Weniger Ausschuss bei Lebensmitteln und Medikamenten durch intelligente Lieferketten

Schätzungen zufolge werden in den USA 30 Prozent aller Lebensmittel und Medikamente weggeworfen. 91 Prozent aller Plastikmaterialien werden nicht recycelt. In den Entwicklungsländern kommt etwa die Hälfte aller produzierten Lebensmittel niemals auf den Markt. Wie intelligente Lieferketten hier ansetzen können.

Laut Dr. Mohamed Aly, Gründer und CEO des SAP-Partners Seeloz, ist vor allem die große Ineffizienz der Lieferketten schuld an diesen Problemen. Sie ist der Grund, weshalb Lebensmittel, Arzneimittel und andere lebenswichtige Produkte ungenutzt in den Müll wandern. Seeloz möchte dieses Problem lösen.

„Wenn wir genauer vorhersagen könnten, wie viel wir konsumieren und wann und wo die Produkte benötigt werden, wären wir alle besser dran“, meint Aly. „Es geht noch nicht einmal darum, Geld zu sparen, sondern um die Auswirkungen auf unsere Ressourcen. Ebenso wie Recyclingmaterialien helfen, den Planeten zu retten, trägt auch unsere Technologie zur Rettung der Erde bei.“

Seeloz unterscheidet vier Arten von Ineffizienz bei Lieferketten in den Bereichen Gesundheitswesen, Lebensmittel und andere Konsumgüter:

  • Abgelaufene Waren
  • Überbestände durch unrealistische Bestandsplanung
  • Fehlbestände durch mangelhafte Bedarfsprognosen
  • Unnötige Umlagerungsprozesse durch falsche Lagerorte

Es überrascht, dass diese Ineffizienzen in der Logistik meist bei den drei Hauptakteuren der Lebensmittel- und Gesundheitsbranche auftreten: Hersteller sind ständig darum bemüht, ihre Produktionsprozesse schneller zu machen, um den Markt bestmöglich zu bedienen. Großhändler müssen optimale Beschaffungszeiten und -umfänge erreichen und ihre Lager angemessen befüllen, um die Bedarfe zu decken. Für die Anbieter schließlich besteht die Herausforderung darin, die Nachfrage der Endkunden treffend vorauszusagen.

„Man kann ein Problem nur lösen, wenn man die Ursache kennt. Das gilt für alle Herstellungs- und Beschaffungsentscheidungen über die gesamte Lieferkette hinweg“, erklärt Aly. „Deshalb müssen Logistiker lieferkettenübergreifend, also in Produktion, Beschaffung und Lagerverwaltung, bessere Entscheidungen treffen, die sich strikt an dem vorhergesagten Bedarf der Endkunden orientieren.“

Lücken in der Lieferkette schließen

Die aktuellen Probleme werden noch dadurch verschärft, dass Lieferketten in den Bereichen Lebensmittel und Gesundheit über eine Vielzahl verschiedener Systeme laufen: ERP-Systeme für Herstellung, Großhandel und Beschaffung sowie weitere Systeme, in denen Kundendaten gespeichert sind. Meist funktioniert die Kommunikation zwischen diesen Systemen nicht optimal. Wichtige Informationen zu Kundenbedarf und -wünschen können daher nicht sinnvoll miteinander verknüpft werden, sodass aus den Daten kaum intelligente Erkenntnisse abzuleiten sind.

„Seeloz hat eine intelligente Schicht entwickelt, die mithilfe künstlicher Intelligenz die Lücken zwischen den einzelnen Stationen in der Lieferkette schließt und die entsprechenden Workflows durch KI-unterstützte Automatisierung optimiert“, erklärt Aly weiter.

Im System einer typischen Gesundheitseinrichtung beispielsweise werden durchgängig zwischen 100.000 und 250.000 Artikel für OP-Bedarf, Pharma- und Verbrauchsmaterialien beschafft und gespeichert. Bisher werden diese Beschaffungsentscheidungen nicht auf der Basis vorhergesagter Patientenbedarfe getroffen. Noch komplizierter wird das Problem dadurch, dass eine typische Gesundheitseinrichtung kontinuierlich und über die gesamte Lagerhaltungskette hinweg die aktuellen Warenbestände bestimmen und auffüllen müsste: in Zentrallagern, Einzellagern in Krankenhäusern und den Dutzenden oder sogar Hunderten von Entnahmestellen pro Krankenhaus wie Fachkliniken, Abteilungen, Labore, Notaufnahmen.

Seeloz hat eine Lösung entwickelt, die elektronische Krankenakten nutzt, um die Bedarfe der Patienten in jeder Einrichtung exakt vorherzusagen und die Prozesse in Beschaffung und Bestandsverwaltung entsprechend anzupassen. So kann sichergestellt werden, dass jede Gesundheitseinrichtung alle Artikel zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung hat. Der Anteil an Ausschussware kann so auf ein Minimum reduziert werden.

In ähnlichen Szenarien kann die Lösung auch von Supermärkten und Apothekenketten, Händlern in den Bereichen Lebensmittel und Gesundheit, Konsumgüterherstellern und der Life-Sciences-Branche genutzt werden.

Weniger Ausschussware dank künstlicher Intelligenz

„Immer wenn wir mit einer Apothekenkette oder Gesundheitseinrichtung, einem Lebensmittelhändler oder Pharmahersteller sprechen, hören wir, welche horrenden Summen durch Ausschussware verloren gehen. Oft geht es um Beträge zwischen zehn und mehreren hundert Millionen Dollar im Jahr pro Unternehmen. In manchen Fällen gehen die Beträge in die Milliarden. Wenn wir dann die Lieferketten und Workflows genauer unter die Lupe nehmen, wird klar, weshalb das so ist. Hier kann Automatisierung die Lücken schließen, bei denen der Mensch wenig ausrichten kann.“ Aly präzisiert: „Gegen diese Art von Problemen bei den Lieferketten sind wir Menschen machtlos. Ein Mensch ist nicht in der Lage, die Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Waren in einer Lieferkette zu erkennen, die 100.000 Artikel umfasst. Das ist schlicht unmöglich.“

Seeloz ist dieses Jahr eine strategische OEM-Partnerschaft mit SAP eingegangen, um für sein Betriebsoptimierungssystem (Operational Optimization System OOS) die leistungsstarke Plattform SAP HANA und die Skalierbarkeit der SAP Cloud Platform zu nutzen. Ziel des Systems ist es, die Ausschusszahlen zu senken und Lieferketten zu optimieren, die über eine Vielzahl von Branchen laufen.

Intelligente Lieferkette halbiert Anzahl abgelaufener Produkte

Bereits die ersten Implementierungen haben gezeigt, dass Seeloz durch den Einsatz intelligenter Lieferketten die Anzahl der abgelaufenen Produkte um über 50 Prozent und die allgemeinen Bereitstellungskosten um 5 bis 20 Prozent reduzieren konnte.

„Je umfangreicher unsere Lieferketten sind, desto größer das Verbesserungspotenzial. Wir kratzen jedoch immer noch nur an der Oberfläche dessen, was tatsächlich mit KI möglich ist“, meint Aly. „Diese bedeutenden Einsparungen bei den jährlichen Bereitstellungskosten werden positive Auswirkungen auf die allgemeine Servicequalität für unsere Endkunden haben.“

Sehen wir uns etwa die Lebensmittelindustrie an: Weniger Ausschussware bedeutet, dass Konsumenten qualitativ hochwertigere Lebensmittel zu niedrigeren Preisen erhalten. Aly weiter: „Wenn wir die gesamte Lieferkette unterstützen können, von den Herstellern über den Großhandel bis hin zu besseren Vorhersagen, die auf dem tatsächlichen Bedarf basieren, dann erreichen wir damit eine höhere Qualität bei Lebensmitteln, Arzneimitteln und vielen anderen Produkten.“