Die IT ist für Energieversorger heute wichtiger denn je. Wie sie mit einer konsequenten Cloud- und Plattformstrategie fit werden für die Zukunft zeigt das Beispiel der Thüringer Energie AG aus Erfurt. Das Unternehmen setzt auf maximale Integration und Stammdatenqualität.

Philipp Lübcke, CIO bei der Thüringer Energie AG – der TEAG – arbeitet seit 20 Jahren in der Branche – und ist begeistert von der Dynamik, die sie aktuell erlebt. Das war nicht immer so. „Als ich anfing in der Energiewirtschaft war das Geschäft relativ statisch, und im letzten Jahrzehnt  hatte ich auch mal mit anderen Branchen geliebäugelt.“ Heute sieht er keinen Grund mehr für einen Wechsel, im Gegenteil. Das Geschäft sei in den zurückliegenden Jahren „extrem spannend geworden. Und es wird auch spannend bleiben“, so Lübcke.

Um die Begeisterung nachzuvollziehen, genügt ein Blick auf seinen aktuellen Arbeitgeber, die TEAG. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Erfurt und über 2.200 MitarbeiterInnen versorgt Haushalte und Unternehmen mit Strom, Gas, Wärme und Wasser. Seit vielen Jahren gehört zudem eine Telekommunikationstochter zum Portfolio, die neben Breitbandanschlüssen auch Mobilfunk und Zusatzdienste wie zum Beispiel Speicher anbietet. Es gibt eine neue Tochtergesellschaft für Elektromobilität und eine weitere für Photovoltaik.

Abgesehen von diesen neuen, spannenden Geschäftsfeldern verändert sich auch das Kerngeschäft des Unternehmens – die Stromversorgung – gerade drastisch, wie Philipp Lübcke betont. „Die Energiewende ist unumkehrbar, und das bedeutet nicht nur das Ende der Kernkraft, sondern langfristig auch den Ausstieg aus der Kohleverstromung.“

Mit SAP Business Data Cloud die Zukunft intelligenter Anwendungen gestalten

Dekarbonisierung braucht Dezentralisierung und Digitalisierung

Die Zukunft liege in zentraler Versorgung durch Kraftwerke für Gas und Wasserstoff sowie in dezentraler Energieerzeugung durch Photovoltaik und Windenergie. „Wir unterstützen die Kommunen in Thüringen nach Kräften bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort“, so Lübcke. Und diese Energiewende gelinge nur mit einem perfekten Zusammenspiel „der drei großen Ds“: Dekarbonisierung braucht Dezentralisierung, die wiederum nur mit maximaler Digitalisierung umsetzbar ist. 

Womit wir bei SAP sind. Die Walldorfer sind der größte und wichtigste strategische Partner der TEAG. Im Jahre 2022 entschied sich das Unternehmen dafür, alle Kernprozesse der Energiewirtschaft – Ablesung, Abrechnung, Geräteverwaltung, Vertrags- und Kundenmanagement, Marktkommunikation, Nebenbuchhaltung – langfristig in der SAP S/4HANA Cloud abzubilden. „Damit waren wir der erste Energieversorger mit einer umfassenden RISE with SAP S/4HANA Cloud-Strategie“, betont Philipp Lübcke. „Die Energiebranche verändert sich grundlegend, und der Datenaustausch innerhalb der Unternehmen wird deutlich zunehmen. Dezentralisierung und maximale Digitalisierung bedeuten, dass wir viel mehr Daten viel schneller verarbeiten, vielfach neue Cloud Services auf Basis von KI bereitstellen und viel mehr automatisierte Entscheidungsprozesse schaffen.“ All das sei nur mit maximaler Integration und hoher Stammdatenqualität möglich. Und dazu brauche man den richtigen Partner.

Das Team hat gelernt, auch komplexe Vorhaben zu managen

Die TEAG möchte schrittweise alle sieben großen stammdatenführenden Bestandssysteme auf die neue Plattform migrieren, ein Vorhaben, das in drei Großprojekte untergliedert ist. Das erste war die Implementierung von SAP S/4HANA Core – zunächst On Premise – einschließlich Stammdatenbereinigung und Historisierung vieler Altdaten. An dem Projekt, das mittlerweile abgeschlossen ist, waren circa 200 interne und externe MitarbeiterInnen beteiligt. Das Team habe dabei die Fähigkeit erworben, auch komplexe SAP-Vorhaben zu managen. 

Im zweiten Schritt etabliert die TEAG SAP S/4HANA Utilities, eine ERP-Lösung speziell für Energieversorger, sowie SAP Customer Experience auf Basis der SAP Service Cloud Version 2 untergliedert in die drei sogenannten Marktrollen Stromlieferant, Netzbetreiber und Messstellenbetrieb. Dieses Projekt läuft seit anderthalb Jahren, die TEAG wird hier am 1. Dezember 2025 als erstes mit der Marktrolle Stromlieferant produktiv gehen.

Drittes Transformationsprojekt schließlich ist die Implementierung von SAP SuccessFactors, der Personalmanagement-Lösung von SAP. Im Jahre 2024 hat das Unternehmen dazu eine Roadmap entwickelt, um „alles, was wir davon brauchen, optimal nutzen zu können“, so TEAG-CIO Philipp Lübcke.

Die demografische Entwicklung erzwingt den Wandel

Der Versorger hat sich das Ziel gesetzt, bis Ende 2027 alle bestehenden SAP-Systems abzubauen und in die SAP S/4HANA Cloud zu wechseln. Dass die TEAG nicht nur konsequent auf SAP, sondern ebenso entschieden auf einen langfristigen Betrieb ihrer zentralen Applikationen in der Cloud setzt, hängt mit einem weiteren, dem vierten großen D in dieser Geschichte zusammen: der Demografie. „Die vielen MitarbeiterInnen, die in den zehn Jahren in Rente gehen, werden wir nicht in demselben Maße ersetzen können“, ist Philipp Lübcke überzeugt. „Deshalb müssen wir insgesamt unabhängiger werden von personalintensiven Prozessen.“

Bieten Sie KI-gestützte Produktivität für sämtliche Anwendungen, Prozesse und Mitarbeitende in Ihrem Unternehmen.

Wer in der Cloud arbeitet, dem hilft auch künstliche Intelligenz

Die Cloud-Strategie unterstützt dieses Ziel, weil die TEAG durch sie künftig nicht nur weniger teure Hardware benötigt, sondern auch weniger qualifizierte Menschen beschäftigen muss, die die Systeme betreiben und bereitstellen.  

Und wer in der Cloud arbeitet – und damit konsequent auf eine Plattformstrategie und auf Standardisierung setzt – der kann sich bei vielem zudem von künstlicher Intelligenz helfen lassen. Zum Beispiel von Joule. Die Anwendung basiert auf generativer KI und lernt aus SAP-Daten, um Benutzern kontextbezogene Unterstützung zu bieten.

Unterm Strich stehe „die IT bei einem Energieversorger künftig mehr denn je im Mittelpunkt“, davon ist TEAGs CIO Philipp Lübcke überzeugt. „Und die Business IT ist dabei auch näher dran an zentralen Unternehmensentscheidungen denn je. Das macht den Job so vielfältig und so spannend.“

Und es verhindert sicher auch künftig, dass der TEAG-CIO mit anderen Branchen liebäugelt.

Abonnieren Sie den SAP News Center Newsletter