Das sind die Top-10 IT-Trends 2019

In diesen Tagen publizieren Marktforscher und Analysten ihre Prognosen für das kommende Jahr. Welche Themen prägen die IT-Branche in den nächsten zwölf Monaten?

Digitalisierung und digitale Transformation sind und bleiben die treibenden Kräfte hinter nachhaltigen Veränderungen – auch 2019. Die Unternehmen werden auch im kommenden Jahr damit die Effizienz ihrer Unternehmensprozesse erhöhen wollen, sagt Joachim Hackmann, Principal Consultant Digital & IoT bei PAC – Mitglied der teknowlogy Gruppe in München.

Zunehmend gibt es aber auch Digitalisierungsprojekte, die existierende Geschäftsmodelle und Services mit digitalen Lösungen anreichern, um so Mehrwerte zu schaffen. Erste Projekte vor allem von Start-ups haben völlig neue Services und Geschäftsmodelle zum Ziel, die neue Potenziale und Kundengruppen erschließen sollen.

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Übergeordnete Themen wie Customer Experience (CX), IoT und Automatisierung, neue Ökosysteme, Digitale Plattformen aber auch Fachkräftemangel sowie Sicherheitsfragen und der richtige Umgang mit Daten werden uns, so Hackmann, auch 2019 weiter begleiten.

Zehn Prognosen der IT-Analysten für 2019

Die Prognosen der großen IT-Beratungshäuser ähneln sich. Die im kommenden Jahr laut PAC wichtigsten 10 Themen sind:

1. Künstliche Intelligenz (KI) wird den Sprung von der Nischentechnik zum breiten Einsatz in Unternehmen schaffen. Ein Grund: Es gibt hier ein sehr großes Spektrum möglicher Einsatzfelder: Von der Kundenbeziehung bis zur Optimierung von Geschäftsabläufen betrifft KI nahezu alle Unternehmenssegmente und -prozesse.

2. Robotic Process Automation (RPA). Die Automatisierung von einfachen, derzeit manuellen Arbeitsabläufen, auf Basis von Regelwerken ist eine Untermenge von KI und 2019 stark im Kommen. Immer mehr KI-Elemente in selbstlernenden, selbstentscheidenden und selbstheilenden Systemen finden Eingang in Unternehmen, wie Chatbots und Roboadvisor. RPA ist ein Thema, das für mehr Effizienz in Unternehmen sorgen kann. Hier kann man auch eine Verschiebung von Business Process Outsourcing (BPO) beobachten, die zunehmend durch Automatisierung abgelöst wird.

3. IoT Security und ICS (Industrial Control Systems) Security sind schon seit Jahren eines der wichtigsten Themen bei IT-Verantwortlichen. Security-Fragen gewinnen durch die zunehmende IoT-Vernetzung von Produktionsanlagen, Geräten und Maschinen noch einmal stark an Bedeutung. Denn so entstehen größere Risiken für Angriffe von außen. Es geht dabei nicht nur um den Schutz von Anlagen, sondern auch um das Erkennen von Attacken und Schäden und auch um regulatorische Fragen wie Meldepflichten. Hier gilt es, unternehmensweit gültige Security-Strategien zu entwickeln.

4. Individuelle Software-Entwicklung galt früher als Problemkind, aus denen sehr schwer zu wartende und zu pflegende Applikationen entstehen, die im laufenden Betrieb sehr teuer sind. Heute betreiben viele Unternehmen individuelle Digitalisierungsprojekte, um sich von Wettbewerbern durch Innovation abzugrenzen. Gesetzt ist die Entwicklung auf Basis von PaaS-Plattformen. Mit Low-Code-Plattformen können auch Nicht-Programmierer einfache Applikationen entwickeln.

5. Open, Technology-Based Ecosystems. Es gibt mit der Digitalisierung einen neuen Trend zur Offenheit durch Open API, Open Data und Open Innovation. Offene Systeme und Umgebungen bilden die Basis für neue Öko-Systeme, die innovative Services und Lösungen anbieten und entwickeln.

Blockchain, KI, Sicherheit: Diese IT-Trends bleiben im Fokus

6. Cloud Computing. Hier gibt es einen starken Trend hin zu Public Cloud-Lösungen, nicht nur für Entwicklungs- und Testprojekte, sondern auch für unternehmenskritische Workloads bis hin zum Produktivbetrieb. Erste Unternehmen wollen die Public Cloud als Alternative zum Rechenzentrum etablieren.

7. Edge Computing ist eine Erweiterung des zentralen Cloud-Gedankens um eine dezentrale Komponente und auch ein Hardware-Thema. Edge-Computing-Devices können kleine Controller in Sensoren sein, Ein-Platinen-PCs, die nahe an der Produktionsanlage stehen, oder Mini-Data-Center. Die Rechenleistung steht da zur Verfügung, wo sie für Analysen gebraucht wird, was vor allem wichtig für Echtzeitanwendungen ist, weil sonst die Laufzeiten zu lang sind.

8. Bei der Distributed Ledger Technology (DLT) gibt es einen zunehmenden Reifegrad der Technologie im Unternehmenseinsatz und einen Trend hin zu Protokollen, die sich von der reinen Blockchain-Lehre entfernen, etwa bei IOTA, einem digitalen Bezahlsystem. Oder dem Lightning Network, ein Protokoll zur Skalierung von Blockchain-Technologien, das erstmals Off-Chain-Transaktionen im Bitcoin-Umfeld eingeführt hat. Vielfältige Einsatz-Szenarien gibt es in Banken, Versicherungen und bei Tracking und Tracing im Handel- und Warentransport.

9 Business Innovation Architecture. Vorhandene IT-Architekturen werden oft den Anforderungen an neue und schnell zu implementierende Lösungen nicht gerecht. Hier werden 2019 neue Ansätze benötigt, die die Daten ins Zentrum der Unternehmensprozesse stellen und die die lose Koppelung unterschiedlicher Technologien ermöglichen.

10. Virtuelle Datenplattformen. Es gibt heute in Unternehmen sehr viele Daten, die in unterschiedlichen Silos, unterschiedlichen Abteilungen und unterschiedlichen Formaten und Datenbanken gelagert werden. Für die 360-Grad-Sicht auf den Kunden müssen aber alle verfügbaren Daten in der jeweils benötigen Form konsolidiert und zusammengefügt werden. Virtuelle, geteilte Datenplattformen integrieren sämtliche Datenquellen, dienen als Datendrehscheibe für alle Unternehmensprozesse und ermöglichen so die flexible Nutzung der Daten.

Digitalisierung verschärft Fachkräftemangel

Dazu verschärfen sich 2019 nicht nur technische, sondern auch organisatorische Themen:

Der Fachkräftemangel wird eines der wichtigsten Herausforderungen der nächsten Jahre sein. Die Digitalisierung hat hier zu einer weiteren Verschärfung geführt, weil auch klassische Anwenderunternehmen IT-Fachkräfte suchen und einsetzen. Große Konzerne wie Bosch, Siemens und Allianz haben inzwischen eigene IT-Töchter, aber auch Unternehmen aus der zweiten oder dritten Reihe arbeiten an der Digitalisierung und suchen nach Fachkräften.

Low-code-Plattformen sind ein möglicher Ansatz, bei dem auch Personen ohne explizites Software-Knowhow einfache Applikationen entwickeln können. Innovative Sourcing-Konzepte binden bei der agilen Software-Entwicklung Experten aus Near- und Offshore-Gebieten ein.

„Die kommenden Entwicklungen bedingen, dass sich die Organisationen intern neu ordnen und deutlich agiler und flexibler werden“, sagt Karel Dörner Seniorpartner und Spezialist für Digitalisierung und E-Commerce bei McKinsey & Company. Der Wandel brauche Mitarbeiter und Führungskräfte, die sich in agilen Teams zurechtfinden, in denen Techniker und Experten aus den Fachbereichen eng miteinander verzahnt zusammen arbeiten. Talente mit entsprechender Erfahrung seien in Deutschland aber leider rar gesät.

Die Situation werde sich weiter verschärfen, je stärker Advanced Analytics und KI-Praktiken in Unternehmen Einzug hielten. „Welches Unternehmen hat schon einen Analytics-Übersetzer, einen Mittler zwischen den technischen und operativen Seiten im Kontext der Datenanalyse?“, fragt Dörner.

Unternehmen sollten sich deswegen auf der Suche nach den passenden Talenten außerhalb des Unternehmens orientieren, Partnerschaften aufbauen oder mit Start-ups zusammenarbeiten, um ihre Innovations- und Digitalisierungsvorhaben zu beschleunigen. Langfristig helfe aber nur der Aufbau eigener Kapazitäten und Kompetenzen.

Die größte Herausforderung der Zukunft sei es aber, urteilt Dörner, „technologische Innovation nicht nur durch die IT-Brille zu betrachten.“