Energiewelt im Wandel: von gestern nach übermorgen

Die Energiewende schreitet voran und mit ihr die Digitalisierung der Branche. Machine Learning, Predictive Maintenance und Co. eröffnen Versorgern und Netzbetreibern ganz neue Chancen. Wir zeigen, was heute schon möglich ist – und das ist weit mehr als vielen Versorgern klar ist.

Prozesse straffen, Kosten senken, Kunden halten, neue Marktfelder erschließen: Das sind, stark vereinfacht, die aktuellen To-dos der Versorgerindustrie. Wer jetzt nicht mit der Zeit reist, verliert schnell den Anschluss.  Das geht nur mit intelligenten Technologien und der damit einhergehenden Digitalisierung. Diese verknüpft Informationen miteinander und wertet sie aus – das ist in jedem Bereich der Energiebranche ein Vorteil. Ein kleiner Überblick zu möglichen Szenarien:

Dieser Beitrag ist Teil der Themenserie

Serie: Digitale Wende in der Versorgungsindustrie

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Process Mining: Daten beschleunigen Prozesse

Ob im Marketing, im Einkauf, in der Produktion oder in der Buchhaltung: Fast alle Prozesse eines Versorgungsunternehmens hinterlassen digitale Fußspuren. Richtig genutzt, gewinnen Energieversorger dadurch wertvolle Einblicke in ihr Unternehmen. Beim Process Mining sammelt die Software Daten aus allen genutzten IT-Systemen und erkennt mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen, welche Prozesse besser laufen könnten. Management und Fachabteilungen sehen so, welche Prozessschleifen unnötig sind, wo zu viel Zeit verloren geht und was doppelt und dreifach bearbeitet wird.

Mit diesem Wissen lassen sich viele Abläufe enorm straffen. So kann beispielsweise ein Einkaufsleiter die Leistung von Lieferanten bewerten, Durchlaufzeiten von Lieferungen analysieren und Preisänderungen in Echtzeit nachverfolgen. Das spart Zeit und Kosten.

Predictive Maintenance: Blick in die Zukunft

Die vorausschauende Wartung ist eines der beliebtesten Anwendungsszenarien der Industrie 4.0 und wird bereits in vielen Unternehmen mithilfe von SAP Leonardo und SAP Asset Intelligence Network umgesetzt: Sensoren an Anlagen geben kontinuierlich Auskunft über deren Zustand und melden, wenn ein Austausch oder eine Reparatur nötig wird. So führen Techniker keine Ölwechsel mehr durch, bevor das Öl nicht an Schmierkraft verliert. Steuerungsketten tauschen sie erst aus, wenn die Leistungsfähigkeit abnimmt. Prophylaktische Wartungen gibt es nur noch in Ausnahmefällen, die Kosten sinken.

Das ist vor allem bei Anlagen von großer Bedeutung, deren Wartung sehr teuer ist: Beispielsweise Ölplattformen und Offshore-Windparks, die häufig nur per Helikopter erreicht werden. Aber auch die Fehlerfindung bei Ausfällen wird schneller: Sensoren melden, welche Bauteile nicht funktionieren. Statt lange auf Ursachenforschung zu gehen, Transformatoren durchzuprüfen und Erdkabel freizulegen, reicht ein Blick ins System und die Anlage kann repariert werden. Das senkt die Betriebskosten erheblich und minimiert das Ausfallrisiko.

Kundenplattformen: Vertrauter Begleiter

Lokale Stadtwerke haben einen Vorteil: Ihre Kunden sind in der Regel regional verhaftet. Was also liegt näher, als eine regionale Vermarktungsplattform anzubieten und damit die Kundentreue zu steigern? Einzelne Stadtwerke haben das bereits umgesetzt: Sie bieten auf ihrer Website neben Energie, Photovoltaik-Anlagen und Speicherlösungen auch branchenfremde Produkte wie Versicherungen, Umzugsservices, Smart-Home-Produkte, Veranstaltungstickets, Park-Abos oder E-Bike-Verleihservices. Die Plattform wird zum ständigen Begleiter des Kunden.

Ein weiterer Vorteil: Der Energieversorger sieht mithilfe seiner Software, wo die Interessensgebiete seiner Kunden liegen. Das hilft vor allem dem Marketing und Vertrieb, die so besser auf ihre Kunden eingehen und zielgerichtete Angebote erstellen. Die regionale Plattform des Energieversorgers lässt den Anbieter neue Vertriebskanäle erschließen und nicht zuletzt den Kunden an das eigene Unternehmen binden.

Smart Meter Gateways: Netzwerk für alle

Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung: Die drei großen „D“ werden die Energiewelt auch in den nächsten Jahren beschäftigen. Mit dem Atom- und mittelfristig auch dem Kohleausstieg wird Strom aus immer mehr, wenn auch kleineren, Quellen fließen. Consumer werden zu „Prosumern“ (Konsument und Produzent zugleich), versorgen mithilfe von Photovoltaik-Anlagen sich selbst oder speisen Strom dezentral ins Netz ein. Die Smart Meter Gateways haben die Aufgabe, alle Marktteilnehmer zu vernetzen und Energieerzeugung, Speicherung und Verbrauch effizient aufeinander abzustimmen. Langfristig werden sicherlich noch mehr Marktteilnehmer hinzukommen – man denke an elektrische LKW, die über Oberleitungen gespeist werden und E-Straßenbahnen, die induktiv laden. Die Fahrzeugbranche steht vor ebenso großen Veränderungen wie der Energiemarkt und wird zukünftig vermutlich großen Einfluss auf den Strommarkt haben.

Vier kleine Beispiele, wie Energieversorger ihre Prozesse straffen, Kosten senken, Kunden halten und neue Marktfelder erschließen – und es gibt noch viele mehr. Manche, wie Predictive Maintenance, haben sich im Markt bereits etabliert. Andere, beispielsweise Kundenplattformen, sind gerade erst im Kommen. Sicher ist: Die Energiewende funktioniert nur digital.