Wie Geodaten bei Naturkatastrophen Leben retten können

Die Zahl der Unwetterereignisse, wie Wirbel- und Schneestürme, hat seit 1980 drastisch zugenommen. Die Schäden, die dadurch entstehen, verursachen erhebliche Kosten. Allein in Nordamerika haben sich die Kosten der Sturmschäden verdoppelt – von knapp zehn Milliarden US-Dollar im Jahr 1980 auf fast 20 Milliarden US-Dollar im Jahr 2015.

Analysen auf der Grundlage von Geodaten können helfen, die wirtschaftlichen und menschlichen Kosten von Naturkatastrophen einzudämmen. Geodaten sind Informationen mit einer geografischen Komponente. Dazu zählen GPS-Daten, Satellitenaufnahmen, Stadtpläne oder Wetterdaten. SAP hat kürzlich Schritte unternommen, um Kunden das Verknüpfen von Standort- und Unternehmensdaten zu erleichtern.

Analysen auf der Grundlage von Geodaten

Auf der Grundlage der In-Memory-Datenbank und Anwendungsplattform SAP HANA hat SAP einen Prototyp entwickelt, der Unternehmen mit Geodatenanalysen unterstützt. Damit können sie prognostizieren, welche Auswirkungen ein Unwetter auf eine bestimmte Region haben kann.

Seit einigen Jahren arbeitet SAP mit Esri zusammen, einem weltweit führenden Anbieter von geografischen Informationssystemen. Anfang des Jahres gaben die beiden Unternehmen bekannt, dass SAP HANA und die Esri-Geodatenbank enger miteinander integriert wurden. Dank dieser Integration sind Kunden in der Lage, geografische Information innerhalb ihrer Geschäftsprozesse zu analysieren und Entscheidungen auf der Grundlage dieser Daten zu treffen. Bisher mussten sie Standortdaten außerhalb ihrer Geschäftsanwendungen analysieren und die Daten anschließend kombinieren.

Hasso Plattner, Vorsitzender des SAP-Aufsichtsrats, wies auf der SAP-Kundenkonferenz SAPPHIRE NOW darauf hin, dass SAP die Geodatenverarbeitung weiter vorangebracht habe – mit Services, die Wetter- und Satellitendaten direkt vom Anbieter in die Enterprise-Datenschicht übertragen. Als Teil der jüngst vorgestellten SAP HANA Database Management Suite helfen diese Services Kunden, positionsabhängige Darstellungen schneller zu erstellen.

Maschinelles Lernen: Neuronales Netz erkennt Muster

Mit diesen Neuerungen hat SAP einen Softwareprototyp geschaffen, der Unternehmen hilft, die Überwachung von Risiken zu optimieren und die Auswirkungen von Naturkatastrophen einzudämmen. Die Anwendung führt verschiedene Informationen zusammen. Echtzeit-Wetterdaten von den Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und Daten zum weiteren Verlauf und den Auswirkungen des Sturms werden kombiniert mit Infrastrukturplänen, die Gebäude und Straßen abbilden. Mithilfe maschinellen Lernens wird ein neuronales Netz aufgebaut, das Muster erkennen kann. Damit sind Kommunen in der Lage zu ermitteln, welche Gebiete gefährdet sind, wo Waldbrände wahrscheinlich sind und welche Auswirkungen diese auf die Ernteerträge haben werden.

Der Prototyp liefert eine Risikovorhersage basierend auf vier Indizes – Boden, Wasser, Abschüssigkeit und Vegetation. So können die regionalen Behörden sich darauf vorbereiten, dass sie in diesen Gebieten schnell reagieren müssen. Wenn es zum Beispiel Hinweise auf einen drohenden Erdrutsch gibt, können die Beamten die jeweiligen Straßen frühzeitig sperren oder Evakuierungswarnungen ausgeben und dadurch Leben retten.

Analysen verbessern Kundenerlebnis

Aber dies ist nur ein Beispiel dafür, wie Standortdaten genutzt werden können. SAP arbeitet auch mit einem großen Vergnügungspark zusammen, damit dieser Standortinformationen und Kundenbewertungen in seine Marketinganwendungen einfließen lassen kann und dadurch erreicht, dass die Besucher länger im Park verweilen. Wenn zum Beispiel jemand twittert, dass er das lange Anstehen vor den Fahrgeschäften satt hat, kann ein Marketingmanager sofort reagieren und dem Besucher einen „Fast Pass“ für Attraktionen in seiner Nähe schicken. Dabei werden die bisherigen Fahrten des Kunden berücksichtigt und Fahrgeschäfte ausgewählt, die ihm gefallen könnten.

„Bei jedem Geschäftsvorgang geht es darum, wer ihn erstellt hat und wann. Kann man nun aber sehen wo der Vorgang erstellt wurde, eröffnet dies eine völlig neue Welt an Möglichkeiten”, erklärt Geoff Trembley, Leiter des Bereichs SAP HANA and DB Platform Go To Market bei SAP.