Transportmanagement: Brose setzt wieder auf Eigenregie

Ende 2017 hat Brose das Transportmanagement in Europa selbst in die Hand genommen. Durch eine agile Vorgehensweise benötigte der Automobilzulieferer für das „Insourcing der Transportabwicklung“ weniger als ein Jahr. Die Vision liegt darin, eine weltweite Plattform als Single Point of Truth zu schaffen.

Ob Verstellsysteme für Autositze, Elektromotoren für die Lenkung und den Antriebsstrang, Fensterheber oder Schlösser für Türen und Heckklappen: Knapp 500 Lieferanten und 22 Werke sind beim Autozulieferer Brose involviert, um über 10.000 Transporte jährlich zuverlässig ausliefern zu können. Das Netzwerk ist komplex, innerhalb dessen der Autozulieferer Brose seine Transporte plant und mit dessen Hilfe die nötige Fertigungstiefe sichergestellt werden kann. Bis vor kurzem haben externe so genannte 4th-Party-Logistics-Provider die Planung der Transporte für das Unternehmen übernommen, das 2017 über 6,3 Milliarden Euro Umsatz machte und rund 26.000 Mitarbeiter weltweit beschäftigt. Doch wurden die Bestellungen in den letzten Jahren immer individueller und kleinteiliger. Zudem nahm das Volumen kontinuierlich zu, so dass zuletzt jährliche Transportkosten von 30 Millionen Euro anfielen. Daher entschied Brose Mitte 2016, dass die Transportplanung zur Kernkompetenz des Unternehmens gehören müsse.

Transportmanagement: Intern Wissen aufbauen

Jetzt also hieß es: Transporte selber managen. Das Insourcing des Transportmanagements bedeutete gleichzeitig, dass zusätzliche Ressourcen aufgebaut werden mussten. „Systemverständnis aufbauen“, nennt das Johannes Scherer von der Brose-IT. Dort wurde zur Einführung eine neue Mannschaft aufgebaut, die sich nun ausschließlich mit Transportmanagement beschäftigt. Da der Zulieferer bereits einen „SAP-Footprint“ im Unternehmen hatte, mangelte es nicht an SAP-Know-how, allerdings zunächst an Spezialwissen über Transportmanagement, besonders hinsichtlich der modernsten SAP-Lösung SAP TM.

Auch wenn SAP bereits im Unternehmen etabliert war, sei das nur ein Faktor unter vielen dafür gewesen, dass SAP TM als neue Software für das interne Transportmanagement gewählt wurde. „SAP TM hat am besten zu unserer Situation gepasst“, so Scherer. Ganz ohne fremde Hilfe wollte das Brose-Team allerdings nicht in die Umsetzung gehen. Einerseits ging es natürlich um Know-how in Hinsicht auf die Lösung SAP TM, andererseits aber auch darum, dieses Projekt agil umsetzen zu wollen. Der Vertrag mit dem externen Logistikdienstleister lief vertragsgemäß am 31. Dezember 2017 aus. Bis dahin also musste das interne Transportmanagement tadellos laufen.

Agile Implementierung für Transportmanagement: Alle zwei Wochen neue Funktionalitäten zur Abnahme

„Der enge Zeitrahmen bot uns die Chance, auf die agile Entwicklungsmethode zu setzen“, erläutert Scherer. Das iterative Vorgehen, das Brose mit externer Unterstützung durch den IT-Dienstleister abat AG aus Bremen anging, bedeutete schließlich, dass es alle zwei Wochen neue funktionale Features gab, die spezifiziert und implementiert wurden und die vom Fachbereich frei gegeben werden konnten. Ab Mitte des Jahres bis zum Jahresende rollte Brose die Software nun nach und nach aus. Diese kleinen aber stetigen Fortschritte im Projekt gaben dem Brose-Management schnell die Gewissheit, dass der anvisierte Zeitplan wie vorgesehen eingehalten werden kann. Fragen von Lieferanten zu Abläufen und Status beantwortete während der Implementierungsphase ein Shared Service Center als „Single Point of Contact“ in Tschechien. Dessen Aufgabe besteht darin, den Helpdesk zu besetzen, neue Routen aufzunehmen, Lieferanten anzulegen und Bedarfe zu verplanen.

Landverkehr: Seit Dezember 2017 plant Brose seine Transporte über SAP TM

„Alle knapp 500 Lieferanten in Europa sind nun über unser Extranet angeschlossen“, so Scherer über den Status. Auch Lieferungen ins Ausland werden über SAP TM geplant und dann etwa an Häfen einem so genannten Oversea Consolidation Center übergeben. Zudem soll SAP TM künftig auch für die so genannten NAFTA-Länder Kanada, Mexiko und die Vereinigten Staaten zur Verfügung stehen und weitere Prozesse etwa für die Seefracht und Sonderfahren entwickelt werden. Die Vision von Brose geht allerdings noch einen Schritt weiter – bis zu einem weltweit einheitlichen System als Single Point of Truth, der für Synergieeffekte sorgen und die logistischen Prozesse des Familienunternehmens weiterentwickeln soll.

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Foto: BROSE