilemma von der im Design-Thinking-Workshop identifizierten Persona Klaus-Dieter, den Service-Techniker im Unternehmen: Er muss sicherstellen, dass die Anlage im Fall der Fälle zuverlässig reagiert und benötigt für seine zyklischen Wartungen der Anlagen am besten eine App, in der er dokumentieren, Bilder einbinden und den Vertriebsprozess anstoßen kann. „Sind Rohre korrodiert, Dichtringe defekt oder Rost im Wasser, kann der Verkauf direkt aktiv werden und Angebote für den Kunden vorbereiten“, so Demel.

„Gute Möglichkeit, Ideen schnell zu entwickeln“ (Gerd Ringelmann, Leiter Produktion und Arbeitsvorbereitung, ZF)

Das Ziel für alle Unternehmen, die am Hack2Sol teilnehmen, besteht darin, einen gangbaren Prototypen zu entwickeln. Dazu gehört etwa der Einsatz des Build-Mockup-Design-Tools – „ein Werkzeug, das die Entwickler hassen, aber für die Kollegen aus dem Fachbereich unersetzlich ist“, erläutert Mathias Liebold, Senior Software-Ingenieur bei SAP. Denn es schafft, wozu Codes nicht in der Lage sind. „Es zeigt allen Beteiligten, wie die Lösung nachher aussieht“, sagt Design-Thinking-Coach Liebold. Doch nicht nur darum geht es den Teilnehmern des Hack2Sols. „Es bietet uns eine gute Möglichkeit, Ideen schnell zu entwickeln“, sagt Produktionsexperte Gerd Ringelmann von ZF, „statt lange an Lastenheften zu arbeiten, wird schnell gemeinsam mit der IT nach jedem einzelnen Entwicklungsschritt beschlossen: Passt oder passt nicht.“ Und auch Manfred Kürschner von Minimax sieht in der hemdsärmeligen Herangehensweise ein Plus: „Man sieht schnell, was überhaupt geht“, sagt der IT-Experte, der sich von Showcases zudem verspricht, Stakeholder einfacher von Best Practices zu überzeugen. Und sind Prototypen dann innerhalb von einer Woche schon gebaut, lassen sich nicht nur die User schnell von der Lösung überzeugen, sondern auch die Manager, die sich die Softwareproduktion vielleicht nicht so leicht vorstellen können. Am Zeitdruck kommt allerdings kein Teilnehmer vorbei.

Informationen

Die nächsten Hack2Sols finden demnächst wieder in Heidelberg statt. SAP Partner bieten Hack2Sols auch an anderen Standorten an. Zudem ist ein Hack2Sol für Österreich in Vorbereitung.

Hier finden Sie eine Übersicht über künftige Hack2Sols.