Der Flughafen der Zukunft

In der Anfangszeit war das Reisen mit dem Flugzeug ein Privileg der Reichen. Heute müssen Flughäfen eine eigene Reise antreten. Ziel: der smarte Airport. Einige sind schon auf dem Weg dahin.

Als Leiter des Bereichs Airport Solutions und Gründer der SAP-Anwendergruppe Airport kennt SAP-Mitarbeiter Roland Müller die Flughäfen der Welt besonders gut. Für ihn ist der Changi Airport in Singapur nach wie vor ein Paradebeispiel für den modernen Flughafen, so Müller. Der „Heimathafen“ von Singapur Airlines hat in der Tat viel zu bieten: einen Extrabereich für Familien, Massagesalons, eine Reihe von Grünanlagen, kostenlose Stadtrundfahrten bei Anschlussflügen mit langer Wartezeit sowie eine moderne Infrastruktur. Außerdem gibt es Kinos, Videospielkonsolen, einen Schmetterlingsgarten und Freizeitpark-ähnliche Attraktionen für die Fluggäste.

Dieses Niveau erreichen zwar nicht alle Airports dieser Welt; aber viele Flughäfen bemühen sich, in diese Richtung zu investieren. Vor kurzem hatte Müller SAP-Airport-Kunden aus der ganzen Welt zu einer Informationsveranstaltung im Budapester Flughafen eingeladen.

Neue Anforderungen für den smarten Airport

Dort wurde die neue Welt der Airports ausführlich erörtert. Europäische Billigfluglinien bringen inzwischen Millionen von Passagieren an Standorte, die zuvor kaum genutzt wurden. Gleichzeitig wird Fluggästen in der Business- und First-Class ein Höchstmaß an Luxus geboten. In den kommenden zwei Jahrzehnten dürfte sich die Zahl der Fluggäste weltweit nahezu verdoppeln, von zuletzt vier auf acht Milliarden.

Die Passagiere erwarten, dass der Aufenthalt am Flughafen zu einem komfortablen Erlebnis wird. Dabei spielen zahlreiche Faktoren eine Rolle. Der Flughafen sollte gut erreichbar und leicht zu durchqueren sein. Sauberkeit ist ebenso wichtig wie rasche Gepäckabfertigung und attraktive Preise im Duty-Free-Shop. Und die Qualität des WLANs wird immer wichtiger.

All diesen unterschiedlichen Bedürfnissen müssen Flughafenbetreiber gerecht werden. Gleichzeitig müssen sie ihre Abläufe effizienter und nachhaltiger gestalten. Ebenso gilt es, neue Einnahmequellen zu finden und sicherzustellen, dass der Aufenthalt am Flughafen für die Reisenden ein angenehmes Erlebnis wird. Es gibt also viel zu tun.

Blockchain für die Frachtabwicklung, Chatbots für den Kundenservice

Einige Flughäfen haben sich bereits als Vorreiter beim Einsatz innovativer Entwicklungen positioniert. So testen zum Beispiel die Flughafenbetreiber von London Heathrow, Genf und Miami, wie Blockchain-Technologie genutzt werden kann, um Flugdaten zu sichern. Und auf dem südkoreanischen Airport Incheon befasst man sich bereits mit Einsatzmöglichkeiten für Roboter.

Als Technologieanbieter kann SAP Flughafenbetreibern helfen, ihre Strategie umzusetzen. So bietet etwa SAP Leonardo eine Reihe intelligenter Funktionen, die an Flughäfen eingeführt werden können. Dazu zählen die Bilderkennung zur Instandhaltung, Gesichtserkennung für Identitätsprüfungen, Textextraktion für verschiedene Anwendungen sowie Kundenservice-Chatbots am Check-in-Schalter. Der Service SAP Cloud Platform Blockchain lässt sich beispielsweise auch nutzen, um die Frachtabwicklung noch verlässlicher zu gestalten.

Automatisierte Prozesse und Echtzeitdaten

Müller weist darauf hin, dass die Zahl der Unternehmen steigt, die ein Cockpit zur Überwachung und Steuerung des operativen Betriebs nutzen. Echtzeitdaten liefern ihnen erkenntnisreiche Einblicke und sie profitieren von automatisierten Prozessen. Einige Flughafenbetreiber wickeln inzwischen auch ihr internes Berichtswesen mit SAP S/4HANA ab.

Ungarns größter Flughafen zählt zu den jüngsten Kunden, die SAP S/4HANA einsetzen. Die Lösung wurde in 15 Monaten erfolgreich implementiert. „Es war das größte IT-Projekt in den letzten fünf Jahren – mit über 30 Schnittstellen zu anderen IT-Systemen“, erklärte Gyorgy Farkas, Leiter des Anwendungsmanagements am Budapester Flughafen.

Dieses dynamische Umfeld eröffnet auch viele Möglichkeiten für Start-ups. So hat das britische Unternehmen Wittos eine Anwendung entwickelt, die auf Informationen von WiFi-Netzwerken zurückgreift und analysiert, was sich die Fluggäste anschauen und wonach sie suchen. Mit diesen Daten können Serviceanbieter und Hotspot-Betreiber ihren Kunden maßgeschneiderte, lokale Angebote unterbreiten.

Big Data für Flughafen Düsseldorf und Stuttgart

Andernorts halten ebenfalls neue Technologien Einzug. Der Flughafen Düsseldorf erstellt einen Data-See für Big-Data-Analysen, nimmt eine Zuordnung von Interaktionspunkten und Passagieren vor und automatisiert Abläufe, während der Flughafen Stuttgart SAP-Systeme nutzt, um bessere Informationen zu erhalten, Prognosen zu verbessern und Effizienzsteigerungen zu erzielen. Ziel des Projekts ist es, den Reisenden mit Daten zu versorgen, die unmittelbar Nutzen stiften.

Bei der jüngsten Kundenveranstaltung in Budapest zeigte Roland Müller auch eine „Live-Airport“-Demo. Dabei wurde den Teilnehmern vermittelt, welches Potenzial in der Integration von Anwendungen steckt. Wichtige Informationen aus sämtlichen Bereichen des Flughafens werden auf der SAP Cloud Platform zusammengeführt. Die Verantwortlichen erhalten sofort eine einheitliche Sicht auf alles, was gerade am Flughafen geschieht. Bilden sich beispielsweise lange Schlangen, gibt das System eine Warnung aus und erstellt eine Prognose, wie viele Leute zu einer bestimmten Zeit noch hinzukommen werden.

Personalisierte Werbung der Flughafen-Geschäfte

Mobilität ist ebenfalls ein sehr interessantes Thema für Flughafenbetreiber. Da 97 Prozent der Reisenden ein Smartphone mitführen, beschäftigen sich viele Flughafenbetreiber mit der Möglichkeit, ihnen personalisierte Angebote der Flughafen-Geschäfte zukommen zu lassen. Die vom Luftfahrt-IT- und Telekommunikationsdienstleister SITA (Société Internationale de Télécommunication Aéronautique) veröffentlichte Studie „2017 IT Trends“ ergab, dass 50 bis 75 Prozent der Flughäfen planen, bis zum Jahr 2020 standortbasierte Werbung über Smartphones zu verbreiten.

Intelligente vernetzte Geräte können auch auf dem Flughafenvorfeld von großem Nutzen sein. So ermöglichen zum Beispiel Augmented-Reality-Funktionen, dass den Mitarbeitern Informationen zur Ladung oder zum Status des Flugzeugs bereitgestellt werden. Ist der Öldruck im Gabelstapler zu niedrig, erhalten sie eine Benachrichtigung und können Wartungsarbeiten durchführen, bevor ein größerer Schaden entsteht.

Die Beispiele zeigen: Angesichts der Tatsache, dass es weltweit mehr als 17.000 kommerzielle Flughäfen gibt, sind die Möglichkeiten für Roland Müller und sein Team enorm.