Die digitale Logistikkette – Katalysator für Umsatzwachstum und zufriedene Kunden

Der digitale Wandel im Logistikbereich bietet den Unternehmen neue Chancen. Lesen Sie hier, welche Voraussetzungen nötig sind und was die Experten darüber denken.

Begeisterte Kunden sind nicht das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man über die Ziele eines erfolgreichen Supply Chain Managements nachdenkt – traditionell stehen dabei höhere Effizienz und niedrigere Kosten im Mittelpunkt. Doch in der digitalen Wirtschaft passiert alles in Echtzeit und im Idealfall mit hoher Transparenz in allen Prozessschritten. Deshalb hat hier die Logistikkette das Potenzial, Innovation und Differenzierung in Ihr Unternehmen zu bringen, was wiederum zur Steigerung des Umsatzes und der Kundenzufriedenheit führt.

Das intelligente Unternehmen verwirklichen

Für SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert sind es die anspruchsvollen Kunden von heute, die Unternehmen zwingen, ihre Strategie zur schnellen Bereitstellung von einzigartigen Produkten und Services zu überdenken. Konkret bedeutet das: Vorhandene Prozesse müssen umgestaltet werden, um die Erwartungen der Kunden schnell erfüllen zu können. Das betrifft den gesamten Lebenszyklus von Produkten, vom innovativen Design über reaktionsschnelle Planung, flexible Fertigung und Echtzeit-Abwicklung bis hin zu vorausschauender Wartung und Serviceleistungen. Hinzu kommt, dass die digitale Logistikkette durch eine geeignete Kombination aus Software und ergänzenden Technologien unterstützt werden muss. Wie Bernd Leukert erläuterte, setzt die SAP an mehreren Hebeln an, um die Verwirklichung des intelligenten Unternehmens voranzutreiben – nicht nur bei der Effizienzsteigerung, sondern auch beim intelligenten Management des gesamten Unternehmens mithilfe der intelligenten Suite und Technologien wie dem Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz, maschinellem Lernen und Blockchain. „Die Chance ist riesengroß. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Zukunft zu gestalten”, so Leukert.

SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert hält einen Vortrag beim Digital Supply Chain Leadership Forum.
SAP-Vorstandsmitglied Bernd Leukert beim 5. Executive Leadership Forum des Digital Supply Chain Institute in Walldorf.

Die digitale Logistikkette kann die Richtung weisen

„Wie auch immer Ihr Unternehmen aufgestellt ist – traditionell oder von Anfang an auf digitale Wirtschaft ausgerichtet –, Sie müssen aktiv werden und die Logistikkette digitalisieren, wenn Sie glückliche Kunden haben möchten“, sagte George Bailey, Managing Director des Digital Supply Chain Institute (DSCI), auf dem 5. Executive Leadership Forum des DSCI in Walldorf in einer Diskussionsrunde zu aktuellen Trends und Herausforderungen. Das Thema „glückliche Kunden“ griff Hala Zeine auf, President von Digital Supply Chain bei der SAP. Auch sie unterstrich, dass „Kunden heute anspruchsvoller sind denn je und Unternehmen deshalb zuerst ihre Geschäftsprozesse und dann die Tools ändern müssen“.  Dabei betonte Zeine, wie wichtig es sei, mit den Prozessen zu beginnen und erst dann die geeignete Technologie auszuwählen: „Keine Technologie kann geschäftliche Probleme lösen, ohne dass vorher die notwendigen Veränderungen stattgefunden haben und die Produkte und Services für die Verbraucher optimiert worden sind. Letztendlich beruht ein erstklassiges Kundenerlebnis auf einem erstklassigen Produkt oder Service: Versetzen Sie sich in den Kunden hinein, stellen Sie sich vor, was er braucht, um ein glücklicher Kunde zu sein, und überdenken Sie dann Ihre Geschäftsprozesse entsprechend.“

Glückliche Mitarbeiter in der digitalen Logistikkette

Es gibt Stimmen, die sagen zufriedene und glückliche Mitarbeiter ermöglichten überhaupt erst die Entwicklung von Produkten und Services, die Kunden begeistern. Die Krux dabei sei jedoch, so Zeine, „dass wir Menschen mit einer modernen Lebenseinstellung engagieren, von diesen aber erwarten, dass sie veraltete Geschäftsprozesse durchführen“. Wie Zeine bemängelte, „wollen die Top-Führungskräfte eine vernetzte, auf Zusammenarbeit basierende Logistikkette, während die Unternehmen und sogar deren einzelne Abteilungen weiterhin isoliert voneinander agieren“.

Hala Zeine von SAP hält einen Vortrag beim Digital Supply Chain Leaderhsip Forum.
Hala Zeine, President von Digital Supply Chain bei der SAP, beim 5. Executive Leadership Forum des Digital Supply Chain Institute in Walldorf

Der digitale Wandel hat auch einen Einfluss darauf, welche Qualifikationen in Zukunft in Unternehmen benötigt werden. Die Angst davor, den eigenen Job an einen Roboter zu verlieren, ist allgegenwärtig, und wir müssen diese Angst ernst nehmen. Die entscheidende Frage ist, wie wir mit diesem Wandel umgehen. Wie verwirklicht man das digitale Datenmodell, und welche Veränderungen bringt das für die Menschen mit sich? Man braucht neue Möglichkeiten, Nachwuchskräfte zu gewinnen, zu binden, weiterzuentwickeln und in Ihre Belegschaft zu integrieren.

Wie George Bailey es ausdrückte: „In der digitalen Welt brauchen Sie Menschen, die all die Daten, die zu Ihrer Logistikkette oder Ihrem Produkt gehören, sinnvoll nutzen können. Diese ‚Datenwissenschaftler‘ analysieren nicht einfach nur vorhandene Daten, sondern sind in der Lage, Daten zu modellieren und anhand von Hypothesen auszuwerten. Dadurch entdecken sie neue Chancen, die Potenzial für geschäftlichen Nutzen bergen.“

Umsatzwachstum in der modernen digitalen Logistikkette

Ebenso wie zufriedene Mitarbeiter brauchen Unternehmen natürlich zufriedene Kunden, denn zufriedene Kunden sorgen für mehr Umsatz. Laut einer Untersuchung des DSCI „sind 25 führende Logistikkettenleiter von großen internationalen Unternehmen übereinstimmend der Meinung, dass die digitale Logistikkette eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich 10 Prozent bewirkt“. Schlüsselfaktoren sind dabei die Schaffung eines hohen Mehrwerts in Bezug auf Nutzerfreundlichkeit oder Preis, die Transparenz der Logistik­kette, um bessere Produkte und Services entwickeln zu können, die Entwicklung neuer Geschäfts­modelle, die die Generierung von Umsatz aus bisher nicht vorhandenen Quellen ermöglichen, und die Ankurbelung des Verkaufs durch personalisierte Produkt- und Serviceangebote.

Ein Beispiel für die Nutzung dieser Einblicke ist die Integration vernetzter Lösungen im Gesundheitswesen. Wenn Verbraucherunternehmen beispielsweise eine App zu einem Produkt anbieten, schaffen sie ein neues Kundenerlebnis und können gleichzeitig Daten für Kundenprofile sammeln, anhand derer sie die richtige Zielgruppe ansprechen können. Zudem können diese Daten, nach Zustimmung, für Forschungsstudien bereitgestellt werden.

Intelligente Technologien mit Algorithmen effizient einsetzen

„Daten sind nützlich, wenn sie die Grundlage für Entscheidungsprozesse in der gesamten Logistikkette sind und in Algorithmen verwendet werden, die faktenbezogene Formeln sind und mit jeder Transaktion intelligenter werden“, sagte Bailey. Algorithmen sind das A und O in einer Welt, in der „die Konsumenten die Macht haben und ein digitales Erlebnis erwarten und gleichzeitig die Barrieren für den Markteintritt niedriger geworden sind“, meinte der CIO einer führenden Bekleidungsmarke. Nach Aussagen des IT-Vorstands bietet seine Marke nicht einfach nur Bekleidung, sondern ein ganzes Spektrum von Tools und Daten zur Beobachtung der individuellen Leistung und Ernährung, zum Lesen von personalisierten Inhalten und zum Online-Informationsaustausch mit der Community. Dieses Angebot ermöglicht die Personalisierung und den Aufbau einer Wissensdatenbank rund um den Verbraucher. Anhand dieser Kenntnisse kann das Unternehmen den Kundenkontakt optimieren und die Markenbindung stärken.

Chancen und Risiken von Blockchain

„Die Blockchain ist überall – aber wo sind die Ergebnisse?“,  fragte Shawn Muma vom DSCI. Der Großteil der Implementierungen sind derzeit noch Pilotprojekte, und die meisten Unternehmen befinden sich noch in der Phase der Informationsgewinnung und Beobachtung. „Sie müssen Anwendungsfälle definieren, die ein geschäftliches Problem lösen und Mehrwert schaffen“, so Muma.

Und während die Blockchain-Technologie ein völlig neues Wachstumsfeld eröffnet, bringt sie auch Aspekte mit sich, die sorgfältig betrachtet werden müssen. Einer davon ist die Datenschutz-Grundverordnung (DSVGO). Wie David Kappos, Partner bei der Anwaltskanzlei Cravath, Swaine & Moore, erklärte, „sind die Charakteristika von Blockchain und der DSGVO diametral entgegengesetzt. Blockchain ist unveränderbar, global, innovativ und stark verteilt, wogegen die DSGVO sicherstellt, dass jeder Mensch das Recht auf Vergessenwerden hat, jeglichen Datentransfer ohne Erlaubnis verbietet und Technologie erfordert, in die Datenschutz von Anfang an integriert ist, damit eine faire Verarbeitung personenbezogener Daten gewährleistet ist.“

Den Wandel mitmachen oder den Anschluss verlieren

Entweder sind Supply-Chain-Organisationen Vorreiter und gestalten selbst den Aufbruch, oder die anderen brechen ohne sie auf. Im Endeffekt ist alles eng mit der Zufriedenheit der Menschen verknüpft – sowohl der Kunden als auch der Mitarbeiter. Unternehmen können diese Zufriedenheit mit Technologien, Prozessen und der richtigen Mitarbeiterstrategie beeinflussen. Sie können anhand der verfügbaren Daten Prozesse entwickeln, deren Ziel darin besteht, die Bedürfnisse der Kunden zu erfüllen. Außerdem müssen sie die Risiken im Blick behalten, und in die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter investieren. Wenn sie sich auf diese Strategien konzentrieren, gestalten sie den Aufbruch und bauen eine starke funktionsübergreifende Logistikkette auf.

Die Digitalisierung der Logistikkette ist ein Schwerpunktthema des Center of Global Excellence (CGE). Das CGE ist ein privates, nicht kommerzielles, unabhängiges Forschungsinstitut, das sich vielfältigen Initiativen zur Gestaltung einer besseren Zukunft für die Wirtschaft und die Gesellschaften in aller Welt widmet. Die SAP hat es sich zum Auftrag gemacht, die Abläufe der weltweiten Wirtschaft und das Leben von Menschen zu verbessern und dabei die UN-Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Somit bilden die SAP und das CGE ein ideales Team, wenn es darum geht, die Kräfte für eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft für Unternehmen und jeden einzelnen Menschen zu bündeln.

So war die SAP am 4. und 5. Oktober Gastgeber des 5. Executive Leadership Forum des Digital Supply Chain Institute in Walldorf. Das Digital Supply Chain Institute (DSCI) des CGE ist ein führendes Forschungsinstitut, das sich schwerpunktmäßig mit der Weiterentwicklung von Logistikketten in der digitalen Wirtschaft und der Schaffung und praktischen Anwendung von Best Practices im Bereich Supply Chain Management befasst.