SAP und Global Digital Women vernetzen Frauen in der Tech-Branche

Sie sind zahlreicher als man häufig denkt: Frauen machen mittlerweile einen signifikanten Anteil der Tech-Branche aus. Ihnen mehr Sichtbarkeit zu verleihen und sie miteinander in Kontakt zu bringen, hat sich die Organisation Global Digital Women zum Ziel gesetzt – seit diesem Jahr in strategischer Zusammenarbeit mit SAP.

“Diversity ist Voraussetzung für Innovation” sagt Elke Manjet, Senior Vice President HR für den Vorstandsbereich Products and Innovation bei SAP, die das erste gemeinsame Event von Global Digital Women am 4. September eröffnete. Rund 120 Frauen aus technischen und digitalen Berufsfeldern trafen sich im SAP Data Space in Berlin, um zu netzwerken und die Zukunft von Big Data zu diskutieren.

Ein wichtiges Thema für Frauen, wie Elke Manjet darlegte, denn Big Data wird – richtig angewandt – auch dazu beitragen, die sogenannte Gender Gap, also die Ungleichbehandlung der Geschlechter, zu beenden.

Big Data als Hebel für Diversity

Wenn Digitalisierung “die intelligente Vernetzung von Menschen, Dingen und Geschäftsfeldern” bedeutet, wie es Michelle Mensing, Softwareentwicklerin bei SAP in Palo Alto, in ihrer Keynote auf den Punkt brachte, dann ist Netzwerken eine Art natürlicher Bestandteil der digitalen Transformation. “Als Arbeitgeber für Frauen in der Tech-Branche liegt es für SAP nahe, mit Global Digital Women zu kooperieren und so ein Netzwerk aufzubauen, mit dessen Hilfe Frauen in der Tech-Branche ihr Potenzial realisieren können,” erklärt Elke Manjet.

“Networking war für mich schon immer ein wichtiges Thema,” sagt Tijen Onaran, die Gründerin von Global Digital Women, “auch als ich noch in der politischen Beratung tätig war. Der Stammtisch Digital Business Women, den ich vor drei Jahren hier in Berlin gegründet habe, hatte am Ende über 500 Frauen auf dem Verteiler.” 2017 nahm sie auf Einladung des State Department mit Unternehmerinnen aus 47 Ländern an einer Reise durch die USA teil. “Das war ein Augenöffner,” schildert Tijen Onaran diese Erfahrung. “Mir wurde klar, dass überall auf der Welt Diversity und Empowerment, Digitalisierung und Innovation die Themen sind, auch wenn die Voraussetzungen jeweils andere sind. Da wusste ich, dass ich eine globale Organisation für Frauen im digitalen Zeitalter ins Leben rufen werde.”

Anfang 2018 gründete sie Global Digital Women (GDW), eine Organisation, die sich durch Kooperationen mit internationalen Firmen finanziert, darunter neben SAP auch BMW, Fujitsu und Microsoft. Die Kooperationspartner stellen auch die Räumlichkeiten für die Networking-Events und Paneldiskussionen, die GDW regelmäßig in Berlin, Hamburg, München, Köln und Zürich veranstaltet.

“Bei Global Digital Women haben wir drei wichtige Ziele für Frauen in der digitalen Branche,” erklärt Tijen. “Netzwerken, um kluge, weibliche Köpfe zusammenbringen. Ihnen Sichtbarkeit verschaffen und so die Welt digitaler und weiblicher machen. Und Empowerment – Chancen eröffnen für weibliche Karrierewege und die Themen, mit denen Frauen in der Tech-Branche sich beschäftigen.”

Lone Aggersbjerg, Vice President Operations für Products and Innovation bei SAP und Initiatorin von Women in Tech@SAP, wo auch die Zusammenarbeit mit GDW verantwortet wird, hält Sichtbarkeit mit für den wichtigsten Punkt. “SAP hat zahlreiche interne Aktionen gestartet, um versteckte Juwelen – wie wir sie nennen – in unserer Belegschaft zu finden. Global Digital Women können uns hier mit ihrem Netzwerk unterstützen, das unseren Frauen helfen kann, Kontakte zu knüpfen und ihre Sichtbarkeit zu steigern, indem sie zum Beispiel als Sprecherinnen auftreten.” Die Partnerschaft zwischen SAP und Global Digital Women wird bei SAP von HR in Zusammenarbeit mit Products and Innovation getrieben.

Daten als Basis für innovative Technologien wie Blockchain, IoT und maschinelles Lernen

Das Panel bestehend aus fünf Expertinnen griff sehr schnell gesellschaftlich relevante Themen auf. Mit Big Data befinden wir uns an dem Punkt, an dem die technischen Entwicklungen unserer Zeit zusammenlaufen, denn Daten speisen all die anderen neuen Technologien wie maschinelles Lernen, Internet der Dinge oder Blockchain. Die Voraussetzung dafür, dass all diese Technologien funktionieren und ihr wahres Potenzial realisieren können, ist die Versorgung mit bereinigten Daten, die genau den Anforderungen der jeweiligen Technologie entsprechen.

Die Diskussionsteilnehmerinnen warfen deshalb die Frage auf, ob sich Europa durch seine strengen Datenschutzvorschriften womöglich selbst ein Bein stellt, wenn es um die Verfügbarkeit von Daten als Voraussetzung für die Nutzung und Weiterentwicklung neuartiger Technologien geht. Insbesondere für die Startup-Szene ist das eine berechtigte Sorge, doch wie Professorin Heike Hölzner von der HTW Berlin darlegte, wirken Veränderungen im regulatorischen und marktlichen Umfeld oft auch als Anstöße oder sogar Treiber für Innovationen. Gerade in der europäischen Startup-Szene kommen Gründer und Entwickler zusammen, die sich über Datenschutz Gedanken machen und an neuen Lösungen, wie der Idee einer „Self-Sovereign Identity“ arbeiten, also einer ausschließlich selbst-kontrollierten digitalen Identität auf Basis der Blockchain-Technologie.

“Sicher müssen wir als Nutzer auch das Bewusstsein für die Wichtigkeit unserer eigenen Daten entwickeln,” sagte Alexandra Galin von gtmhub, einem Startup, das eine datengetriebene Softwareplatform für Objectives und Key Results (OKRs) entwickelt hat und sich im SAP Data Space in Berlin befindet. “Doch darüber hinaus muss ich mich darauf verlassen können, dass Entwickler und Gesetzgeber sich Gedanken darüber gemacht hat, dass meine Daten geschützt werden, und dass entsprechende Regulierungen an Ort und Stelle sind.”

Artiona Bogo, Softwareentwicklerin und Business Developer für Blockchain bei SAP, verweist auf die Initiativen, die ihre Firma ergriffen hat, um Kundendaten zu schützen – lange bevor die DSGVO in Kraft trat. “Mit der dezentralisierten Blockchain-Technologie tun wir den nächsten Schritt,” erklärt sie. “Wir errichten mit dieser Technologie einen zusätzlichen Schutzwall um persönliche Daten, weil sie Partnern in einem Netzwerk die volle Kontrolle darüber gibt, wie viele ihrer eigenen Daten sie teilen wollen.”

Gleichzeitig betonte sie den Nutzen, den Big Data auf individueller Ebene bringen kann. Personal Analytics ist ein Anwendungsfeld, das sich gerade erst entwickelt und uns Aufschlüsse über unser eigenes Leben wird geben können, die wir ohne Big Data nicht gehabt hätten.

Inwiefern sich Big Data als Hebel gegen Diskriminierung nutzen lässt, war auch für das Panel ein wichtiges Thema. Big Data wird die Diskriminierung nicht abschaffen, wurde man sich einig, doch richtig angewandt kann es dazu beitragen, vorurteilsfreiere Entscheidungen möglich zu machen. Elke Manjet erklärte: “Das versuchen wir bei SAP grundsätzlich mit unserer Software, etwa in Recruitingprozessen, wo Daten genutzt werden, um Entscheidungsmuster zu identifizieren und im positiven Sinne zu beeinflussen.” Frauen in der Tech-Branche müssten die neue Norm werden, führt sie weiter aus.

“SAP sieht allerdings wie viele andere Tech-Firmen derzeit noch Handlungsbedarf, damit immer mehr Frauen in technische Berufe kommen. Da hilft die strategische Zusammenarbeit mit Global Digital Women, uns als Arbeitgeber für Women in Tech zu positionieren. So gelingt es uns, ein Netzwerk von Frauen aufzubauen und zu pflegen, die sich gegenseitig inspirieren.”