Der digitale Weinberg: Wie das Markgräflich Badische Weinhaus neue Wege der Kundenbindung beschreitet

Der digitale Zwilling ist da – auch in Branchen, in denen man auf den ersten Blick nicht unbedingt damit rechnen würde, wie dem Winzerhandwerk.

Einen guten Tropfen herzustellen hat nach wie vor viel mit Handarbeit und Erfahrung zu tun, aber auch mit der richtigen Technologie und der Verfügbarkeit von Daten. Das zeigt das Beispiel des Markgräflich Badischen Weinhauses – ein Joint-Venture des traditionsreichen Hauses Baden und Deutschlands größtem Sekthersteller Rotkäppchen-Mumm. Das Unternehmen verbindet traditionelles Handwerk mit innovativer Software, um fortschrittliche Konzepte für badischen Wein zu entwickeln und den Herstellungsprozess für den Endkunden transparent zu gestalten.

Mittelstand setzt auf ERP aus der Cloud

Branchenübergreifend haben immer mehr mittelständische Unternehmen den Trend erkannt und profitieren von den Vorteilen der Digitalisierung um wettbewerbsfähig zu bleiben. 2017 bezogen fast vier von fünf Mittelständler in Deutschland Software aus der Cloud. Und jedes fünfte mittelständische Unternehmen nutzte eine cloudbasierte ERP-Lösung (laut einer Umfrage der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin und des Software-Hauses Forcont Business Technology).

Dabei ist vor allem ein schneller Datenaustausch gefragt – auch zwischen unterschiedlichen Softwarelösungen. Wie sich ein mittelständisches Unternehmen damit Geschäftsvorteile verschafft zeigt das Markgräflich Badische Weinhaus. Das Joint-Venture hat die Weinproduktion digitalisiert – mithilfe von speziell angepasster Software.

Bisher nutzten das Weingut Markgraf von Baden und Rotkäppchen-Mumm voneinander unabhängige ERP-Systeme. Im Rahmen der Zusammenarbeit bedurfte es allerdings einer Lösung, die beide Seiten gemeinsam nutzen können und die eine reibungslose Interaktion der Unternehmen ermöglicht.

Digitale Technologien erlauben es Joint-Venture-Unternehmen, gemeinschaftlich und gleichzeitig autark zu agieren.

Das bisherige ERP-System des Weinguts Markgraf von Baden ließ sich nicht in die SAP Business Suite von Rotkäppchen-Mumm integrieren und wäre ab Jahresbeginn nicht mehr „compliant“ gewesen. Das änderte sich dank der schnellen Implementierung des SAP-qualifizierten Partner-Lösungspakets „vineaByD“ des Partners „sine qua non“, das auf SAP Business ByDesign basiert. Diese Lösung ist spezialisiert auf die Anforderungen der Weinbranche und sorgt dank der Standards in SAP Business ByDesign sowie der direkten Integration in die Software von Rotkäppchen-Mumm für eine nahtlose Vernetzung der Unternehmen. Der Vorteil dieses Vorgehens: Beide Unternehmen greifen innerhalb des Joint-Ventures auf alle wichtigen Daten zu, und könnten bei Bedarf gleichzeitig autonom handeln. Damit zeigt das Projekt auch: Digitale Technologien erlauben es Joint-Venture-Unternehmen, gemeinschaftlich und gleichzeitig autark zu agieren. „Die Digitalisierung bietet nicht nur Einzelunternehmen enorme Vorteile. Auch bei Kooperationen profitieren beide Partner von den heutigen Möglichkeiten, die moderne Unternehmenssoftware mit sich bringt“, sagt Rainer Zinow, global verantwortlich für das Produktmanagement der SAP-Mittelstandslösungen. „Unsere Partner verstehen es dabei, die SAP-Lösungen ideal an die Bedürfnisse ihrer Kunden anzupassen und ihnen so die bestmögliche Lösung für jeden Anwendungsfall zur Verfügung zu stellen.“

 Wingert des Markgräflich Badischen Weinhauses: der digitale Weinberg
Das Markgräflich Badische Weinhaus setzt auf SAP Business ByDesign.

Von der Traube bis ins Glas: Transparenz dank IoT

Blattfeuchte, Temperatur und Niederschlag kann der Winzer jederzeit auf seinem Tablet einsehen – wertvolle Informationen für den Herstellungsprozess und die Zukunft des jeweiligen Jahrgangs.

Gelebtes Internet der Dinge bedeutet hier, über Sensoren und IoT-Hardware (Wetterstation, Sensoren) im Weinberg, jederzeit Informationen beispielsweise über die Bodenbeschaffenheit, den Düngungsgrad und den Reifegrad der Trauben zu sammeln, sie direkt in die SAP-Cloud zu übermitteln und dort zu analysieren. Dank der Echtzeitdaten von all ihren Weinbergen haben die Winzer jederzeit den Überblick über die Qualität der Trauben, und können so den idealen Zeitpunkt für die Lese des Weins bestimmen. Zusammen mit den gesammelten Daten aus dem Weinkeller sorgen die Informationen für eine besonders hohe Qualität des Endproduktes.

Ebenfalls in die Geschäftsprozesse eingebunden sind die Beschaffung von Produktionsmitteln, der Versand der Weinflaschen und die Finanztransaktionen dank der Verknüpfung mit dem Internet of Things (IoT) über die Business-Plattform SAP Cloud Plattform in Verbindung mit SAP Business ByDesign. „Unsere holistische Lösung ermöglicht dem Markgräflich Badischen Weinhaus den Prozess entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Blick zu halten,“ erläutert Ralph Moog, Geschäftsführer von sine qua non. „Dem Kunden ist klar, dass die Bindung zum Endverbraucher heutzutage elementar geworden ist. SAP Business ByDesign war die perfekte Grundlage, die alle Kriterien des Kunden erfüllen konnte, um dem Unternehmen durch unsere Anpassungen einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen und seine Produkte erfolgreich am Markt zu platzieren.“

#LifeAt: Markgräflich Badisches Weinhaus



Der Kunde als Mittelpunkt: interaktive Kommunikation

Das Informationsbedürfnis und Qualitätsverständnis der Verbraucher wächst – dazu zählt beispielsweise auch das Wissen über Herkunft und Verarbeitung von Produkten. Daher gilt es mehr denn je, die Wünsche des Kunden zu erkennen und zu erfüllen. Auch dabei bringt der digitale Wandel entscheidende Vorteile mit sich. Aber wie genau profitiert der Endverbraucher bei der Digitalisierung des Weinbergs? Dank der Fülle an Daten ist das Markgräflich Badische Weinhaus in der Lage, den gesamten Herstellungsprozess transparent abzubilden.

Mit der für 2019 ins Auge gefassten Einführung der „Connected Bottle App“ kann sich der Verbraucher durch einen Code auf der Flasche über den kompletten Werdegang des Weins informieren – von der Traube bis ins Glas. Wie viele Sonnenstunden hatte der Wein? An welchem Weinberg ist er gewachsen und waren seine Wurzeln im Schieferkalk oder Quarz? Darüber hinaus verändert das System auch die Kommunikation zwischen Produzent und Konsument. Über die App kann der Verbraucher zum Beispiel Rückmeldung geben, dass der Weißwein nicht nur zu gegrilltem Lachs ein Genuss ist, sondern auch die perfekte Begleitung zu einer französischen Käseplatte.

Branchenlösungen wie die eigens für Winzer programmierte vineaByD Lösung stehen beispielhaft für das extrem breit gefächerte Lösungs-Portfolio, welches durch zertifizierte SAP-Partner angeboten wird. So ist es gelungen, dass eine Weinmanufaktur, deren Wurzeln bis in das 12. Jahrhundert zurückreichen und die noch heute von den Aufzeichnungen der Mönche aus dieser Zeit profitiert, ihr  Erbe dank digitaler Lösungen in das Heute überführt (eine der jüngsten Weinkreationen trägt den Namen „1112“).