SAP-Partner Social Coin baut KI-Plattform, die soziales Verhalten belohnt

Es ist nicht einfach, etwas zu schaffen, das das Leben von Menschen auf der ganzen Welt besser macht. Ivan Caballero ist das gelungen – mit einer Analyseplattform auf Basis künstlicher Intelligenz.

Caballero ist CEO und Gründer von Social Coin, einem Unternehmen mit Sitz in Barcelona, das 2013 nicht als Firma, sondern als Bürgerbewegung ins Leben gerufen wurde. Das Ziel von Social Coin ist es, Hilfsbereitschaft und gemeinnütziges Verhalten zu fördern: Nutzer können durch die Vergabe sogenannter Social Coins, einer Kryptowährung mit nachvollziehbaren Zahlungswegen, andere für ihr soziales Engagement belohnen.

Heute ist Social Coin ein Hightech-Unternehmen, das immer noch das gleiche Ziel verfolgt: die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Außerdem hat Social Coin das Unternehmen Citibeats entwickelt, eine Analyseplattform, die künstliche Intelligenz nutzt, um gesellschaftliche Entwicklungen und Anliegen für Unternehmen und Regierungsorganisationen sichtbar zu machen.

Social Coin: NTT Data Open Innovation Contest 2016 Winner



Dazu analysiert die Citibeats-Plattform große Datenmengen und erkennt, kategorisiert und bündelt die Einstellungen der Menschen. Durch qualitative Analysen und Stimmungsauswertungen werden so die individuellen Anliegen der Menschen herauskristallisiert.

Caballero erklärte: „Der von uns entwickelte Algorithmus für maschinelles Lernen wandelt Daten aus natürlicher Sprache in wertvolle Informationen um, anhand derer Entscheidungsträger sinnvolle Konzepte erstellen können.“

Städte wie Barcelona und Dublin nutzen Citibeats, um von ihren Einwohnern direkte Rückmeldung zu gesellschaftlichen Themen zu erhalten.

Städte wie Barcelona und Dublin nutzen Citibeats, um von ihren Einwohnern direkte Rückmeldung zu gesellschaftlichen Themen zu erhalten. So können diese Städte bestimmte lokale Zustände genauer erkennen und verstehen. Im spanischen Katalonien machten sich Bildungsverantwortliche Sorgen, da sich immer weniger Mädchen für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) interessierten.

Mithilfe von Citibeats analysierte die Stadt, was die Mädchen über die MINT-Fächer dachten und welche Bildungsangebote sie interessant fanden. Auf Basis der Analyseergebnisse entwickelt Katalonien nun Programme, die genau auf die Bedürfnisse der Mädchen zugeschnitten sind. „Wir erwarten, dass nach mehreren Jahren, in denen die Zahl der weiblichen Teilnehmer rückläufig war, im kommenden Jahr wieder mehr Mädchen MINT-Fächer belegen werden. Ermöglicht wird diese Trendwende durch den technologischen Fortschritt, der uns geholfen hat, die Gründe für den Rückgang zu verstehen“, meinte Caballero.

Gemeinnütziges Engagement wird belohnt

Caballero ist seit fast 20 Jahren Unternehmer. Er hat fünf Start-ups ins Leben gerufen, von denen eines geschlossen werden musste, nachdem der wichtigste Kunde von heute auf morgen sein Geschäft aufgab. „10 Minuten, nachdem ich das erfahren hatte, rief meine Frau an und erzählte mir, dass sie schwanger war. Innerhalb von einer Stunde wurde ich so vom erfolgreichen Unternehmer zu einem Gescheiterten, der auch noch Vater wurde“, erzählte er.

Diese plötzliche Veränderung in seinem Leben veranlasste Caballero, seine Prioritäten neu zu überdenken. Von nun an war es sein Ziel, das Verhalten der Menschen zu verbessern: „Bis dahin hatte ich mich mit vielen Dingen beschäftigt. Auf einmal stellte ich mir die Frage: Was ist mein Lebensziel? Ich wollte Freundlichkeit mit Freundlichkeit belohnen.“

Caballero erläuterte, dass Studien zufolge 93 Prozent der Menschen keine Veranlassung sehen, anderen zu helfen. Winkt jedoch eine Belohnung, dann steigert das die Hilfsbereitschaft. Aus dieser Erkenntnis heraus wurde Social Coin geboren.

Das Team um Caballero verteilte nach und nach Social Coins an ihr Umfeld und inspirierte so immer mehr Menschen, selbst Gutes zu tun und die nachverfolgbaren Coins auch an andere zu vergeben, die ebenfalls soziales Engagement zeigten. Die Bewegung wurde ein Riesenerfolg und bis heute wurden über 20.000 Social Coins verteilt. Über 100 Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Gemeinden haben die Technologie lizenziert und damit über eine Million gute Taten in über 70 Ländern belohnt. Erst kürzlich kam der Vorsitzende der Handelskammer von Dubai hinzu.

2015 wurde Social Coin von den Vereinten Nationen mit einem World Summit Award sowie als Teil des Programms Horizon 2020 der Europäischen Union ausgezeichnet.

Nun plante Caballero den nächsten großen Schritt: Er wollte Behörden und anderen Organisationen dabei helfen, die Anliegen ihrer Bürger und Mitarbeiter besser zu verstehen. Dann sollte ein System entwickelt werden, mit dem man diejenigen belohnen kann, die zur Lösung dieser Probleme beitragen.

Künstliche Intelligenz hilft Städten bei der Lösung von Verkehrsproblemen

Hier kam Citibeats ins Spiel.  Ein von Social Coin entwickelter Algorithmus verwandelt Informationen in natürlicher Sprache (aus sozialen Medien, Nachrichten, RSS usw.) in verwertbare Erkenntnisse, mit deren Hilfe man soziale Trends erkennen und kategorisieren kann. So können Kunden präzise Situationsanalysen erstellen und mögliche Lösungen priorisieren.

Erst vor Kurzem wurde die Anwendung im Rahmen eines Projekts in Barcelona genutzt, das Probleme mit dem Verkehr, der Parksituation und weitere Schwierigkeiten rund um die Themen Transport und Mobilität aufdecken sollte. Die Erkenntnisse aus derartigen Projekten helfen Städte dabei, bessere Lösungsstrategien zu entwickeln.

Caballero erläuterte zu dem Projekt: „Wir erkennen, wie viel jeder Einzelne für die Gemeinschaft tun kann. Wer einen positiven Beitrag leistet, kann Punkte sammeln, die er dann gegen Nahrungsmittel, Bildung oder andere wichtige Güter eintauschen kann. Genau da wollen wir hin und die SAP-Technologie wird uns helfen, dieses Ziel zu erreichen.“

SAP ist die Software von 99 Prozent aller Smart Citys weltweit.

Citibeats setzt auf SAP, denn SAP ist „die Software von 99 Prozent aller Smart Citys weltweit“, so Caballero weiter. „Citibeats läuft auf der SAP Cloud Platform und alle Daten können über die SAP Analytics Cloud genutzt werden.“

Außerdem arbeitet Social Coin laut Caballero an einer SAP-qualifizierten Partnerpaketlösung rund um das Thema soziales Engagement. Das Unternehmen habe ehrgeizige Pläne für die Entwicklung weiterer ähnlicher Anwendungen.

Caballero weiter: „Die nächste Herausforderung besteht für uns darin, die Kryptowährungen der Zukunft zu stärken. Wir sehen unsere Zukunft als einen Ort, an dem wir alle weniger arbeiten müssen. Unzählige Maschinen werden viele der anfallenden Arbeiten erledigen. Denkbar ist ein allgemeines Grundeinkommen, ergänzt durch ein Bonussystem, das den sozialen Beitrag jedes Einzelnen belohnt. Wir werden die Software entwickeln, die diesen Beitrag messen kann“, kündigte Caballero an. „Das mag wie ein weit entferntes Ziel klingen, aber wir sehen es als realistisch an und sind sicher, dass wir dazu beitragen können, es zu erreichen.“