Blockchain im Handel: Unterschätztes Potenzial

Bisher wird die Blockchain als Technologie in der Handelsbranche eher selten genutzt. Ein Blockchain-Pilotprojekt mit GS1 Germany und weitere Anwendungsbeispiele von SAP zeigen, was heute bereits möglich ist.

Einfach gesagt ermöglicht die Blockchain-Technologie die Integration aus verschiedenen Quellen für eine vertrauensvolle Datenwahrheit. „Und zwar nicht an einem zentralen Ort, sondern auf vielen dezentralen Knoten im Netz, auf deren verschlüsselte Daten Netzwerkteilnehmer unverzüglich zugreifen können“, definiert Elvir Faskel, SAP-Experte für Innovationen im Handel, die junge Technologie. Durch die verschlüsselte und für jeden Teilnehmer sichtbare Dokumentation einzelner Schritte in so genannten Blocks und deren identischer Kopien auf zahlreichen Knoten, wird die Blockchain praktisch unveränderbar. Die eingepflegten Daten sind dadurch sicher. Insbesondere zugangsbeschränkte Blockchains, die für einen selektierten Nutzerkreis aufgesetzt werden, bieten beste Voraussetzungen, die Blockchain im Handel zu etablieren.

GS1 Germany testet Blockchain bis Ende 2018

Einen Vorstoß unternimmt gerade die Standardisierungsgesellschaft GS1 Germany. Sie startete erst vor wenigen Monaten ein Pilotprojekt, in dem Hersteller, Spediteure und Empfänger per Blockchain die Weitergabe von Paletten transparent und sicher machen wollen. „Etwa 500 Millionen Paletten im Wert von 2,5 Milliarden Euro sind schätzungsweise in Europa im Umlauf“, erläutert die Verantwortliche für Innovationsprojekte Stephanie Ziegler, „durchschnittlich werden sie auf dem Weg vom Sender und Empfänger zweimal getauscht.“ Der Nutzerwechsel wird bisher auf Papier dokumentiert. „Ein unübersichtlicher Tauschprozess“, befindet Ziegler. Derzeit haben knapp 30 Unternehmen von der Beiersdorf AG über die Deutsche Bahn, Oetker, Dm, Kaufland bis hin zu SAP das Ziel, die Blockchain bis Ende des Jahres auf „Herz und Nieren“ zu testen, wie im GS1-Blog zu lesen ist. Das ist nicht einfach: „Es gab hitzige Diskussionen, Umwege, „dead ends“ und Aha-Momente“, schreibt etwa Lekkerland im Blog über einen Governance-Workshop Mitte August und sprach von einer „Herausforderung, alle Sichten unter einen Hut zu bekommen“. Oetker hingegen hat sich wenige Tage später die „fast finale Version“ des Frontends der Blockchain-Anwendung bereits angeschaut: „Der Transfer der Anforderungen aus dem Logistik-Bereich hin zur IT ist sehr gut gelaufen“, lautet das Fazit des Nahrungsmittelherstellers.

Problem beim Kunden lösen

Das Beispiel zeigt: Die Blockchain zu etablieren bedarf Vorüberlegungen. Unternehmen, die ihre Prozesse verbessern wollen, geht es nicht darum, die Blockchain einzuführen, sondern die geeigneten technologischen Bausteine für ihr Vorhaben zu identifizieren. „Wir wollen keine Technologie platzieren, sondern ein Problem beim Kunden lösen“, sagt Ziegler von SAP Innovation Consulting Services, „dabei kann die Blockchain helfen, muss aber nicht.“ In der Regel sind es nach Erfahrung von Ziegler drei Vorteile, die für Unternehmen interessant sind:

  • Für den Einsatz einer Blockchain werden Prozesse digitalisiert und dadurch verbessert.
  • Die Transaktionen werden sicher und die Abwicklung vereinfacht, da alle auf die gleiche dezentrale Datenquelle zugreifen.
  • Die gesamte Lieferkette wird für die Lieferanten, Händler und Kunden transparent.

Blockchain: QR-Code ermöglicht Konsumenten Einblicke in die Handelswege

Besonders die steigende Kundenzufriedenheit ist ein wichtiger Faktor in der Argumentation von Ziegler, wenn sie das SAP-Leonardo-Portfolio bei Kunden aufklappt und auf die Blockchain zu sprechen kommt. „Per App kann etwa ein Kunde nachvollziehen, ob der Landwirt fair bezahlt wurde, von dem Gemüse oder Obst stammt und ob es biologisch angebaut wurde“, so Ziegler. Um zu demonstrieren, was die Blockchain leisten kann, hat SAP ein Fallbeispiel für die Produktion und Vermarktung eines Smoothies konzipiert. Darin produziert Landwirt Dave in Südamerika Ananas. Für die Ernte ist José zuständig. Den Transport übernimmt Robert. Die Verarbeitung und Abfüllung liegt in Michaels Verantwortung, ehe ein Kunde den Smoothie im Supermarkt kauft. Schon vor der Produktion registriert Robert seinen Betrieb in der Blockchain und erbringt den Nachweis, dass er biologisch anbaut und sich an den Fairtrade-Regularien orientiert. Ist die Ananas geerntet und mit Etikett versehen, bestätigt José die Menge seiner Lieferung an den Logistiker, der den Transport in verschiedene Chargen aufteilt. Auf dem Weg von Südamerika nach Deutschland wird die Ware gehandelt und verschiedene Abnehmer haben sich gefunden, die ihre Ananas etwa für Smoothies verwenden. „Jede einzelne Transaktion ist in der Blockchain einzusehen“, erläutert Ziegler. Zuletzt bekommt der Smoothie ein Etikett mit QR-Code, über den sich der komplette Handelsweg nachvollziehen lässt. SAP spricht hier von „Trust by Transparency“. Noch dazu lassen sich Wenn-Dann-Szenarien automatisieren. „Man braucht nicht mal mehr jemanden, der aufs Knöpfchen drückt, um ein Dokument zu generieren“, so Faskel, „das geschieht automatisch im Hintergrund.“

Weitere Informationen:

Im „SAP-Blockchain-Co-Innovation-Programm“ sind derzeit über 80 Unternehmen organisiert, darunter Boehringer Ingelheim. Es dient dazu, sich kontinuierlich mit anderen Unternehmen austauschen, die Blockchain-Projekte aufsetzen. Kunden können sich hier für das Blockchain-Programm anmelden.

Interessiert an Innovationsthemen im Handel? Vereinbaren Sie einen Termin mit Stephanie Ziegler oder Elvir Faskel im SAP Digital Studio in Ratingen: Hier werden anhand von Showcases rund um Blockchain, Machine Learning und IoT Anwendungen greifbar gemacht. 

stephanie.ziegler@sap.com; +49 (151) 44614556; LinkedIn

elvir.faskel@sap.com; +49 160 90820163; LinkedIn