Imperial Logistics: Heterogenität bändigen

Das Logistikunternehmen Imperial Logistics International mit Hauptsitz in Duisburg ist ein heterogenes Unternehmen, das sich durch diverse Zukäufe in den letzten Jahren immer wieder verändert hat. SAP S/4HANA spielt für die Leiterin des SAP Competence Centers, Sandra Constantin, eine immer wichtigere Rolle.

Seit Anfang des Jahres brauchen sich die deutschen Werke des Luftfahrtkonzerns Airbus nicht mehr darum zu sorgen, ob sie genügend Zerspanungswerkzeuge zur Verfügung haben. Bohrer, Fräser und Spezialwerkzeuge stellt seitdem Imperial Logistics zur Verfügung. Dabei agiert das Duisburger Logistikunternehmen für Airbus als Service-Provider und steuert die Beschaffung und Logistik der Werkzeuge bis zum Einsatzort für alle Airbus-Modelle innerhalb der Werke Stade, Bremen, Donauwörth und Hamburg. Innerhalb von vier Monaten waren die logistische Abwicklung wie auch die Bezahlprozesse integriert. „Ein typisches Projekt für uns“, erläutert Sandra Constantin, die Leiterin des SAP Competence Centers (Int.) bei Imperial Logistics International. Kundenprojekte haben bei ihr hohe Priorität. Praktisch: Für den neuen Service setzt sie auf ihre „neue Plattform“, auf SAP S/4HANA sowohl für logistische als auch Finanzprozesse. „Eine gute Voraussetzung für den Erfolg des Projekts“, so Constantin.

Imperial-Standard inclusive SAP S/4HANA als Ausgangspunkt

In dem Projekt spiegelt sich die Strategie des Unternehmens. Denn global stehen die Zeichen auf Standardisierung, allerdings nicht ohne sich die Möglichkeit offen zu halten, die Software, wo nötig, individuell zuzuschneiden. Constantin sieht Imperial Logistics als „Spezialist für Value Added Services“, der vom „Imperial-Standard“ ausgeht und für den SAP als strategischer Partner mit seinem Standard-Produkt SAP S/4HANA künftig eine wichtige Rolle einnehmen wird.

2015 startete das Unternehmen jedoch zunächst damit, die Infrastruktur neu aufzusetzen. „Die von uns übernommenen Unternehmen waren meist noch unter ihrem ursprünglichen Namen tätig“, erläutert Constantin. Mailserver, Applikationen und Netzwerk wurden auf einen gemeinsamen Stand gebracht, etwa Microsoft Office 365 bei allen Tochterunternehmen eingeführt. So sind zum Beispiel Videokonferenzen mit Kollegen von der südafrikanischen Muttergesellschaft seit Anfang des Jahres kein Problem mehr. Zudem ist der Zugriff auf die Systeme in Südafrika nun möglich. Im nächsten Schritt wird die technische Basis angepasst. „Das technische Setup wird derzeit überdacht“, sagt Constantin.

Die SAP-Roadmap: SAP S/4HANA Finance und Logistics

Schon parallel dazu entstand die SAP-Roadmap, „denn SAP reicht in alle Unternehmensbereiche hinein“, so Constantin. Diese sah vor, sowohl die Finanz- als auch die Logistikprozesse zu standardisieren. Schon Mitte 2016 starteten die deutschen und chinesischen Gesellschaften mit SAP S/4HANA Finance auf Release 1511. Damit gehörten sie zu den Pionieren im Einsatz der damals noch neuen Software. Mitte nächsten Jahres wird voraussichtlich die letzte der weltweit 75 Gesellschaften mit der Lösung arbeiten. Doch nach dem Release ist vor dem Release: Das neue Release 1709 FP02 verspricht „Grundfunktionalitäten für die Planung, die bisher noch nicht enthalten waren sowie auch anlagenbuchhalterisch Vorteile“, so Constantin. Sie erwartet, dass Lagerleistungen künftig ohne Umwege abgerechnet werden können. Ob das neue Release 1809 direkt eingesetzt wird, werde noch geprüft.

Greenfield-Approach für die Logistik

Ende 2016 begann Imperial Logistics International zudem damit, die Logistik auf SAP S/4HANA zu bringen. Mit einer Unternehmensumstrukturierung Anfang 2016 entstanden unter dem Dach von Imperial Logistics International zwei Divisionen, die eine spezialisiert auf Transport mit den Geschäftseinheiten Shipping, Road und Express Freight, die andere spezialisiert auf Supply-Chain-Dienstleistungen mit den Geschäftseinheiten Automotive, Industrial, Retail & Consumer Goods sowie Chemicals. Die Herausforderung: Die Transport-Division hatte bisher keinerlei SAP-Anwendung im Einsatz und auch die Supply-Chain-Geschäftseinheiten nicht an allen Standardorten. „Deswegen haben wir den Greenfield-Approach gewählt und quasi einen Neustart gemacht“, erinnert sich Constantin.

SAP S/4HANA Logistics: Automotive-Template bereits im Einsatz

An der neuen Firmenstruktur orientieren sich nun die Standardlösungen, die derzeit entstehen. So wurde Anfang 2017 damit begonnen, ein Automotive-Template zu schaffen – ein „Imperial-Standard für Automotive“, wie es Constantin ausdrückt. In Bischofsheim und Wolfsburg sind gerade die Standorte 3 und 4 mit dem auf SAP S/4HANA aufsetzenden Standard an den Start gegangen. Die Herausforderung für Imperial Logistics bestand bisher darin, dass Kunden aus dem Automobilsektor in ihren Werken keine fremden WLANs akzeptieren. Mit einem speziellen Scanner und mit Unterstützung durch die neue Software ist es nun möglich, das Sequenzieren von Lieferteilen mit digitalen Endgeräten über UMTS zu bewältigen und die Lieferungen „just in time“ in den anvisierten Zeitfenstern anzuliefern. Einen wichtigen Vorteil sieht Constantin darin, dass SAP HANA nun eine größere Menge von Daten verarbeitet – „ein Performance-Gewinn von bis zu 40 Prozent“, schätzt Constantin, die zudem von SAP-Fiori-Apps eine einfachere Handhabung erwartet.

Das Automotive-Template ist im vierstufigen Entwicklungsprozess – bestehend aus Grob-Konzept (1.), Fein-Konzept mit Business Case (2.), Pilot (3.) und Rollout (4.) – derzeit am weitesten fortgeschritten. Für ein neues Template für die Chemiekunden wird gerade ein Business Case erstellt, während für einfache Kleinstlager etwa in Malaysia bereits der Standard für den Einsatz ausreicht.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen bei Imperial Logistics bekommt ein globaler Standard noch mehr Sinn. Im April 2018 wurden die bislang unabhängig voneinander agierenden Logistikdivisionen Logistics African Regions, Logistics South Africa und Imperial Logistics International in der gesamtkonzernweiten Logistikeinheit Imperial Logistics gebündelt. Vom kommenden Jahr an werden sie sogar über ein gemeinsames Budget verfügen. „Das geht nur, wenn wir die vielen Systeme zusammenschließen, die wir bis jetzt im Einsatz haben“, sagt Constantin. Ein klarer Fall für eindeutige Standards – allerdings ohne die nötige Flexibilität zu verlieren.

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