Deutsche Telekom sagt Smartphone-Diebstahl den Kampf an

Hierzulande werden täglich 600 Smartphones gestohlen, in den USA über 1,4 Mio. pro Jahr. Es drohen Identitätsdiebstahl und bei Firmengeräten schwerwiegende Sicherheitsverletzungen. Die Deutsche Telekom hält mit Blockchain-Technologie dagegen. Die Deutsche Telekom mit Hauptsitz in Bonn ist der größte Telekommunikationsanbieter in Europa. Sie ist in 50 Ländern aktiv und bedient weltweit rund 156 Millionen Mobilfunkkunden.

Wenn früher jemand ein Mobiltelefon als gestohlen meldete, konnte die Deutsche Telekom den Zugang zu den Mobilfunkdiensten über die IMEI-Nummer des Geräts sperren. (Die IMEI-Nummer – International Mobile Equipment Identity – ist eine 15-stellige Seriennummer, über die mobile Geräte eindeutig identifiziert werden können.)

Dadurch wurde zwar verhindert, dass sich Diebe mit dem gestohlenen Gerät in das Netz der Deutschen Telekom einwählen konnten, Verbindungen zu anderen Netzen wurden aber nicht unterbunden. Es stellte sich also die Frage, wie eine vertrauenswürdige schwarze Liste oder „Blacklist“ von IMEI-Nummern aufgestellt werden könnte, auf die Mobilfunkbetreiber, Smartphone-Hersteller und Endbenutzer überall auf der Welt Zugriff hätten, um gestohlene Smartphones einzutragen und zu identifizieren.

Neue Services dank Blockchain

Hier konnten die SAP und ihr Partner Camelot ITLab weiterhelfen. Bei der Deutschen Telekom ist schon seit Längerem eine digitale Transformation im Gange. „Früher waren wir ein reines Telekommunikationsunternehmen, aber jetzt bieten wir auch neue Services wie IoT (Internet der Dinge), Cloud-Services, Technologie für vernetzte Autos und Sicherheit an“, erklärt Dr. Stephan Westermeyr, VP Ordermanagement & Billing bei der Deutschen Telekom.

Im Rahmen der Ausrichtung auf neue digitale Produkte beschloss das Unternehmen, sich die Blockchain-Technologie näher anzusehen. „Wir wollten unseren Kunden mit wegweisenden digitalen Innovationen einzigartige Services anbieten können“, führt Dr. Stephan Westermeyr aus. „In einem Design-Thinking-Workshop mit SAP und Camelot ITLab wurde uns klar, dass dies der optimale Einsatzbereich für die Blockchain-Technologie ist.“

Camelot ITLab ist Teil der Initiative SAP Leonardo Partner Medallion, die Unternehmen dabei unterstützt, intelligente Technologien wie Blockchain von der SAP einzuführen und dabei auf das Know-how von Partnern zurückzugreifen. „Die Blockchain-Technologie erobert die Geschäftswelt. Konkrete Anwendungsszenarien belegen ihren Nutzen und ihr Potenzial, einige der dringendsten Probleme der heutigen Zeit zu lösen. Projekte wie das von der Deutschen Telekom zeigen, wie Blockchain den Weg zu einer bahnbrechenden digitalen Innovation ebnen kann“, meint Aseem Gaur, Chief Leonardo Officer bei Camelot ITLab.

Mit Camelot ITLab als Implementierungspartner begann die Deutsche Telekom, das Blockchain-Protokoll Hyperledger Fabric auf der SAP Cloud Platform zu nutzen. Diese ist Bestandteil der Reihe von SAP-Leonardo-Technologien und -Lösungen, die Unternehmen zu intelligenteren Abläufen verhelfen. Zusammen entwickelten die Unternehmen in einem Pilotprojekt ein Sicherheitsnetzwerk für Mobilgeräte, in dem verschiedene Beteiligte Informationen auf vertrauenswürdige und transparente Weise austauschen können.

Dank der vertrauenswürdigen und sicheren SAP Cloud Platform Blockchain sind Netzbetreiber nun in der Lage, Geräte über ein gemeinsames Register mobiler Geräte als gestohlen zu melden sowie gestohlene Geräte zu identifizieren und zu deaktivieren.

Netzbetreiber arbeiten zusammen

Und so funktioniert es: Alle autorisierten Parteien können Informationen austauschen und neue Einträge im sicheren Netzwerk vornehmen, die mittels Blockchain verschlüsselt werden. Wenn ein Partner ein bestimmtes Mobilgerät auf die Blacklist setzt, werden alle Netzbetreiber über die Blockchain umgehend darüber informiert. So wird es für Kriminelle schwieriger, Geräte mit SIM-Karten anderer Anbieter zu nutzen. Und wenn ein Kunde das gestohlene Smartphone aufspürt – oder es nur verlegt hatte –, bittet er einfach seinen Netzbetreiber, das Gerät wieder von der Blacklist zu nehmen bzw. zu „whitelisten“. Kein Problem mit der Blockchain-Technologie.

Zur Entwicklung des Prototyps nahm die Deutsche Telekom am SAP Blockchain Co-Innovation Program teil. Darin erhalten Unternehmen Unterstützung bei der Bewältigung geschäftlicher Herausforderungen mit der Blockchain-Technologie. Benjamin Stöckhert, Blockchain Business Developer im SAP Innovation Center Network, leitet das Projekt. „Blockchain findet hier auf hervorragende Weise Anwendung“, betont er. „In organisatorischer Hinsicht ist das Netzwerk dezentralisiert, und auch technisch ist es verteilt, und zwar auf Blockchain-Knoten auf der SAP Cloud Platform und von Deutsche Telekom Cloud und Camelot ITLab verwaltete Knoten.“

Bislang hat sich der Prototyp der Deutschen Telekom als erfolgreich erwiesen. Für die nächsten Schritte erwägen die Unternehmen, den Prototyp mit SAP Asset Management zu verbinden, damit Firmen die Mobiltelefone ihrer Mitarbeiter besser nachverfolgen können. Camelot ITLab bietet auch ein eigenes Accelerator-Paket an, mit dem sich die Wiederverwendung gestohlener Mobilgeräte gemeinsam mit anderen unterbinden lässt.

Dr. Stephan Westermeyr hat indessen größere Ziele anvisiert. „Leider ist Smartphone-Diebstahl ein lukratives Geschäft“, betont er. „Wenn es uns gelingt, diesen Schwarzmarkt mit Blockchain-Technologie trockenzulegen, schützen wir nicht nur die Besitzer von Smartphones vor Diebstahl, sondern sorgen langfristig auch für die Sicherheit vertraulicher Unternehmensdaten.“