Starthilfe ins (Berufs-)Leben

SAP Australien und Neuseeland unterstützt eine Stiftung für junge indigene Australier auf mehreren Ebenen – im wörtlichen Sinne.

Mia Strasek-Barker und Renee Coffey sitzen inmitten von Vertrieblern, Service-Experten und Entwicklern im SAP-Büro in Brisbane. Ihre Zielgruppe sind allerdings nicht SAP-Kunden, sondern junge indigene Australier. Ihnen greifen sie unter die Arme, damit sie eine weiterführende Schule besuchen und an einer australischen Universität studieren können.

Strasek-Barker und Coffey arbeiten für die Australian Indigenous Education Foundation (AIEF), eine private gemeinnützige Organisation. Neben Stipendien erhalten die von AIEF geförderten Jugendlichen auch Unterstützung durch Mentoren beim Übergang von der Schule zur Uni oder beim Einstieg in den Beruf. Mit Geldern der Regierung, von Privatleuten, Stiftungen und Unternehmen kümmert sich AIEF derzeit um rund 500 Jugendliche, und noch einmal so viele zählen zum Netzwerk der Ehemaligen.

SAP Australien und Neuseeland (SAP ANZ) ist eines der Unternehmen, die AIEF seit Jahren unterstützen – mit Spendengeldern, mit Mentoren und Expertise und mit Arbeitsplätzen im dritten Stock des SAP-Gebäudes in der Hauptstadt des Bundesstaates Queensland. „Die Eröffnung eines Büros in Brisbane war ein Ergebnis des Social Sabbaticals, das einige SAP-Kollegen 2016 bei uns verbrachten“, erzählt Coffey, General Manager Strategy and Policy. „Weil die meisten unserer Schüler und Studenten aus Queensland kommen, war eine der Empfehlungen, neben dem Büro in Sydney auch eines in Brisbane zu eröffnen“, berichtet Strasek-Barker. „Und als uns SAP angeboten hat, unsere Zelte hier aufzuschlagen, haben wir nicht lange überlegt“, fügt Coffey hinzu.

Ein Büro im SAP-Büro

Strasek-Barker und Coffey schätzen hier im SAP-Büro den täglichen Blick über den eigenen Tellerrand und den direkten Draht zu denjenigen SAPlern, die sich als Mentoren für Jugendliche zur Verfügung stellen. Wie Lis Miller.

Die Vertriebskollegin aus Sydney ist seit 2015 engagierte Mentorin für Caitlin. Die 18-Jährige ist in ihrem Abschlussjahr am St. Vincent´s College in Sydney. Jemanden in ihrer Nähe zu wissen, mit dem sie jederzeit reden könne, habe ihr sehr geholfen, fernab von ihrer Familie in einem Internat zu leben, sagt Caitlin. Nach dem Abschluss möchte sie studieren und als Sozialarbeitern Jugendliche „in schwierigen Situationen unterstützen“.

Könnte sein, dass Caitlin ihre Herkunft und die vielen Gespräche mit Miller bewogen haben, diesen Weg einzuschlagen. Aber auch Miller, deren eigene Kinder inzwischen erwachsen sind, zieht nur Positives aus dieser Beziehung: „Es ist viel besser als ich erwartet hatte“, sagt sie. „Ich weiß, dass Caitlin und ich in Kontakt bleiben werden und sie erfolgreich sein wird, egal, was sie tun möchte.“

Dass indigene Australier wie Caitlin die Schule erfolgreich abschließen, ist noch immer deutlich seltener der Fall als bei nicht-indigenen Australiern. 2017 haben nur 62,4 Prozent der indigenen Schüler die 12. Klasse beendet gegenüber 86 Prozent der nicht-indigenen. Dafür kann die AIEF eine Abschlussrate der von ihr geförderten Schülerinnen und Schüler von 94 Prozent vorweisen.

Mit demselben Erfolg unterstützen Strasek-Barker, Coffey und ihr Team ihre Schützlinge beim Übergang zur Universität oder in einen Job. Maßgeblich dafür ist das „Pathways Program“, das Coffey vor acht Jahren aufbaute und das Strasek-Barker nun für die Regionen Queensland und West-Australien verantwortet. „Wir haben gemerkt“, erzählt Coffey, „dass die Jugendlichen nach dem Internat weitere Unterstützung benötigten. Jetzt ist das Programm ein sehr wichtiges Element unserer Arbeit.“

Die Lücke schließen

Im Dezember 2007 – übrigens das Gründungsjahr der AIEF – verpflichtete sich das „Council of Australian Governments“ (COAG) – bestehend aus führenden Vertretern der australischen Regierung, der Bundesstaaten, Territorien und Kommunen – die „Lücke zu schließen“ bei der Lebenserwartung zwischen indigenen und nicht-indigenen Australiern. Sie betrug damals bei den Frauen 9,7 Jahre, bei den Männern 11,5 Jahre.

Im November 2008 stimmte das COAG einer Vereinbarung zu, die sechs „Closing the Gap“-Ziele formulierte. Dazu gehörte unter anderem, bis 2020 die Kluft bei den indigenen Schülern zu halbieren, die bis zur 12. Klasse eine Schule besuchen. Ebenso nahm man sich vor, innerhalb einer Dekade auch die Unterschiede bei der Beschäftigungsrate zu halbieren.

„Ich denke, dass unsere Arbeit ganz entscheidend dazu beiträgt, diese Lücken zu schließen“, sagt Coffey. Vor allem die hohe Qualität der Ausbildung, das Renommee der rund 35 Schulen und Universitäten, mit denen AIEF zusammenarbeitet, und die entstehenden Netzwerke hätten einen langanhaltenden Effekt. „Unsere Jugendlichen haben Geschwister, die ihnen nacheifern wollen, und manche haben inzwischen selbst Kinder“, ergänzt Strasek-Barker. „Sie werden den Wert einer guten Ausbildung zu schätzen wissen.“

Die Zahlen scheinen diese Einschätzung zu belegen. Laut dem kürzlich veröffentlichten 10. Bericht zu „Closing the Gap“ ist es gelungen, den Anteil der 20-24 Jahre alten indigenen Australier, die das 12. Schuljahr erreichen, von 47,4 Prozent im Jahr 2006 auf 65,3 Prozent im Jahr 2016 zu erhöhen.

Aber: Die Beschäftigungsrate der indigenen Australier lag 2016 bei 46,6 Prozent, verglichen mit 71,8 Prozent bei nicht-indigenen Australiern. Und auch bei der Erhöhung der Lebenserwartung gibt es weiter erheblichen Nachholbedarf. Die Lücke konnte bei den Männern nur um 0,8 und bei den Frauen um 0,1 Jahre verkleinert werden.

Umso dankbarer sind beide, dass SAP ANZ auch weiterhin zu den wichtigsten Unterstützern ihrer Organisation gehört. „Für mich ist unsere Partnerschaft ein Best Practice, weil es zeigt, wie ein Unternehmen und eine gemeinnützige Organisation auf vielen Ebenen zusammenarbeiten und voneinander profitieren können“, sagt Coffey. „Ganz zu schweigen von den Jugendlichen“, ergänzt Strasek-Barker, „denen wir einen erfolgreichen Start ins Berufsleben ermöglichen.“