Nachhaltigkeit ist gut fürs Geschäft

Nicht nur angesagte Marken wie Reformation, TOMS und Seventh Generation machen mit Initiativen für umweltfreundlichere Geschäftspraktiken von sich reden. Es gibt zahlreiche Marken, die sich den Umweltschutz auf die Fahne geschrieben haben und sozial verträglich sein wollen. Was der Begriff „Nachhaltigkeit“ für die Logistik der Zukunft bedeutet.

Heutzutage geht es beim Thema Nachhaltigkeit immer mehr um Entwicklung und bahnbrechende Technologien, und sie entsteht aus guter Planung und einer pragmatischen Einstellung zum Geschäft.

Die Zeiten sind vorbei, als der Erfolg einer Marke von einem Geschäftsmodell abhing, bei dem sich niemand Gedanken darüber machte, wie viel Abfall produziert wurde, ob die Umwelt belastet wurde oder wie es den Menschen erging, die die schmutzige Arbeit für einen Hungerlohn erledigten. Heute erwarten die Verbraucher von den Unternehmen, dass sie unnötige Abfälle vermeiden, verantwortungsvoll einkaufen und bei Transport und Logistik auf ökologische Optionen setzen.

Schlagen sich dieser zusätzliche Druck und diese neue Komplexität im Unternehmensergebnis nieder? Hala Zeine, President of Digital Supply Chain bei der SAP, meint dazu: „Ich habe festgestellt, dass Nachhaltigkeit und Kosten in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Niemand möchte zu viel produzieren und unnötige Bestände anhäufen. Es läuft also auf eine bessere Planung, Vorlaufzeiten und so weiter hinaus.“

Nachhaltigkeit in der Lieferkette

Hala Zeine leitet einen komplexen Bereich, zu dem mehrere Portfolios gehören. Jeden Tag hat sie mit Unternehmen zu tun, die immer mehr darüber lernen, wie und warum Nachhaltigkeit in der Lieferkette in der heutigen Geschäftswelt erfolgsentscheidend ist, und entsprechende Pläne schmieden.

„In funktionaler Hinsicht arbeite ich an der Vermarktungsstrategie insgesamt sowie an der Entwicklung der betreffenden Produkte, auch für die Cloud. Dabei wird jeder Punkt in der Lieferkette betrachtet. Es ist einfach, ein Produkt auf einem Weg zu verfolgen, aber seine Rückverfolgung ist erheblich schwieriger“, führt Zeine aus.

In gewisser Hinsicht ist der Begriff „Nachhaltigkeit“ heute breiter gefasst als früher. Er bedeutet mehr, als dass Menschen, denen die Umwelt am Herzen liegt, ihre Mission höher bewerten als ihr Streben nach Gewinn. Heute gehört zur Nachhaltigkeit all das, was wir mit einem soliden Unternehmen verbinden. Im Transportmanagement beispielsweise geht es darum, von Anfang an besser zu planen. Es gilt, aus jedem Schritt der Lieferkette noch den kleinsten Effizienzgewinn herauszupressen. Von jedem Produkt soll explizit nicht mehr als nötig hergestellt werden. Damit sinken natürlich die Kosten pro Einheit sowie die Lager- und Versandkosten, und letztendlich wird auch Abfall vermieden. Arbeitssicherheit ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Und es wird eine intelligente Fertigung angestrebt. Gewünscht sind Produkte aus Komponenten, die wieder zerlegt und wiederverwendet werden können.

„Ich habe festgestellt, dass Nachhaltigkeit und Kosten in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Niemand möchte zu viel produzieren und unnötige Bestände anhäufen.“

– Hala Zeine

Das Prinzip dürfte klar sein. Doch warum haben sich die Dinge geändert? Wir leben in einer Welt, in der immer weiter Kohlendioxid ausgestoßen wird, Regenwälder gerodet werden und der steigende Meeresspiegel (oder zumindest unsere Verantwortung dafür) als Erfindung abgetan wird. Da mag es merkwürdig anmuten, dass wir uns auf einer seriösen, geschäftlichen Ebene plötzlich so sehr um die Umwelt sorgen, dass diese Sorge jede Ebene unserer Logistik und Produktionsplanung erfasst.

„Manche [Unternehmen] verfügen über spezielle Nachhaltigkeitslösungen, aber im Allgemeinen ist es so, dass man bei jedem geplanten Produkt überlegen muss, wie es umwelt- und sozialverträglich umgesetzt werden kann“, unterstreicht Zeine. „Je besser ein Unternehmen plant, umso mehr Gewinn kann es erzielen“, fügt sie hinzu.

„Auch die Arbeitssicherheit ist wichtig. In den Lkw sind Kameras installiert. Wie wäre es, wenn wir diese zu anderen Zwecken nutzten, etwa um die Bewegungen des Kopfes oder der Hände des Fahrers zu messen und so den Ermüdungszustand einzuschätzen“, führt sie aus.

Wir haben im technologischen Fortschritt einen Wendepunkt erreicht. Ironischerweise sind es heute Wissenschaftler und Ingenieure, die im Endeffekt Lösungen für Unternehmen und Nachhaltigkeitslösungen gleichzeitig entwickeln.

Mit IoT-Technologie zu mehr Nachhaltigkeit

„Während wir uns hier unterhalten, trage ich einen im 3D-Drucker hergestellten Ausweis“, erzählt Hala Zeine. „Additive Herstellung ist sehr interessant. Ich war kürzlich bei HP zu Besuch. Dort erklärte man mir, dass das dort verwendete Pulver [ein Kunststoff] zu 80 Prozent wieder zerlegt und wiederverwendet werden kann. Es ist aber auch möglich, nur bei Bedarf auf Auftragsbasis zu fertigen. Damit sinken die Produktions- und Versandkosten, und sogar Abfall wird vermieden.“

Hala Zeine gerät ins Schwärmen, als sie auf die Verbindung zwischen der realen und der digitalen Welt zu sprechen kommt. „Vieles hat mit IoT-Technologie zu tun“, erklärt sie. „Man kann Mathematik und Physik anwenden, um nachzubilden, wie eine Anlage funktioniert und Energie erzeugt. Wir arbeiten mit dem Unternehmen Ansys zusammen, um zu simulieren, was in der realen Welt geschieht. So lassen sich zum Beispiel Pannen etwa bei Ölbohrungen vorhersagen, wenn sich eine Turbine nicht in die richtige Richtung dreht und sich vielleicht Sand darin festsetzt. Anstatt darauf zu warten, dass es zur Panne kommt und Öl austritt, kann die Turbine repariert und die Arbeit schneller fortgesetzt werden. Die Digitalisierung der physischen Welt kann auch dazu beitragen, die Lebensdauer von Anlagen zu verlängern. Wir können also mit einem geringeren Einsatz mehr erreichen.“ [Das folgende Video zeigt ein ausführlicheres Beispiel.]

SAP & ANSYS – Predictive Insights



Im Juni stellten ANSYS und SAP ihr erstes gemeinsam entwickeltes Produkt vor. Die Innovation für das intelligente Unternehmen ermöglicht eine Verknüpfung der Abläufe in der Entwicklung und Fertigung. Die erste aus dieser Partnerschaft hervorgegangene Lösung heißt SAP Predictive Engineering Insights und wird auf der SAP Cloud Platform laufen. Industrieanlagenbetreiber gewinnen damit Echtzeiteinblicke, die ihnen helfen, Betrieb und Instandhaltung zu optimieren, Durchlaufzeiten zu verkürzen und die Profitabilität zu steigern.

Neben der Optimierung von Lösungen als Strategie für eine nachhaltige Lieferkette täten Unternehmen auch gut daran, auf die Verbraucher zu hören. Immer mehr Menschen möchten wissen, wo und wie Waren hergestellt werden. Und dafür haben sie die unterschiedlichsten Gründe. Apps wie Buycott, die einen Barcodescanner und QR-Code-Scanner in sich vereint, werden immer beliebter. Es werden auch viele Blockchains entwickelt, die für Transparenz sorgen sollen, und zwar nicht nur für B2B-Lösungen, sondern auch im B2C-Geschäft.

„Viele Unternehmen haben tatsächlich eine Mission, vor allem in der Lebensmittel- und Gesundheitsindustrie“, meint Zeine. „Das gilt besonders bei der Rückverfolgbarkeit bis zum Saatkorn, über die einzelnen Zusatzstoffe und die Reinigungsanlagen bis hin zur Lieferung. Die Verbraucher achten auf ihre Gesundheit, und immer mehr Verbrauchern liegt der Planet am Herzen.“ Die SAP arbeitet auch mit solchen bewusst agierenden Unternehmen zusammen.

Warentransport unter der Erde: SAP und Cargo Sous Terrain arbeiten an ambitionierten Logistikprojekt

Im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsplänen verfolgt die SAP kurz-, mittel- und langfristige Ziele. Cargo Sous Terrain hat sich mit der SAP zusammengetan, um den Betrieb zu digitalisieren. Das Unternehmen will bis 2040 eine „erstklassige Infrastruktur für die Logistik“ schaffen. In Cargo Sous Terrain sind zahlreiche Privatunternehmen zusammengeschlossen, die planen, ein Netz unterirdischer Tunnel zu bauen, die verschiedene Großstädte im Norden der Schweiz miteinander verbinden. Ziel ist es, in den Städten zentrale Anschlussstellen für den Güterverkehr zu schaffen, die den landesweiten Transport von Gütern für Unternehmen erleichtern.

In der Schweiz wird in den nächsten 20 Jahren eine Zunahme des Gütertransports um 37 Prozent erwartet. Cargo Sous Terrain ist davon überzeugt, dass sein 24-Stunden-Liefersystem die Straßen um bis zu 40 Prozent entlasten wird. Autonome Fahrzeuge werden Güter von einem städtischen Knotenpunkt zum nächsten transportieren. Die Waren werden auf Fahrzeuge geladen, die zur Verringerung des Kohlendioxidausstoßes elektrisch betrieben werden, und direkt an den Empfänger geliefert.

„Das ist wie ein riesiges Fördersystem in einem Tunnel unter der Erde. Die wunderschöne Alpenlandschaft bleibt davon unberührt, und die Lkw fahren nur für die letzte Meile bis zur Zustellung in die Städte“, beschreibt Zeine. „Bis dahin wird es noch Jahre dauern, aber ein ehrgeiziges Langzeitprojekt ist es auf jeden Fall. Es gibt viele tolle Ideen, wie mithilfe der Technologie wirklich nachhaltige Unternehmenslösungen geschaffen werden können. Es hängt alles zusammen“, betont sie. „Je weiter die Technologie voranschreitet, umso eher werden die Unternehmen Lösungen finden. Da besteht überhaupt kein Widerspruch.“