Handel: Mit der SAP Model Company Zeit sparen

Über zwanzig Handelsunternehmen setzen bereits auf die SAP Model Company. Das Besondere: Diese vorkonfigurierte Systemlandschaft deckt per se bis zu 70 Prozent aller benötigten Prozesse ab.

Michael Osthof drückt aufs Tempo. Natürlich kommt dem Chief Consultant und Leiter des Retail Innovation Labs in St. Ingbert niemand mehr mit der Idee eines Wasserfallmodells durch die Tür. Entsprechend wird auch innerhalb der bisher drei SAP Model Companies für den Handel keine Zeit verschenkt. „Wir geben Handelsunternehmen ein Vehikel an die Hand, mit dem sie die Implementierung ihrer Systeme beschleunigen können“, weiß Osthof. Die SAP Model Companies sind vorkonfigurierte Systemlandschaften, die speziell für einzelne Branchen geschaffen wurden. Für den Handel bestehen sie etwa aus einem SAP-S/4HANA-Backend als „Herzstück“, einem SAP Customer Activity Repository (SAP CAR), das Kunden-, Abverkaufs- und Bestandsdaten zusammenführt sowie einem modernen User Interface, SAP Fiori. „Ein Sandbox-System steht innerhalb von zwei Wochen“, meint Osthof. Das neue System lässt sich also schnell in seinen (Standard-)Möglichkeiten kennenlernen. „Ein klar definierter Scope liegt der Implementierung zugrunde“, erläutert Osthof, der davon überzeugt ist, dass Unternehmen dort mit Standards gut leben können, wo sie sich nicht vom Wettbewerb unterscheiden wollen.

Drei Model Companies für den Handel

Mehr als 20 Jahre hat SAP bereits Erfahrung mit Prozessen aus dem Handel. Und die Erfahrung zeigt, dass viele Funktionen immer wieder abgebildet wurden, die SAP nun in drei SAP Model Companies gebündelt hat:

Die Kernprozesse „Core Retail“: Für den Lebensmittel- oder Elektronikhändler bis hin zum Baumarkt sind die Basisprozesse ähnlich. Einkaufs-, Logistik- und Verkaufsprozesse sind hier abgedeckt. Im klassischen Handel wird das meiste Geschäft noch immer in der Filiale abgewickelt, doch spielt auch der Online-Handel inzwischen eine wichtige Rolle. „Core Retail“ bietet die Grundlage, um darauf innovative Prozesse wie eine Labelprüfung aufzusetzen oder eine Wareneingangsprüfung zu automatisieren.

Die zweite SAP Model Company „Fashion & Vertical Business“ für den Handel erweitert diese Kernprozesse um die eigene Produktion. Sportartikelhersteller wie Adidas und Nike entwickeln und produzieren ihre eigenen Sportschuhe, Laufjacken oder Rucksäcke. Noch dazu verkaufen sie ihre Produkte teilweise selbst in eigenen Filialen, vertreiben aber auch über andere Händler wie Footlocker oder Karstadt. Die Herausforderung für die Systemlandschaft besteht darin, sicherzustellen, dass sich die verschiedenen Verkaufskanäle nicht kannibalisieren, dass „das Geschäft als Großhändler wie als Händler zuverlässig funktionieren“, wie Oliver Reulmann erläutert. Für den Strategic Architect Handel bei SAP ist das die Bestätigung, dass die Lösung (nicht zuletzt mit Unterstützung von SAP S/4HANA) in der Lage ist, die strikten Grenzen zwischen Branchen aufzulösen.

Konsumenten erwarten, dass Produkte online wie stationär verfügbar sind, das gleiche kosten und selbst Verfügbarkeiten online einsehbar sind. Die SAP Model Company „Omnichannel“ adressiert dieses Thema, indem sie Online- und stationären Handel zusammenbringt. Über SAP CAR werden Preise zentral abgelegt. Webshop, Marketing und Verkauf aus einer Hand und Informationen aus einer Quelle: Das leistet die vorkonfigurierte Systemlandschaft für Omnichannel-Prozesse, für die Lösungen wie SAP S/4HANA, SAP CAR sowie die SAP-Marketing-, und SAP-Commerce-Cloud eingesetzt werden.

Die drei SAP Model Companies setzen sich aus diversen Modulen zusammen, die flexibel eingesetzt werden können. Dazu gehören Basisfunktionalitäten wie Core Retail sowie diverse Add-ons, darunter SAP CAR. Grafik: SAP, 2018

SAP Model Company: Bis zu 70 Prozent der Prozesse abgedeckt

Die derzeit 22 Unternehmen, die weltweit bereits auf SAP Model Companies (aktuell bereits in der 3. Version) für ihre Handelsprozesse setzen, decken mit den vorkonfigurierten Lösungen nach Schätzungen von Michael Osthof und Oliver Reulmann etwa 50 bis 70 Prozent ihrer Prozesse ab. Das spart Zeit. In der „Prepare“-Phase, in der erste Vorbereitungen getroffen werden, und der Phase „Explore“, in der im Rahmen einer Fit-Gap-Analyse die Schwachstellen analysiert werden, sinken so die Aufwände um etwa 40 bis 50 Prozent. Und auch die konkrete Umsetzung wird einfacher. Etwa 20 Prozent weniger Aufwand schlagen in der „Realise“-Phase zu Buche, zu der die Migration, die technische Umstellung sowie Tests gehören. Eine Herausforderung muss der Kunde jedoch zum Großteil selbst angehen: Das Change Management. „Ein nicht zu unterschätzender Aufwand besteht darin, die Menschen abzuholen und ihnen die neuen Lösungen nahezubringen“, sagt SAP-Berater Osthof, „dazu gehört auch die frühe Begegnung mit den neuen Systemen.“ Hier kommt den Kunden die agile Implementierungsmethode des Ansatzes wieder entgegen. Denn innerhalb von zwei Wochen lässt sich das Standardsystem initiieren und für die User greifbar machen.

SAP Leonardo für individuelle Innovationen

Mit dem Standard ist zudem die Basis für Innovationen gelegt. So dient die auf der SAP Cloud Platform basierenden Innovationsplattform SAP Leonardo etwa dazu, mithilfe von künstliche Intelligenz und Robotern per Scan Regallücken zu erkennen und automatisiert wieder aufzufüllen.

Weitere Informationen:

Generelle Informationen zur SAP Model Company. ((https://www.sap.com/services/implementation/preconfigured-industry-solutions.html))

Hier eine Übersicht der Komponenten, die für die Retail-Model-Companies eingesetzt werden. Folgende Preise gelten für Unternehmen in der SAP Market Union Region Middle and East Europe.

SAP Model Company Core Retail: 155.000 Euro; inclusive CAR-AddOn: 215.000 Euro;

SAP Model Company Omnichannel: 218.000 Euro

SAP Model Company Fashion: 155.000 Euro

BILD: ADIDAS, 2018