Waterwatch hört das Gras wachsen

„Ein Landwirt kann eine sehr einsame Person sein – er muss jeden Tag Entscheidungen treffen, von denen abhängt, ob er ein Einkommen hat oder nicht“, sagt Ad Bastiaansen. Als Präsident der 2014 gegründeten Waterwatch Cooperative weiß Bastiaansen um die Sorgen und Nöte eines Berufstandes, der wie kein anderer vom Wetter abhängig ist. Mit seiner Organisation will er den weltweit geschätzt 570 Millionen Bauern mit Daten etwa über Klima, Wasserversorgung und Erntebedingungen versorgen. Mit Hilfe einer Vegetationsdatenbank sowie diversen Informationsdiensten sollen Landwirte dabei unterstützt werden, ihre Erzeugnisse effizient, profitabel und nachhaltig anzubauen.

Das ist auch nötig, weil die Weltbevölkerung Berechnungen zufolge bis zum Jahr 2050 auf 9,8 Milliarden Menschen anwachsen wird. Um diese Massen ernähren zu können, muss die landwirtschaftliche Produktion um 70 Prozent ansteigen – und sollte gleichzeitig schonend mit den Rohstoffen umgehen.

„Landwirtschaft ist der am wenigsten digitalisierte Bereich“, so Bastiaansen, der das ändern will. So plant die Waterwatch Cooperative unter anderem Satellitendaten und Informationen von Landwirten sowie Agrarorganisationen heranzuziehen, um Pflanzenspezifika weltweit zu erfassen und zu analysieren.

Multi-Unternehmer Bastiaansen kommt dabei zugute, dass er bei Tele Atlas bereits umfangreiches Know-how auf dem Feld der digitalen Kartographie aufbauen konnte. Das Unternehmen wurde 2008 für 2,9 Milliarden Euro an TomTom, Hersteller von Fahrzeugnavigationssystemen, verkauft. Nun wendet Bastiaansen sein Wissen in der Landwirtschaft an.

Alarmsignale aufs Handy

In Zusammenarbeit mit SAP hat die Waterwatch Cooperative zum Beispiel die App „Crop Disease Alert“ entwickelt. Sie arbeitet auf Basis von Daten, die Wachstumsbedingungen beeinflussen. Sobald sich etwa Temperatursteigungen oder schwere Regenfälle ankündigen und erkannt werden, beurteilt die App das Risiko für die Ernte und benachrichtigt den Landwirt. Dieser kann dann entsprechende Maßnahmen einleiten.

„Unsere App meldet potentielle Bedrohungen jeglicher Art und schickt die Warnmeldungen direkt auf das Handy des Landwirts. Es ist wirklich bahnbrechend“, ist Bastiaansen überzeugt. Seinen Aussagen zufolge habe der Einsatz bereits zu einer Eindämmung von Pflanzenkrankheiten geführt. Bastiaansen spricht von 25 bis 40 Prozent weniger Vorfällen. Er erwartet, dass die App bis Ende 2019 von weltweit einer Millionen Kleinbauern eingesetzt wird. Darüber hinaus sorge die App dafür, dass der unnötige Einsatz von Pestiziden um bis zu 15 Prozent reduzierte werde, so Bastiaannsen.

Die Waterwatch Cooperative hat die App auf der offenen SAP Cloud Platform entwickelt (platform-as-a-service),welche es der App dank ihrer vielfältigen Möglichkeiten gestattet, aussagekräftige Analysen zu generieren und zu verteilen. Ronald Lanjouw, Technologiechef bei Waterwatch Cooperative, sagt dazu: „Die Herausforderung ist es, große Datenmengen und komplexe Algorithmen einfach zugänglich zu machen. Das ist das Schöne an Crop Disease Alert: Die SAP Cloud Platform versetzt uns in die Lage, genau das zu tun.“ Inzwischen hat die 10.000 Kunden, die die SAP Cloud Platform nutzen (siehe hier).