SAP beschleunigt Personalsuche mit HR-Roboter Vera

Im Personalwesen und in der Personalbeschaffung bieten sich vielfältige Anwendungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenz. Kunden von SAP SuccessFactors können jetzt den Recruiting-Roboter Vera eines russischen Start-ups nutzen, um mithilfe künstlicher Intelligenz Routineaufgaben effektiver zu bewältigen.

Die Personalbeschaffung ist ein langwieriger Prozess. Bis ein geeigneter Kandidat für eine Stelle gefunden ist, müssen Personalbeschaffer tausende kleiner Arbeitsschritte ausführen. Aufgrund der aufwendigen Prozesse laufen Unternehmen Gefahr, immer wieder gute HR-Mitarbeiter zu verlieren, die der ständigen Routine überdrüssig sind. Wahrscheinlich hat sich jeder Personalbeschaffer schon einmal gewünscht, all die ermüdenden und unbefriedigenden Aufgaben rund um die Kandidatensuche an einen fähigen Assistenten zu übergeben.

Bereits über 200 Unternehmen haben genau dies schon getan: Sie nutzen Vera, einen intelligenten Recruiting-Roboter, der speziell trainiert wird, um Personalbeschaffer bei der Suche nach geeigneten Kandidaten zu unterstützen. Die künstliche Intelligenz von Vera scannt Lebensläufe im Internet oder in der kundeneigenen Datenbank und führt bei genügend Übereinstimmungen mit den Stellenanforderungen Telefoninterviews mit den Kandidaten durch. „Sie durchsucht Lebensläufe entsprechend den Anforderungen einer bestimmten Position und identifiziert geeignete Kandidaten, und das zehnmal schneller als ein Mensch es könnte“, erklärt Lisa Tirskikh, Marketingmanagerin im Entwicklungsteam der Roboterdame Vera, über die aufgrund ihres Namens alle in der weiblichen Form sprechen.

Dank einer Kombination aus Stimmungsanalyse, Sprachsynthese und -erkennung, Emotionserkennung und der Verarbeitung natürlicher Sprache kann Vera sowohl auf Anfragen von Interessenten antworten wie auch gezielt Kandidaten ansprechen. Vera arbeitet rund um die Uhr, sie kann bis zu 10.000 Anrufe gleichzeitig tätigen oder entgegennehmen und Fragen beantworten. Außerdem scannt sie Jobprofile im Internet und kontaktiert potentielle Kandidaten per Telefon oder E-Mail. Wenn ein Kandidat die Bewerber-Hotline eines Unternehmens anruft, nimmt Vera den Anruf entgegen. „Manche Kandidaten merken gar nicht, dass sie mit einem Roboter sprechen“, erzählt Tirskikh.

Automatisierte Personalbeschaffung dank KI

Das Team von Robot Vera

In Russland spricht jeder zehnte Jobkandidat mit der Roboterdame, die 2017 den europäischen HR-Start-up-Wettbewerb Unleash gewann und deren Entwickler, das russische Start-up Stafory Ltd., somit als eine der besten aufstrebende Technologiefirmen ausgezeichnet wurde. Das Start-up beschäftigt rund 60 Mitarbeiter, 90 Prozent davon wurden über Vera gefunden. Die Mitarbeiter sind über ganz Russland verteilt und arbeiten in virtuellen Teams zusammen. „Unsere Kundenbetreuer und Vertriebsmitarbeiter kommen meistens aus dem Personalwesen und kennen die entsprechenden HR-Prozesse genau. Daneben haben wir viele Kollegen aus den Bereichen Data Science und Produktentwicklung“, erklärt Alex Uraksin, einer der drei Väter von Vera und zuständig für Vertrieb und Partnerschaften.

Der CEO von Roboter Vera, Vladimir Sveshnikov, ist Datenwissenschaftler. Von ihm stammt die Idee für die Roboterdame, die Tirskikh auch als „Uber für HR“ bezeichnet. „Das Projekt war ursprünglich als Marktplatz konzipiert, es wurde jedoch schnell klar, dass dieses Format ungeeignet war.“ Stattdessen entschied das Team, einige der Beschaffungsaufgaben zu automatisieren. So entstand der Roboter Vera.

„Für das Training von Vera haben wir 150 Gigabyte an Informationen verwendet“, so Tirskikh weiter. „Neben 100.000 Stellenbeschreibungen und Kandidatenfragen zu diesen Stellen haben wir auch Wikipedia-Artikel und Fernsehserien verwendet, sogar die Untertitel von Game of Thrones. Damit wollten wir erreichen, dass Vera möglichst natürlich spricht, moderne Ausdrücke benutzt, Umgangssprache versteht und jeder Frage die passende Antwort zuordnen kann. Um eine natürliche Sprechgeschwindigkeit und eine angemessene Spracherkennung zu erreichen, werden vier Speech-Kits von Google, Amazon, Microsoft und Yandex [Russlands führender Anbieter für Suchmaschinen und Webservices, der manchmal auch „Russlands Google“ genannt wird] gemeinsam genutzt.

Aufgrund der steigenden Nachfrage in Italien, Frankreich und dem englischsprachigen Raum muss Vera ihre Sprachkenntnisse ständig erweitern. Im Moment lernt sie argentinisches Spanisch.

In den eineinhalb Jahren seit der Gründung des Start-ups hat Vera rund 1,5 Millionen Telefoninterviews durchgeführt. Die Roboterdame ist in über 200 meist großen Unternehmen aktiv, denn der Einsatz künstlicher Intelligenz in der Personalbeschaffung lohnt sich vor allem, wenn ein Unternehmen viele neue Mitarbeiter sucht.

Einige der menschlichen Personalbeschaffer in den Unternehmen, die Vera „eingestellt“ haben, hegten Befürchtungen, die intelligente Kollegin würde ihnen ihren Arbeitsplatz wegnehmen. Es zeigte sich jedoch, dass Vera zwar „die […] Routinearbeiten übernimmt, dass jedoch die finale Entscheidung immer von einem Menschen getroffen wird“, erklärt Vasilina Sokolova vom russischen Onlinehändler Vseinstrumenti.ru..

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Robot Vera / Myths & Legends



Intelligente Personalbeschaffung mit Vera ergänzt die Lösungen von SAP SuccessFactors

„Wir trafen das Team um Roboter Vera im Oktober 2017 während einer Konferenz hier in Moskau und uns war sofort klar, dass wir zusammenarbeiten wollten“, erklärt Alexander Maslyuk, Business Developer und Evangelist bei SAP SuccessFactors in Russland und den CIS-Ländern. „Wir von SAP SuccessFactors sehen unsere Suite nicht nur als Lösung für die meisten Anforderungen im HR-Bereich. Sie ist auch eine Plattform, die für alle Erweiterungen offen ist, die einen Mehrwert für unsere Kunden liefern. Wir planen außerdem Partnerschaften mit den interessantesten Start-ups im HR-Bereich. Über die Roboterdame Vera spricht im Moment ganz Russland.“

Rostelecom, einer der größten Kunden in Russland, nutzt für die Personalbeschaffung sowohl SAP SuccessFactors als auch den Roboter Vera. „Für diesen Kunden bauen wir gerade eine Integration der beiden Systeme. Die Personalabteilung dort ist davon überzeugt, dass die gemeinsame Nutzung beider Systeme und der automatische Datenaustausch ihnen viel Arbeit abnehmen werden“, so Alexander. SAP und Vera bereiten darüber hinaus integrierte Lösungen für mehrere Großkunden aus unterschiedlichen Branchen vor.

Vor Kurzem wurde die Roboterdame Vera in SAPs Start-up-Focus-Programm in der EMEA-Region, Startup Select, aufgenommen. Zwei Entwickler von SAP werden mit dem Roboter arbeiten, um eine vollständige Anbindung zwischen Vera und SAP SuccessFactors zu entwickeln, die dann als kombinierte Lösung weltweit angeboten werden soll.