Werden Roboter die Beschaffung übernehmen?

Viele Leute fürchten, dass Roboter menschliche Einkäufer ersetzen werden. Aber Experten wie Marcell Vollmer, Chief Digital Officer von SAP Ariba, und Shivani Govil, Vice President von Artificial Intelligence and Cognitive Solutions bei SAP Ariba, sagen, dass die Roboter den Menschen nur helfen werden, Dinge anders zu tun.

KI steht für künstliche Intelligenz, doch für Shivani geht es bei KI um elektronisch unterstützte oder erweiterte Intelligenz. „Die Technologie soll die Fähigkeiten des Menschen ergänzen, indem sie ihm zusätzliche Möglichkeiten für eine bessere Entscheidungsfindung bietet“, erklärt sie. „KI soll Menschen helfen, effizienter und genauer zu arbeiten, sodass sie sich stärker auf Aktivitäten konzentrieren können, die einen Mehrwert liefern.“

Aber was bedeutet Mehrwert wirklich? In der Geschäftswelt bedeutet Mehrwert, dem Kunden ein qualitativ hochwertiges Produkt zu einem vernünftigen Preis anzubieten. Effizienz in der Beschaffung und der Lieferkette können sich dabei äußerst positiv auswirken.

Die Technologie verändert unser Denken

Die Technik hat sich stets weiterentwickelt, von der Zeit der Höhlenmenschen bis zum digitalen Zeitalter mit Internet-Technologien. Seit Tausenden von Jahren, geht es darum, das Leben einfacher zu gestalten, indem die Art und Weise, wie wir arbeiten, stets verändert wird. Dadurch verändert sich auch die Art, wie wir denken.

„Das menschliche Denken ist eine einzigartige Fähigkeit. Wir können herausfinden, wie wir manuelle Prozesse ersetzen. So bleibt uns mehr Zeit zum Denken”, betonte Shivani in einer Diskussionsrunde zum Thema Beschaffungswesen von morgen auf der SAP Ariba Live in Amsterdam.

„Bei KI geht es nicht darum, Arbeit abzuschaffen, sondern vielmehr darum, dass Maschinen die einfacheren Aufgaben übernehmen, sodass sich die Art unserer Arbeit ändert“, erklärte sie.

KI und maschinelles Lernen verändern zum Beispiel die Art und Weise, wie wir Waren und Dienstleistungen einkaufen. Ein Laptop weiß, wann er gewartet werden muss. Er kann Updates anfordern, wenn er sie benötigt. Dafür ist kein menschliches Eingreifen notwendig und auch nicht viel Intelligenz, wenn man so will. Neue Technologien wirken sich auf alle Elemente der Software aus und haben eine weitreichende Wirkung.  Diese Technologien sind noch neu und werden derzeit definiert, aber in Zukunft werden sie ein wesentlicher Bestandteil dessen sein, was passiert.

„Die Zahl der Jobs, die durch KI neu geschaffen werden, wird viel höher sein, als die Zahl der wegfallenden Jobs. Und nicht alle davon werden komplexe Aufgaben für Datenwissenschaftler sein. Ein gutes Beispiel sind Siri und Alexa. Spracherkennung bedeutet, dass Sie keinen Finger rühren müssen, um zu Hause Dinge zu erledigen. Sie sagen einfach, was sie wünschen und schon geht Ihr Fernseher an und Ihre Einkaufsliste ist fertig. Am Arbeitsplatz wird es genauso sein“, prognostiziert Shivani.

Firmen sollten vorbereitet sein

Eine gute Beschaffungsabteilung hat zwei geheime Waffen, um in Zeiten der Automatisierung zu überleben: ihre Mitarbeiter und der Überblick über das Geschäft. Wenn es darum geht, die Kultur zu verstehen und zu erkennen was gut funktioniert und was nicht, dann haben die Maschinen immer das Nachsehen.

Sie sind sicherlich nicht in der Lage, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen. Kaufen und Verkaufen war schon immer eine soziale Aufgabe, die am besten von Menschen realisiert werden kann. Durch neue Technologien werden Geschäftsprozesse in den nächsten Jahren stärker personalisiert, intelligenter und effizienter. Im Zuge der Veränderung wird die Beschaffung weniger taktisch und deutlich strategischer werden.

Doch die meisten Unternehmen sind bedauerlicherweise noch nicht darauf vorbereitet. Im Rahmen der Diskussion teilte Marcell Vollmer die Ergebnisse der „CPO 2108 Survey“ mit, eine Umfrage die von SAP Ariba und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt durchgeführt wurde. Die Ergebnisse stehen zum Download unter The Next Big Thing In Procurement zur Verfügung.

Während 83 Prozent der befragten Unternehmen davon überzeugt sind, dass der digitale Wandel Wirkung zeigen wird, gaben nur fünf Prozent an, dass Standardprozesse in ihrem Unternehmen hochgradig automatisiert ablaufen. Neben Budgeteinschränkungen sind Analysen und Datenmanagement die größten Hindernisse, die effizienten Funktionsabläufen im Wege stehen. 30 Prozent der Befragten haben die Bedeutung des Talent Management in Bezug auf Veränderung erkannt. Aber 63 Prozent verfolgen noch keine Mitarbeiterstrategie.

Mitarbeiter und Sinnorientierung

Doch es gibt auch gute Nachrichten: 88 Prozent der Befragten haben Zielvorgaben für die Beschaffung definiert und den Wert einer sinnorientierten Unternehmensführung erkannt. Sie wissen, dass Korruption und Kinderarbeit die größten Risiken darstellen.

Natürlich werden die Unternehmen keine Roboter einstellen, um so weitreichende Probleme zu lösen. Um diese Dinge werden sich auch weiterhin die Mitarbeiter kümmern. Die Herausforderung besteht jetzt darin, die Anwender richtig zu schulen, denn sie wissen nicht, wie sie die Software am besten nutzen können. Zudem sind die Tools auch nicht wirklich intuitiv.

„Die Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter gezielter anleiten und ihnen besser vermitteln, wie sie die Daten effektiver nutzen können. Nehmen wir als Beispiel das Thema Zwangsarbeit“, sagt KI-Experte Marcel „Durch das Wissen um die Regionen, Rohstoffe und die Besonderheiten der Aufgabe, kann KI den Unternehmen helfen, die Bereiche zu ermitteln, in denen das Risiko von Zwangsarbeit in Lieferketten besteht. Sie können dann entsprechende Maßnahmen ergreifen. Unternehmen sehen heute nur die obersten zwei oder drei Ebenen der Lieferkette. Aber diese Technologien können ihnen helfen, auch die tieferen Ebenen zu betrachten. Im Endeffekt geht es nicht um die Software, sondern um die Interaktion zwischen Menschen und die gewünschten Ergebnisse.“