Strategischer Wandel: Wie VOITH mit SAP RISE seine SAP-Landschaft in die Cloud überführt.

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Die Voith Group befindet sich mitten in ihrer Cloud-Transformation mit SAP RISE. Schrittweise migriert das Technologieunternehmen seine SAP-Systeme auf SAP RISE – ein strategischer Schritt, um Innovation, Skalierbarkeit und Effizienz langfristig zu sichern.

Die Voith Group ist ein weltweit agierendes Technologieunternehmen mit mehr als 150 Jahren Geschichte. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Heidenheim an der Brenz bietet ein breites Portfolio aus Anlagen, Produkten, Dienstleistungen und digitalen Anwendungen für verschiedene Industrien und zählt zu den global führenden Anbietern in seinen Märkten. So stammt ein Viertel der weltweit aus Wasserkraft gewonnenen Energie aus Turbinen und Generatoren von Voith Hydro – neben Voith Paper und Voith Turbo einer von drei Konzernbereichen. Ein großer Teil der weltweiten Papierproduktion rollt über Voith-Papiermaschinen.

Im Rahmen des konzernweiten Programms „Journey to the Cloud“ migriert VOITH derzeit seine bestehenden SAP S/4HANA-Systeme schrittweise auf Basis des RISE-with-SAP-Modells in die Cloud. Das Ziel ist klar: Bis im Herbst 2028 will Voith eine Cloud-only IT-Landschaft betreiben.

Strategische Neuausrichtung als Antwort auf veränderte Marktanforderungen

Zum Start des Projektes betrieb VOITH rund 110 SAP-Systeme On-Premises im eigenen Rechenzentrum – effizient, stabil und kostenoptimiert. „Es gab eigentlich keinen Leidensdruck“, erklärt Dietmar Schmidt, Senior Manager Sales, Logistics & Central Apps bei VOITH.

„Unser SAP-Betrieb einschließlich des betreuenden Teams war exzellent. Trotzdem war klar: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen wir die IT strategisch neu ausrichten, weg vom klassischen Betreiber, hin zum strategischen Enabler digitaler Geschäftsmodelle.“

Dietmar Schmidt, Senior Manager Sales, Logistics & Central Apps bei VOITH

Mit dem Umstieg auf SAP RISE verfolgt VOITH deshalb langfristig das Ziel, die Mitarbeitenden in der IT von reinen Betriebsaufgaben zu entlasten und mehr Zeit für wertschöpfende Aufgaben zu schaffen. „Wichtige Innovationsthemen wie Künstliche Intelligenz, Integration über die Business Technology Platform (SAP BTP) oder digitale Service-Lösungen brauchen den Freiraum unserer Experten“, führt Dietmar Schmidt aus. „Nicht zuletzt bietet uns die Cloud-Migration die Möglichkeit, frühzeitig an technologischen Entwicklungen wie Generative und Agentic AI oder SAP Joule teilzuhaben.

In drei Wellen zum Ziel

Die Migration wurde in drei Wellen angelegt:

  • In der ersten Welle (April bis September 2024) wurde die S/4-SAP-Umgebung von VOITH Turbo – inklusive der dazugehörigen BI-Landschaft – in die Cloud verschoben.
  • Es folgte die zweite Welle (Oktober 2024 bis Juni 2025), in der unter anderem das zentrale HR-System, ein BI-System von VOITH Hydro, das zentrale MDG-Stammdatenverwaltungssystem und die umfangreiche ERP-Landschaft von VOITH Paper migriert wurden.
  • Aktuell, in der dritten Welle (seit Juli 2025), werden die verbleibenden ERP-Systeme von VOITH Hydro und Turbo zusammengeführt und in die RISE-Umgebung überführt. Der Abschluss des SAP-RISE-Projektes ist für das dritte Quartal 2027 geplant.

„Mit diesem stufenweisen Vorgehen ist es uns gelungen, bereits einen Großteil der bestehenden SAP S/4HANA-Systeme nahezu 1:1 in die SAP RISE Cloud zu migrieren“, fasst Peter Lexa, verantwortlich für OTC Sales, Service, Logistics Applications, zusammen, „also ohne funktionale oder prozessuale Änderungen, aber mit einem zukunftsfähigen Betriebsmodell.“

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Ein externer Lotse für den Start

Der Wechsel in die Cloud erfolgte nicht ohne Vorbereitung. VOITH entschied sich, für die erste Projektphase einen externen Projektleiter einzusetzen – einen Experten mit RISE-Erfahrung. „Die Zusammenarbeit mit SAP in diesem neuen Modell war Neuland für uns“, sagt Peter Lexa.

„Die Rollen und Verantwortlichkeiten bei SAP – etwa zwischen ECS-Betriebsteam und Migrationsteam – sind komplex. Durch die externe Expertise konnten wir schnell und strukturiert starten.“

Peter Lexa, verantwortlich für OTC Sales, Service, Logistics Applications

Diese Entscheidung habe sich bewährt, erklärt Peter Lexa, auch weil das VOITH-Team auf diese Weise Knowhow sammeln und die Projektleitung ab der zweiten Welle selbst übernehmen konnte. Ein eingespieltes Team aus IT, Fachbereichen und SAP sorgte dafür, dass die Migration zeit- und budgetgerecht verlief: „Wir haben die erste und zweite Welle im geplanten Zeitrahmen unter Einhaltung aller qualitativen Vorgaben abgeschlossen“, stellt der IT Manager heraus.

Kommunikation als Schlüssel für Migrationserfolg

Die wohl größte Hürde bei der Umsetzung des Projektes war nicht technischer, sondern menschlicher Natur. „Wir mussten unsere Mannschaft mitnehmen“, sagt Dietmar Schmidt offen. Das interne SAP-Basis-Team, seit Jahren hochprofessionell aufgestellt, sah den eigenen Aufgabenbereich schwinden. Offene Kommunikation half, Vertrauen aufzubauen. „Wir haben klar gesagt: Die Arbeit verändert sich – aber die Mitarbeitenden werden nicht überflüssig“, betont Schmidt.

„Routineaufgaben wie Patchen oder Security Notes fallen weg. Dafür werden neue Freiräume für Themen wie SAP Fiori, Cloud-Integration oder die Nutzung von KI im Kontext von SAP S/4HANA entstehen.“

Dietmar Schmidt, Senior Manager Sales, Logistics & Central Apps bei VOITH

Von der Betriebsorganisation zum Innovationspartner für das Business

Nach den ersten beiden Wellen ziehen Peter Lexa und Dietmar Schmidt eine positive Bilanz: Die Systeme laufen stabil und performant, in manchen Prozessen sogar schneller als zuvor. Durch die Cloud-Nutzung seien Ressourcen zudem flexibler skalierbar. Allerdings, so Lexa, gebe es auch noch Optimierungspotenzial: „Ticketprozesse bei SAP dauern teilweise länger als wir es aus dem Eigenbetrieb gewohnt waren – zum Beispiel, wenn es darum geht, Systemparameter zu ändern oder ein Upgrade durchzuführen. Aber wir sehen, dass sich die Abläufe kontinuierlich einspielen.“

Aktuell (November 2025) läuft die dritte und letzte Migrationswelle. Im dritten Quartal 2027 sollen die verbleibenden ERP-Systeme von VOITH Turbo und VOITH Hydro nach SAP S/4HANA konvertiert und in das künftige zentrale „OneVoith“ ERP in der RISE-Cloud konsolidiert werden. Dann wird VOITH seine komplette produktive SAP-Landschaft in der Cloud betreiben: „Die VOITH IT wird sich fundamental verändern“ resümiert Dietmar Schmidt, „von der Betriebsorganisation hin zu einem Innovationspartner für das Business.“ Im Rückblick auf den positiven Projektverlauf lautet sein Fazit für eine erfolgreiche Cloud-Journey: „SAP RISE ist kein Selbstläufer. Aber wer offen kommuniziert, sauber dokumentiert und erfahrene Partner an Bord holt, schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Cloud-Transformation.“

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